Die Biodiversität ist systemrelevant!

    Mit entschlossenem Handeln ist es in der Schweiz gelungen, die Corona-Gefahr stark einzudämmen. Ein ähnlich couragiertes Vorgehen wäre auch bei der Bewältigung der chronischen Biodiversitätskrise dringend nötig.


    Foto © Markus Jenny

    Denn auch hier geht es um existenzielle Fragen. Unsere Versorgung mit Obst hängt von der Existenz bestäubender Insekten ab. Das Insektensterben ist also keineswegs nur für die Insekten ein Problem. Die Belastung der Umwelt mit Pestiziden schadet auch uns direkt.

    Die Biodiversität ist systemrelevant. Zu ihrem Schutz brauchen wir endlich konsequente Massnahmen in grossem Stil. Die kleinen und kleinsten Naturreservate im Mittelland gilt es zu vergrössern, damit auch anspruchsvollere Vögel wieder eine Existenzgrundlage finden. Die Reservate brauchen überdies ausreichende Pufferzonen, um sich vor übermässigem Nitrat zu schützen, das die ganze Blumenpracht erstickt.

    Und eigentlich verdient es jede Gemeinde, ein grosszügiges artenreiches Naherholungsgebiet zu bekommen, so selbstverständlich wie ein Feuerwehrmagazin, einen Fussballplatz und eine Mehrzweckhalle. Eine solche ökologische Infrastruktur käme uns nicht nur beim nächsten Lockdown zugute. Auch die Natur könnte sich etwas erholen. Für die Wildtiere würde unentbehrlicher Lebensraum entstehen, der dazu beiträgt, die Reproduktionszahl bedrohter Vögel, Amphibien, Libellen und Schmetterlinge wieder über 1 zu bringen.

    Auch in der Landwirtschaft braucht es weitere Schritte, von denen sowohl unsere Gesundheit wie auch die Natur profitieren könnten. Beispielsweise mit etwas weniger Zuckerrüben, dafür mehr Biodiversität in Form von Brachen. Weniger Zucker senkt nicht nur das Risiko von Diabetes oder Herz-Kreislauf- Erkrankungen und die Zahnarztrechnung. Mehr Brachen wären eine ökologische Alternative zur defizitären Schweizer Zuckerindustrie. Gleichzeitig käme der Ackerbau den angestrebten 7 % Biodiversitätsförderflächen ein wenig näher. Heute sind es auf Ackerland weniger als 2 %!

    Viele Bäuerinnen und Bauern haben in der Corona-Krise unter Beweis gestellt, wie wichtig eine nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln ist. Auch bei der Bewältigung der Biodiversitäts- Krise kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu. Wie diese wahrgenommen werden kann, zeigt unter anderem das ökologische Programm von IP-Suisse eindrücklich, das neu auch auf herbizidfreien Getreideanbau setzt und zukunftsweisende ökologische Verbesserungen im Reb- und Obstbau anstrebt.

    Damit auch andernorts den Worten Taten folgen, braucht die Schweiz eine Biodiversitäts-Task- Force, die den Takt vorgibt mit einer oder einem Biodiversitäts- Delegierten des Bundes nach dem Vorbild von Herrn Koch, die uns den Weg in eine neue Normalität aufzeigt, die umweltfreundlicher sein wird als die alte Normalität vor der Krise.