Mehr Biodiversität und weniger Pestizide im Rebbau

    Die IP-Suisse hat in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte ökologische Richtlinien zur Förderung der Biodiversität und zur Reduktion des Pestizideinsatzes in der Weinproduktion entwickelt. Damit soll ein wegweisender ökologischer Standard in der Schweizer Weinproduktion etabliert werden.

    Die Labelkriterien der IP-Suisse für den Rebbau fordern, dass in Rebbergen wertvolle Lebensräume wie Buntbrachen angelegt werden.
    Die Labelkriterien der IP-Suisse für den Rebbau fordern, dass in Rebbergen wertvolle Lebensräume wie Buntbrachen angelegt werden.
    Foto © Markus Jenny
    Von den Massnahmen zur Förderung der Biodiversität in Rebbergen profitiert auch der Wiedehopf.
    Von den Massnahmen zur Förderung der Biodiversität in Rebbergen profitiert auch der Wiedehopf.
    Foto © Markus Jenny

    Rebberge haben dank ihrer klimatisch bevorzugten Lage ein sehr hohes Potenzial für die Biodiversität. Doch die Qualität des Lebensraums von Heidelerche, Zaunammer & Co. hat sich wegen der Beseitigung von wertvollen Strukturelementen und des sehr hohen Einsatzes von Pestiziden massiv verschlechtert. Vor allem wegen des Pestizideinsatzes wird die Weinbranche seit Jahren kritisiert. Der Druck des Marktes und der Politik zwingt die Branche zu einem deutlich ökologischeren Weinbau.

    Im Rebberg für die Biodiversität punkten

    IP-Suisse und der Detailhändler Denner haben sich zum Ziel gesetzt, schweizweit ein innovatives Programm zur Förderung der Biodiversität und zur Schonung der natürlichen Ressourcen umzusetzen. Daher wurde die Vogelwarte von der IP-Suisse mit der Entwicklung eines umfassenden, ambitionierten und aussagekräftigen Punktesystems beauftragt, mit dem die Massnahmen zur Förderung der Biodiversität im Rebbau beurteilt werden können. In enger Zusammenarbeit mit sechs Kellereien aus den Kantonen Wallis, Waadt und Schaffhausen wurden Massnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Rebberg für typische Tier- und Pflanzenarten und zur Reduktion des Pestizideinsatzes definiert und auf 14 Betrieben getestet.

    So beinhalten 12 Grundanforderungen u. a. eine Begrünung der gesamten Rebbergfläche, zudem muss ein Mindestanteil von 3,5 % der Rebfläche mit Biodiversitätsförderflächen aufgewertet werden und Kleinstrukturen müssen vorhanden sein. Auch im Bereich des Pflanzenschutzes gelten strenge Auflagen.

    Neben den Grundanforderungen beinhaltet das Punktesystem ein Set von Massnahmen zur spezifischen Förderung der Biodiversität und zur Reduktion des Pestizideinsatzes. Je höher die Leistung, desto mehr Punkte können erzielt werden, beispielsweise für das Anlegen wertvoller Lebensräume wie Brachen und Hecken oder den Verzicht auf Pestizide mit besonderem Risikopotenzial.

    Insgesamt verlangen die Labelanforderungen, dass jeder Betrieb zusätzlich zu den Grundanforderungen eine Mindestanzahl von 16 Punkten erreichen muss. Als Umsetzungshilfen werden den Produzenten ein umfangreicher Leitfaden, ein Onlinetool zur Eingabe der Daten und eine unterstützende Beratung angeboten. Zusätzlich sind diverse Kurzvideos geplant. Die Vogelwarte beabsichtigt, die Auswirkungen der Massnahmen des IPSuisse- Rebbaus auf die Vogelwelt ab 2022 zu evaluieren.

    Mehrleistungen mit Marktprämie fair abgelten

    Für die Produzenten sind die zusätzlichen Anforderungen mit einem Mehraufwand verbunden. Das Programm nutzt Synergien mit den Direktzahlungsprogrammen des Bundes. Direktzahlungen sind für spezialisierte Rebbaubetriebe einkommensmässig aber wenig bedeutsam, im Gegensatz zu den viel relevanteren produktbezogenen Prämien. IP-Suisse hat mit den Kellereien als Abgeltung der ökologischen Mehrleistungen eine Prämie von 30 Rappen pro kg Trauben vereinbart.

    Erste Ernte 2021 – erste Weine ab 2022

    In Jahr 2021 werden auf ca. 100 ha Trauben für die ersten IPSuisse- Weine angebaut. Daraus werden ca. 1 Mio. Liter Wein gekeltert, ab 2022 sollen die ersten Weine mit dem IP-Suisse- Käferlogo bei Denner erhältlich sein. Das Programm stiess in der Weinbranche auf grosses Interesse. So will ein 2021 eingereichtes Ressourcenprojekt im Kanton Tessin, das ähnliche Ziele verfolgt, das Punktesystem zur Wirkungskontrolle einsetzen.

    Alle am Projekt beteiligten Akteure sind überzeugt, dass das Programm viel Potenzial hat und Chancen bietet, die Biodiversität grossflächig zu fördern und die natürlichen Ressourcen zu schützen. Oder wie es der Patron der Kellerei Rimuss & Strada, Andrea Davaz, sagt: «Diese Entwicklung ist alternativlos».