Gehölzpflege auf Privatgrund

      Regelmässig rufen Behörden im späten Frühjahr dazu auf, Hecken und Sträucher auf Privatgrund zurückzuschneiden. Für die heimische Vogelwelt ist das ein schlechter Zeitpunkt, denn er fällt in die Fortpflanzungszeit vieler Brutvögel.

      Die Amsel ist ein häufiger Brutvogel in Hecken und Sträuchern im Siedlungsgebiet. Werden die Pflanzen während der Brutzeit zurückgeschnitten, können Bruten gestört werden.
      Die Amsel ist ein häufiger Brutvogel in Hecken und Sträuchern im Siedlungsgebiet. Werden die Pflanzen während der Brutzeit zurückgeschnitten, können Bruten gestört werden.
      Foto © Marcel Burkhardt
      Vielfalt auf kleinstem Raum: Trotz einer Länge von nur 8 m finden sich in dieser Wildrosenhecke sieben Straucharten.
      Vielfalt auf kleinstem Raum: Trotz einer Länge von nur 8 m finden sich in dieser Wildrosenhecke sieben Straucharten.
      Foto © Reinhard Witt

      Gärten und Siedlungen eröffnen viele Möglichkeiten, unterschiedliche Lebensräume und vielfältige Strukturen für die einheimische Pflanzen- und Tierwelt zu schaffen. Die Ansprüche der Vögel an ihren Lebensraum lassen sich dabei in zwei Bereiche gliedern. Vögel brauchen einen sicheren Ort, um ihre Jungen aufzuziehen sowie genügend Nahrung für sich und ihre Nachkommen.

      Die Jungenaufzucht erfolgt vielfach mit Insekten, einer sehr energiereichen Nahrung. Nach der Brutzeit und bis weit in den Winter hinein spielen Früchte und Beeren eine grosse Rolle. Bei der Bepflanzung des Gartens sind einheimische Beerensträucher zu verwenden, die den Vögeln am meisten Nahrung bieten. Sie dienen auch als Brutplatz für Vögel, die nicht in Nischen in und an Gebäuden, Baumhöhlen oder Nisthilfen nisten. Etliche Vogelarten brüten mit Vorliebe in dichten und dornentragenden Sträuchern, seien sie in Gruppen gepflanzt oder als Hecken angelegt.

      Die dornentragenden Sträucher bieten dem Nest, aber auch den fast flüggen Nestlingen Deckung und Schutz. Wichtig ist, dass die Vögel beim Nestbau, beim Brüten und beim Füttern der Jungen nicht durch Eingriffe gestört werden. Ein Rückschnitt der Sträucher während der Fortpflanzungszeit kann im schlimmsten Fall zur Aufgabe von Bruten führen. Der Gehölzschnitt sollte deshalb ausserhalb der Brutzeit erfolgen. Dennoch rufen Behörden auch während dieser sensiblen Zeit dazu auf, Hecken und Sträucher auf Privatgrund zurückzuschneiden. Grund dafür sind diverse Vorschriften, vor allem an Verkehrswegen und an der Grenze zu Nachbarparzellen. Genauere Informationen sind bei der Gemeindeverwaltung erhältlich.

      Diesem Konflikt ist nur mit einer Planung und einer vorausschauenden Pflege im Winter zu begegnen. Bei Arbeiten von November bis März stört man Pflanzen und Tiere am wenigsten. Dazu kommt, dass das Astgerüst der Gehölze gut sichtbar ist, sodass für den Schnitt die natürliche Wuchsform der Pflanzen am besten berücksichtigt werden kann. Um Strassen und Wege freizuhalten, ist grosszügiges Ausschneiden angezeigt. Idealerweise wird bereits beim Pflanzen der Gehölze genug Abstand zum nächsten Weg eingerechnet. Wenn berücksichtigt wird, wie breit und hoch die betreffende Gehölzart am konkreten Standort werden kann, dann bleibt auch Jahre später noch ein ausreichend breiter Streifen zwischen Hecke und Weg frei. Damit erübrigt sich auch bei starkem Wuchs im Frühling, dass zur Brutzeit ein Rückschnitt zwingend nötig wird.

      Fruchttragende Sträucher sollten aus Rücksicht auf die Tierwelt möglichst lange nicht geschnitten werden, denn sie bilden eine wichtige Nahrungsquelle. Im Herbst kann das Laub unter den Sträuchern getrost liegen gelassen werden, denn es bildet den idealen Boden für eine Krautschicht unter den Sträuchern. Das Schnittgut muss also nicht immer gehäckselt oder entsorgt, sondern kann auch zu einem wertvollen Haufen geschichtet werden.

      Hecken eignen sich dann besonders als Nistplätze für Vögel, wenn sie möglichst gut verwachsen sind. Es ist deshalb darauf zu achten, dass Sträucher bei der Pflege nicht zu stark aufgelockert werden und immer an der gleichen Aststelle geschnitten werden. Dadurch verästelt sich der Strauch dort stark und bildet Nistgelegenheiten.

      Weitere Hinweise zum Naturnahen Garten und zum Heckenschnitt finden sich in den Merkblättern für Vogelschutz, welche die Vogelwarte gemeinsam mit BirdLife Schweiz herausgibt.