Haubentaucher erholen sich von Überdüngung

    Rund 300 Paare Haubentaucher brüten heute am Sempachersee, fast 10 % des Schweizer Bestands. Das war nicht immer so. Die starke Eutrophierung prägte die wechselhafte Bestandsentwicklung.

    Als Fischfresser sind Haubentaucher auf gesunde Fischbestände angewiesen. Ein mittlerer Nährstoffgehalt ist für Fisch und Vogel optimal.
    Als Fischfresser sind Haubentaucher auf gesunde Fischbestände angewiesen. Ein mittlerer Nährstoffgehalt ist für Fisch und Vogel optimal.
    Foto © Marcel Burkhardt

    Am 8. August 1984 kollabierte die Fischfauna des Sempachersees. Mehr als 300 000 Fische mussten sterben. Im Folgejahr gab es auf dem ganzen See keine einzige Haubentaucherbrut. Seit 1992 dokumentiert Verena Keller den Haubentaucherbestand auf dem Sempachersee. Drei Mal im Jahr fährt sie mit dem Boot der Vogelwarte um den See und zählt in der zweiten Maihälfte die Brutpaare und Anfang und Ende August die Familien und Jungen. Jetzt haben sie und Pius Korner die inzwischen 25-jährige Datenreihe analysiert und einen deutlichen Zusammenhang zwischen Brutbestand und dem Eutrophierungsgrad des Sees, gemessen am Phosphorgehalt, gefunden.

    Der Phosphorgehalt im Sempachersee erreichte um 1984 einen Extremwert von 160 mg/m3. Die massive Überdüngung des Sees führte zu einem verheerenden Wachstum von Blaualgen, deren Toxine ein grosses Fischsterben auslösten. Eine teure künstliche Seebelüftung sorgte in der Folge dafür, dass trotz weiterhin viel zu hoher Nutztierbestände der Phosphorgehalt bis 2003 wieder auf normale 30 mg/m3 sank. Genau gegenläufig verhielt sich der Brutbestand der Haubentaucher. Die Fischfresser profitierten von den sich erholenden Fischbeständen. Ab 1992 stieg die Zahl der Brutpaare von 80 auf ein Maximum von über 400 im Jahr 2001 und schwankt seither stark um die 300.

    Der Bruterfolg beträgt heute im Durchschnitt 0,6 Junge pro Paar. Er wird aber von stürmischem Wind zum Zeitpunkt des Schlüpfens, vor allem im Zeitraum von zwischen Mitte Juni bis Mitte Juli beeinträchtigt. Der stark ausgedünnte Schilfgürtel schützt viele Bruten nur ungenügend vor den Wellen.

    Keller, V. & P. Korner-Nievergelt (2019): Effect of trophic status of a deep-water lake on breeding Great Crested Grebes Podiceps cristatus during a phase of recovery from eutrophication: a long-term study. Bird Study 66: 1-10.

    Haubentaucher