Christoph Vogel: (R)Ente gut – alles gut!

    Er hat den richtigen Namen und den richtigen Dialekt: «Schwiizerischi Voguwarte Vogu, guete Tag», so begrüsste Christoph Vogel in seinem gemütlichgewinnenden Bärndüütschähnlichen Dialekt jeweils die Anrufenden.

    Christoph Vogel war stets voll im Element, wenn es darum ging, seine Begeisterung und sein Interesse an die junge Generation weiterzugeben.
    Christoph Vogel war stets voll im Element, wenn es darum ging, seine Begeisterung und sein Interesse an die junge Generation weiterzugeben.
    Foto © Marcel Burkhardt
    Jede Menge Glücksmomente, unter anderem beim Literaturstudium, wünschen wir Christoph Vogel für seinen nächsten Lebensabschnitt!
    Jede Menge Glücksmomente, unter anderem beim Literaturstudium, wünschen wir Christoph Vogel für seinen nächsten Lebensabschnitt!
    Foto © Felix Tobler

    Damit hatte er den Sympathiebonus sogleich auf seiner Seite und auch für Gesprächsstoff war von Anfang an gesorgt: «… nein, Vogel ist nicht mein Künstlername hier an der Vogelwarte, ich heisse so seit meiner Geburt. Und Sie Frau Beck, kommen Sie etwa gerade aus der Backstube?» Klar, dass so das Terrain jeweils bestens vorbereitet war und sich auch die Stimmung von verärgerten Anrufenden sogleich ein wenig aufhellte. Denn auch mit solchen hatte es Christoph Vogel im Telefon-Auskunftsdienst der Vogelwarte hin und wieder zu tun. Speziell dann, wenn es um Rabenvögel ging: Um Saatkrähen etwa, die am Morgen Radau vor dem Fenster machten oder für verschissene Verhältnisse in Quartierstrassen und auf chromblitzenden Autokarossen sorgten. Mit solchen Themen war man bei Christoph Vogel genau an der richtigen Adresse, denn die Rabenvögel, allen voran die Dohlen, sind seine erklärten Lieblinge. Mit viel Geduld und grosser Sachkenntnis gelang es ihm immer wieder, die Dinge ins richtige Licht zu rücken und für diese wenig beliebte Vogelgruppe Sympathien und Interesse zu wecken. Wer’s nicht glaubt, werfe einen Blick in das von ihm mit Herzblut und Fachkompetenz verfasste, 2019 erschienene Themenheft «Raben – schwarz, schlau und verspielt» – ein Glanzlicht in unserer langen Reihe der Themenhefte!

    Ein Vogel macht Schule

    Herzblut und Fachkompetenz prägten auch Christoph Vogels Wirken in der schulischen Vermittlung und bei seinen Auftritten als begnadetem live-Performer. Wer ihn je im Rahmen eines Schulprogramms an der Vogelwarte oder aber als Referenten irgendwo in unserem Land erlebte, weiss wovon die Rede ist. Die Angebote für Schulklassen konzipierte er für das 2015 eröffnete Besuchszentrum völlig neu. Sein Ziel war es, den Primarschülerinnen und -schülern an der Vogelwarte eine überraschende, unterhaltsame und lehrreiche Begegnung mit der einheimischen Vogelwelt zu ermöglichen. Klar, dass dabei möglichst viel von seiner Begeisterung auf die Kinder überspringen sollte. Offensichtlich wurden diese Ziele erreicht: Die unzähligen positiven Rückmeldungen zu den Schulangeboten und eine 2018 unter den Lehrerinnen und Lehrern durchgeführte Evaluation reichen mindestens für die Note 5–6!

    «Vogels Vogelbuch» – ein Klassiker auch für Erwachsene

    Neben seiner didaktisch-pädagogischen Vermittlungsarbeit an der Vogelwarte nutzte Christoph Vogel weitere Kanäle, um mit der entsprechenden Breitenwirkung Interesse und Freude an der heimischen Vogelwelt zu wecken. So schuf er ein Set von Themenkisten mit didaktischen Materialien und Hilfestellungen für den schulischen Alltag, mit denen sich Vogelgesang, Vogelflug oder Vogelfedern in die Schulstuben holen lassen. Und erwähnt werden muss hier auch «Vogels Vogelbuch» das erste Schweizer Vogelbestimmungsbuch für Kinder und Jugendliche, das – wie sich erst nach der Veröffentlichung zeigen sollte – auch von Erwachsenen sehr gerne genutzt wird.

    Es gäbe noch viel zu berichten über den Biologen, der mit einer Arbeit über die Brutverbreitung der Dohle diplomierte, über den Primarlehrer, der den Schulalltag aus eigener Erfahrung bestens kennt, über den Wattenläuper, der auch als Reiseleiter im nordfriesischen Wattenmeer seine Begeisterung für die Vogelwelt weitergibt, über den Onomatopoeten, der sich über lautmalerische Vogelnamen wie «Zilpzalp», «Kuckuck » oder «Uhu» freut, über den altphilologisch geschulten Sprachliebhaber, den Ausdrücke wie «Personenvereinzelungsmassnahmen » in sprachloses Erstaunen versetzen und natürlich vor allem auch über unseren Kollegen, der jetzt in den Ruhestand tritt. Zu seinem nächsten Lebensabschnitt wünschen wir ihm ganz herzlich: (R)Ente gut – alles gut!