Mit Rücksicht und Toleranz

    Beim Aufenthalt und beim Beobachten in der Natur ist Rücksicht gegenüber den Vögeln angesagt, aber auch gegenüber den Mitmenschen.

    Sumpfohreule
    Sumpfohreule
    Foto © Marcel Burkhardt

    Die Suche nach Erholung treibt die Menschen in die Natur. Auch weit abgelegene Gebiete werden zunehmend besucht, und die Aktivitäten werden in die Dämmerungs- und Nachtstunden ausgedehnt. Dadurch steigt das Störungspotenzial für Vögel und andere Wildtiere. Die Vogelwarte erforscht, welchen Einfluss Freizeitaktivitäten auf unsere Vogelwelt ausüben und erarbeitet damit Grundlagen für Regelungen zu deren Schutz. Gleichzeitig engagiert sie sich dafür, dass Störungen durch Menschen vermindert werden und dadurch ein Nebeneinander möglich wird. So hat sie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Partnern einfach verständliche Regeln erstellt, wo und wie Stehpaddeln und Drohnenfliegen mit geringer Störwirkung ausgeübt werden können.

    Auch die Zahl der Vogelbegeisterten nahm über die letzten Jahrzehnte stetig zu. Das spiegelt sich nicht zuletzt in der enormen Steigerung der Beobachtungsaktivität in den letzten dreissig Jahren wider. Die zunehmende Begeisterung für Vögel ist erfreulich und ganz im Sinne der Vogelwarte. Doch Vögel nehmen Ornithologinnen und Ornithologen nicht als weniger störend wahr als andere Personen. Deshalb haben die Vogelwarte und BirdLife Schweiz gemeinsam einen Verhaltenskodex für das verantwortungsvolle Beobachten der Vögel erstellt. Und wer am alljährlichen Fotowettbewerb der Vogelwarte teilnehmen will, muss sich an einen speziellen Kodex für das verantwortungsvolle Fotografieren halten. Fotos, die erkennbar unter Missachtung dieses Kodex entstanden sind, werden ausgeschlossen.

    Besondere Rücksicht auf Vögel ist in den bekannten «Birding Hotspots » geboten, wo sich regelmässig viele Vogelbegeisterte einfinden. Mit zunehmender Präsenz von Menschen steigt auch die Gefahr, dass Vögel gestört werden, auch wenn sich sämtliche Beteiligten an alle Regeln halten. Das kann dazu führen, dass Vögel vom Brüten oder Füttern abgehalten werden. Im Extremfall siedeln sich sensible Arten gar nicht erst an. Für uns Vogelbegeisterte gilt es, solche Fälle zu vermeiden. Wichtig ist dabei der zeitliche Aspekt: Dauert die Störung nur kurze Zeit, dann ist das oft kein Problem. Doch wenn diese Phasen mit Störungen zu lange dauern, kann eine Brut in Gefahr geraten. Sichernde, warnende oder fütternde Vögel sollten daher nur aus ausreichender Distanz beobachtet werden, und an solchen Ort sollte man nur kurz verweilen.

    An solchen «Birding Hotspots» ist aber auch Rücksicht und Toleranz gegenüber anderen Vogelbegeisterten gefragt. Auch sie haben ein Anrecht darauf, an schönen Orten spannende Vögel zu beobachten. Statt uns an ihrer Anwesenheit zu stören, sollten wir uns darüber freuen, dass sie unsere Leidenschaft teilen.