Förderung der Vogelwelt in den Walliser Rebbergen

    Als die Schweizerische Vogelwarte vor rund 20 Jahren im Wallis eine Aussenstelle gründete, gewann auch die Förderung der Vogelwelt in den dortigen Rebbergen an Bedeutung. Seither konnten die Lebensraumbedingungen für Vögel vielerorts verbessert und wichtige Veränderungen im Rebbau angestossen werden.

    Einseitig und intensiv bewirtschaftete Rebberge stellen Monokulturen dar, welche der Vogelwelt kaum Nahrung und Lebensräume bieten.
    Einseitig und intensiv bewirtschaftete Rebberge stellen Monokulturen dar, welche der Vogelwelt kaum Nahrung und Lebensräume bieten.
    Foto © Flurin Leugger
    Hecken und andere Gehölze sowie strukturreiche Wiesen ergänzen die Rebberge zu einer mosaikartigen Reblandschaft mit einer Vielzahl an verschiedenen Lebensräumen.
    Hecken und andere Gehölze sowie strukturreiche Wiesen ergänzen die Rebberge zu einer mosaikartigen Reblandschaft mit einer Vielzahl an verschiedenen Lebensräumen.
    Foto © Flurin Leugger

    War die Kulturlandschaft des Walliser Haupttals früher noch ein Mosaik unterschiedlicher Habitate, so dominieren heute an sonnigen Lagen Rebberge das Landschaftsbild und bilden eine flächendeckende Monokultur. Ehemalige Landschaftselemente wie Wiesen und Weiden oder Kleinstrukturen fehlen fast vollständig. Zudem werden die Rebbergparzellen intensiv bewirtschaftet. Im niederschlagsarmen Wallis ist es noch heute vielerorts die Regel, den Boden in den Rebbergen mit Herbizid von Vegetation zu «befreien», um für die Reben die Konkurrenz mit anderen Pflanzen um Wasser und Nährstoffe zu minimieren. Es erstaunt deshalb nicht, dass die Artenvielfalt in derart bewirtschafteten Parzellen und Reblandschaften gering ist.

    Begrünte und strukturierte Rebberge schaffen

    Mehrere Forschungsprojekte der Walliser Aussenstelle in Zusammenarbeit mit der Universität Bern zeigten jedoch auf, dass bedrohte Vogelarten in diesem Agrarsystem gezielt gefördert werden können. Ein Schlüsselfaktor dafür stellt die Bodenbegrünung der Rebberge dar. Die Heidelerche, die Charakterart der Walliser Rebberge, brütet und sucht bevorzugt dort nach Nahrung, wo es genügend begrünte Rebparzellen gibt. Auch wurden in solchen Flächen mehr Vogelarten beobachtet, welche Trockenhabitate bevorzugen, wie etwa Bluthänfling, Zaun- und Zippammer. Aus diesem Grund engagiert sich die Vogelwarte Sempach seit Jahren für die Förderung der Bodenbegrünung in Rebbergen. Im Rahmen dieses Engagements hat sich durch die intensive Zusammenarbeit mit lokalen Winzern und Winzervereinigungen eine erfreuliche Dynamik entwickelt. Immer mehr Winzer, aber auch der Kanton Wallis erkennen, dass die flächendeckende Herbizidbehandlung nicht mehr zeitgemäss ist: Der Anteil an begrünten Rebbergen wächst stetig.

    Genauso wichtig wie die Bodenbegrünung sind zusätzliche Landschaftselemente, damit möglichst viele Vogelarten in Reblandschaften brüten können. Natürliche Strukturen wie Niederund Baumhecken, Einzelbäume, Trockensteinmauern und Felsensteppe bieten sowohl Brut- und Versteckmöglichkeiten als auch alternative Nahrungsquellen. Die Vogelwarte Sempach erhält und schafft gezielt solche Strukturen in den Rebbergen, indem sie beispielsweise Niederhecken und Hochstammobstbäume pflanzt oder die Erhaltung von Trockensteinmauern unterstützt. Damit werden Monokulturen zu einer mosaikartigen Reblandschaft aufgewertet, die reich an Arten und Lebensräumen ist.

    Kleine Rebparzellen als Trittsteine nutzen

    Seit einiger Zeit werden infolge marktwirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen immer mehr kleine Rebparzellen nicht mehr bewirtschaftet. Diese befinden sich oft an Randlagen, sind maschinell nicht zu bearbeiten und für professionelle Winzer daher nicht interessant. Durch die Aufgabe der Bewirtschaftung drohen diese Rebparzellen zu verbuschen, bieten aber gleichzeitig auch die Chance, neue Lebensräume zu schaffen. Durch die Umnutzung solcher Parzellen, sei es in Richtung kleiner Hochstammobstgärten oder extensiv bewirtschafteter und strukturreicher Wiesen und Weiden, wird eine mosaikartige Landschaft geschaffen. Dies fördert nicht nur die Biodiversität, sondern trägt auch zu einem intakten Landschaftsbild bei, welches die lokale Bevölkerung wie auch der Tourismus gleichermassen schätzen. Die Vogelwarte Sempach hat deshalb zusammen mit Pro Natura das Gemeinschaftsprojekt «Ökologische Trittsteine in den Walliser Weinbergen» ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projekts versuchen wir in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, ein Netz an neuen Lebensräumen zu schaffen, welches die Walliser Rebberge als Ganzes für Vögel noch attraktiver machen soll.