Einsichten ins Leben des Wespenbussards

    Der Wespenbussard ist auf das Erbeuten der Nester von Echten Wespen spezialisiert, er frisst aber auch Wirbeltiere wie Jungvögel und Frösche. In welchem Umfang dies geschieht, wurde bis jetzt nie gründlich untersucht.

    Dank der einzigartigen Gefiederfärbung und den Streifenmustern können viele Wespenbussarde individuell erkannt werden, so auch dieses Männchen.
    Dank der einzigartigen Gefiederfärbung und den Streifenmustern können viele Wespenbussarde individuell erkannt werden, so auch dieses Männchen.
    Foto © Valentijn van Bergen
    Ein Wespenbussardweibchen füttert seine elf und zwölf Tage alten Jungen mit Puppen der Gemeinen Wespe Vespula vulgaris. Rechts der Jungen befindet sich eine leere graue Wabe, vermutlich von einer Langkopfwespe Dolichovespula sp. Die Aufnahme wurde mit einer Nestkamera gemacht, so dass die Vögel bei der Brut nicht gestört werden.
    Ein Wespenbussardweibchen füttert seine elf und zwölf Tage alten Jungen mit Puppen der Gemeinen Wespe Vespula vulgaris. Rechts der Jungen befindet sich eine leere graue Wabe, vermutlich von einer Langkopfwespe Dolichovespula sp. Die Aufnahme wurde mit einer Nestkamera gemacht, so dass die Vögel bei der Brut nicht gestört werden.
    Foto © Valentijn van Bergen

    Als einer der heimlichsten Greifvögel der Schweiz wird der Wespenbussard in Monitoringprogrammen leicht übersehen. Dies führt auch dazu, dass es noch viele offene Fragen zu seiner Biologie gibt: Wie hoch sind die lokalen Dichten? Was steht zur Brutzeit auf dem Speisezettel?

    2019 wurden daher Untersuchungen im Sensebezirk FR und im angrenzenden Gebiet des Kantons Bern gestartet, um mehr über die Dichte des Wespenbussards und seine Nahrung herauszufinden. Von hohen Aussichtspunkten aus wurde der Himmel abgesucht und jeder fliegende Wespenbussard in eine Karte eingezeichnet. Die meisten Individuen können an der einzigartigen Gefiederfärbung und den Streifenmustern individuell erkannt werden. Bestimmte Verhaltensweisen, wie etwa das Tragen von Beute, Paarflug über dem Wald und der einzigartige Balzflug, der auch als Schmetterlingsflug bekannt ist, deuten auf ein Revier hin.

    2019 wurde ein Gebiet von ca. 100 km2 überwacht, 2020 waren es 160 km2. Dabei wurden Dichten von 7,2 bzw. 8 Revieren pro 100 km2 festgestellt. In beiden Jahren konnte in 16 Revieren eindeutig festgestellt werden, ob ein Nest vorhanden war und wie viele Junge pro Nest flügge wurden: Sieben Paare zogen erfolgreich Nachwuchs auf, eines im Jahr 2019 und sechs im Jahr 2020. Daraus ergab sich ein Bruterfolg von 0,81 flüggen Jungen pro Revier, was ein ziemlich tiefer Wert ist. Es sind weitere Jahre der Überwachung erforderlich, um festzustellen, ob dieser Bruterfolg für die Erhaltung des Bestands ausreicht, oder ob der Bestand in den kommenden Jahrzehnten abnehmen wird.

    Diese Werte wurden mithilfe von Kamerafallen an den Nestern erhoben. Mit den Kamerafallen konnten auch Einblicke in die Nahrung gewonnen werden: Von den zwölf Wespenarten in der Schweiz, die als Nahrung für den Wespenbussard in Frage kommen, macht mit 65,4 % die Gemeine Wespe Vespula vulgaris den grössten Anteil an der Nahrung aus. Bemerkenswert ist der eher geringe Anteil (maximal 13,9 %) der ebenfalls sehr häufigen Deutschen Wespe Vespula germanica. Diese beiden Arten weisen einen langen Fortpflanzungszyklus auf, der bis Ende August dauert. Sie stehen daher dem Wespenbussard noch lange als Nahrung zur Verfügung. Die anderen Wespenarten vermehren sich schneller und haben in der Regel Ende Juli ihren Zyklus beendet, wenn junge Wespenbussarde noch einen Monat lang gefüttert werden.

    Es gibt Hinweise darauf, dass Wespen in Europa ihren Fortpflanzungszyklus aufgrund der Klimaerwärmung vorverlegt haben und daher früher mit ihrer Fortpflanzung fertig sind. Dies könnte dazu führen, dass der Wespenbussard bei der Jungenaufzucht die kurzzyklischen Wespenarten gar nicht nutzen kann.

    Neben Wespen spielen Wirbeltiere (hauptsächlich Frösche und Jungvögel) zu Beginn der Nestlingsphase eine wichtige Rolle. Sie können vor der Eiablage und während der Bebrütung der Eier bis zu 100 % der Nahrung der Wespenbussarde ausmachen.

    Die aktuellen Untersuchungen liefern erste Erkenntnisse zur Biologie des Wespenbussards im Sensebezirk. Es wird sich zeigen, ob und wie sich diese vorläufigen Resultate verändern, wenn Daten aus mehr Jahren zur Verfügung stehen. Um zu beobachten, welchen Einfluss die Höhenlage auf die Ernährung hat, soll das Monitoring auf die höheren Lagen im südlichen Teil des Sensebezirks ausgeweitet werden.