Punkten für die Biodiversität

    Seit 2010 arbeitet die Bauernvereinigung IP-Suisse mit dem Punktesystem Biodiversität. Von den umgesetzten Massnahmen profitiert die Artenvielfalt. Das System zeigt, wie der Biodiversitätsverlust in der Landwirtschaft gebremst werden könnte.

    Anteil Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualität an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Betrieb (Durchschnitt aller IP-Suisse Labelbetriebe). Grün: Anteil BFF mit «Projektqualität», braun: Anteil ökologisch hochwertige BFF.
    Anteil Biodiversitätsförderflächen (BFF) mit Qualität an der Landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Betrieb (Durchschnitt aller IP-Suisse Labelbetriebe). Grün: Anteil BFF mit «Projektqualität», braun: Anteil ökologisch hochwertige BFF.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte
    Viele Tier- und Pflanzenarten des Ackerlandes sind bedroht. Es braucht vermehrt Buntbrachen und andere Biodiversitätsförderflächen im Ackerland.
    Viele Tier- und Pflanzenarten des Ackerlandes sind bedroht. Es braucht vermehrt Buntbrachen und andere Biodiversitätsförderflächen im Ackerland.
    Foto © Roman Graf

    Die Vögel des Landwirtschaftsgebiets mussten in den vergangenen Jahrzehnten weiter Federn lassen. So haben sich seit 1990 die Bestände von knapp dreissig typischen Vogelarten des Landwirtschaftsgebiets halbiert. Es muss eine Priorität des Naturschutzes sein, diese negative Entwicklung zu stoppen. Dabei ist eine Unterstützung durch die Landwirtschaft unerlässlich. Labelproduzenten von IP-Suisse setzen seit 2010 verstärkt Massnahmen zugunsten der Biodiversität um. Dabei schaffen und bewirtschaften sie auch gezielt Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Dadurch können viele in den Umweltzielen Landwirtschaft (UZL) aufgelistete Vogelarten erfolgreich gefördert werden.

    Anhand eines von der Vogelwarte mitentwickelten Punktesystems können Labelproduzenten ihre Leistungen zu Gunsten der Biodiversität auf den Betrieben ausweisen. Die Vogelwarte und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL konnten im Rahmen des Projektes «Mit Vielfalt punkten» zeigen, dass das Punktesystem ein gutes Schätzmass für die Biodiversität auf Betriebsebene darstellt. Dabei massen sie Artenzahl und Dichte von Gefässpflanzen, Heuschrecken, Tagfaltern und Vögeln. Neben der Gesamtartenzahl respektive -dichte berechneten sie auch die Zahl und Dichte der UZL Leit- und Zielarten. Die Korrelationen zwischen der Zahl der Biodiversitätspunkte und diesen Messgrössen waren alle positiv und in 14 der 15 Fälle signifikant. Das bedeutet: Je mehr Punkte ein Betrieb hat, desto höher ist die dort angetroffene Biodiversität.

    Labelproduzenten von IP-Suisse müssen mindestens 15 Punkte im Bereich «Biodiversität» aufweisen, ein Wert, der erfreulicherweise von vielen IP-Suisse Landwirten deutlich übertroffen wird: Die durchschnittliche Punktezahl betrug 2017 sogar 20,6 Punkte. Das widerspiegelt sich im Anteil an ökologisch hochwertigen Biodiversitätsförderflächen (BFF) auf den Betrieben, der seit 2010 stetig stieg. Dazu gehören Buntbrachen, Rotationsbrachen, Ackerschonstreifen, Saum auf Acker, Blühstreifen und alle BFF mit Qualität QII gemäss Vorgaben des Bundesamts für Landwirtschaft. Von 2010 bis 2012 stieg auch der Anteil an BFF mit ebenfalls deutlich über dem Standard liegender «Projektqualität». Ein Vergleich der Daten der IP-Suisse Betriebe mit dem Durchschnitt aller Schweizer Betriebe zeigt, dass in der Tal- und Hügelzone die IP-Suisse Betriebe mit einem Anteil von 5,8 % ökologisch hochwertiger BFF über dem Durchschnitt der Schweizer Betriebe liegen (5,1 %).

    Die Landwirtinnen und Landwirte von IP-Suisse leisten einen grossen Beitrag an die Förderung der Biodiversität in der Landwirtschaft und zeigen damit täglich auf, wie deren Verlust in der Landwirtschaft gebremst werden könnte. Dennoch braucht es eine weitere Zunahme des Anteils an ökologisch hochwertigen BFF. Insbesondere im Ackerland gibt es schweizweit grosses Optimierungspotential. Es braucht weitere Biodiversitätsförderflächen im Ackerland und mehr Massnahmen zur Reduktion der Produktionsintensität auf der Ackerfläche.