Freizeitvergnügen im Lebensraum der Wasservögel

      Immer mehr Menschen suchen Erholung an und auf Gewässern und damit im Lebensraum verschiedener, teils sensibler Vogelarten. Die Vogelwarte möchte über die Folgen der Freizeitaktivitäten für Vögel aufklären und sucht Lösungen.

      Ein einzelne Person kann hunderte von Wasservögeln aufscheuchen.
      Ein einzelne Person kann hunderte von Wasservögeln aufscheuchen.
      Foto © Stephan Trösch
      Werden junge Wasservögel wie dieser Haubentaucher durch Störungen vom Altvogel getrennt, sinkt ihre Überlebenswahrscheinlichkeit drastisch.
      Werden junge Wasservögel wie dieser Haubentaucher durch Störungen vom Altvogel getrennt, sinkt ihre Überlebenswahrscheinlichkeit drastisch.
      Foto © Stefan Rieben

      Die offenen Flächen auf Seen bieten Wasservögeln eine gute Übersicht, was es Feinden erschwert, sich unbemerkt anzunähern. Allerdings werden dadurch auch Menschen im oder auf dem Wasser auf grosse Distanzen wahrgenommen. Diese frühe Entdeckbarkeit kann bei Wasservögeln zu einer hohen Störungsempfindlichkeit gegenüber unseren Aktivitäten führen. Wir sind inzwischen ganzjährig mit Kanu, Paddel- und Ruderbooten oder schwimmend auf unseren Seen unterwegs. Kitesurfen und Stehpaddeln (Stand Up Paddling SUP) sind neue störungsintensive Freizeitaktivitäten, die auf vielen unserer Seen zum ohnehin bereits starken Bootsverkehr hinzukommen. Ein einzelner Stehpaddler kann grosse Schwärme von Wasservögeln aufscheuchen, selbst aus über einem Kilometer Distanz. Dabei kann bereits die Reaktion einzelner Vögel eine Kettenreaktion auslösen, die selbst Arten zur Flucht veranlasst, die eigentlich an den Menschen gewöhnt sind, wie etwa den Höckerschwan.

      Kritische Zeitpunkte

      Wasservögel sind während der Brutzeit, der Zeit der Schwungfedermauser im Spätsommer und in Kälteperioden im Winter besonders empfindlich gegenüber Störungen. Zur Brutzeit können sich Störungen negativ auf den Bruterfolg auswirken, da z.B. nach einer Störung vom Altvogel getrennte Junge eine geringe Überlebenschance haben.

      Während der Grossgefiedermauser sind Schwäne, Enten, Rallen und Taucher im Sommer über mehrere Wochen flugunfähig. In dieser Zeit suchen sie besonders geeignete Gebiete auf und reagieren äusserst sensibel, da sie nicht fliegend vor Störungen flüchten können. Die Vögel merken sich solche Ereignisse: Mausergebiete werden bei anhaltenden Störungen im Folgejahr gemieden.

      Wintergäste versammeln sich in grossen Scharen an ungestörten Tagesruheplätzen – oft in Buchten. Wasservögel können Störungen teilweise ausweichen. So werden viele Nahrungsgründe nur nachts zur Nahrungsaufnahme genutzt. Werden sie dann tagsüber jedoch wiederholt aufgescheucht, wirkt sich dies besonders bei Frost negativ auf ihr Energiebudget und ihre körperliche Verfassung sowie möglicherweise sogar auf die nachfolgende Brut aus.

      Wo wirkt sich der Erholungsdruck auf Wasservögel aus?

      Erholungssuchende sind auf nahezu allen Seen zu beobachten. Ihre Aktivität kann sich je nach Gewässertyp oder Uferabschnitt unterschiedlich auf Vögel auswirken. So werden nahrungsreiche Buchten und Röhrichte regelmässig von grossen Wasservogeltrupps aufgesucht, während z.B. unnatürlich gestaltete oder steile Ufer wenige Wasservögel beheimaten. Für Wasservögel wertvolle Gebiete stehen zwar oft unter gesetzlichem Schutz und es bestehen Verhaltensregeln. Dennoch werden regelmässig Personen unmittelbar an oder auch in diesen Gebieten beobachtet – mit entsprechenden Folgen für Wasservögel. Vielen Erholungssuchenden fehlt das Wissen; sie kommen nicht mit Naturschutzregeln in Kontakt. Seeseitige Beschilderungen oder Markierungen von geschützten Wasserzonen fehlen oft.

      Informieren und sensibilisieren

      Information, Aufklärung und gemeinsam akzeptierte Regelungen dienen dem Schutz der Wasservögel. Die Schweizerische Vogelwarte engagiert sich dafür, dass die wichtigsten Gebiete für sensible Wasservögel weitgehend frei von menschlichen Störungen bleiben. In den anderen Gebieten helfen einfache Regeln für ein Nebeneinander von Mensch und Wasservögeln. Eine nachhaltige Lösung ist durch eine Sensibilisierung der Freizeitsuchenden, die eindeutige Signalisierung heikler Gebiete und durch geeignete Routen- oder Tourenvorschläge realisierbar.