Der ausserordentliche Zug der Küstenseeschwalbe

    Wie schaffen Küstenseeschwalben ihre unglaublichen Wanderungen von Pol zu Pol? Dank dem Einsatz von Geolokatoren liefert eine neue Studie Teilantworten auf diese Frage.

    Küstenseeschwalbe
    Küstenseeschwalbe
    Foto © Marcel Burkhardt

    Kurz bevor Martins Briedis im Jahr 2017 seine Arbeit im Vogelzug-Forschungsteam der Vogelwarte aufnahm, reiste er mit einigen Kolleg(inn)en der tschechischen Universität von Südböhmen nach Spitzbergen, Norwegen, um dort auf 78° nördlicher Breite rund 30 Küstenseeschwalben mit Geolokatoren auszurüsten.

    Ein Jahr später konnten die Forscher 16 dieser Minigeräte wieder zurückgewinnen und so die Zugrouten der Vögel rekonstruieren. Jede einzelne Seeschwalbe hatte auf dem Hin- und Rückweg mindestens 50 000 km zurückgelegt. Ein Vogel, der im Indischen Ozean an den Küsten der Antarktis überwintert hatte, brachte es in diesem Jahr sogar auf 78 000 km!

    Die Auswertungen haben zudem gezeigt, dass Küstenseeschwalben für die eigentliche Zugperioden vor allem im Frühjahr Gebiete mit starker Rückenwindunterstützung aufsuchen. Ihre Rastplätze liegen speziell im Herbst vorzugsweise in Meeresabschnitten mit reichem Nahrungsangebot.

    Bei ihren Wanderungen zwischen den Polen erleben Küstenseeschwalben zu 80 % ihrer Zeit volles Tageslicht, was diesen strikt tagaktiven Vögeln die Nahrungssuche sehr erleichtert.

    Hromádková T, Pavel V, Flousek J, Briedis M (2020) Seasonally specific responses to wind patterns and ocean productivity facilitate the longest animal migration on Earth. Mar Ecol Prog Ser 638:1- 12. https://doi.org/10.3354/meps13274.