Sommerholzerei und Vogelschutz

      Die Nutzung von Holz ist ökologisch sinnvoll. Mit der zunehmenden Holznutzung auch im Sommer gibt es jedoch deutlich mehr Störungen, zudem werden Vogelbruten zerstört. Um Vögel nicht beim Brutgeschäft zu stören, sollte generell auf Holzerarbeiten zwischen April und August verzichtet werden.

      Ungefähre Brutzeiten einiger im Wald brütender Vogelarten. Um das Brutgeschäft der Vögel nicht zu stören, sollte auf Holzerarbeiten zwischen April und August grundsätzlich verzichtet werden (grau markiert).
      Ungefähre Brutzeiten einiger im Wald brütender Vogelarten. Um das Brutgeschäft der Vögel nicht zu stören, sollte auf Holzerarbeiten zwischen April und August grundsätzlich verzichtet werden (grau markiert).
      Foto © Archiv Schweizerische Vogelwarte
      Maschinen können bei Holzerarbeiten im Sommer grosse Störungen verursachen.
      Maschinen können bei Holzerarbeiten im Sommer grosse Störungen verursachen.
      Foto © Markus Schuhmacher
      Die Jungvögel des Wespenbussards fliegen meist erst im August aus. Um Bruten des heimlichen und störungsanfälligen Vogels nicht zu gefährden, sollte deshalb auf Holzerarbeiten im Sommer verzichtet werden.
      Die Jungvögel des Wespenbussards fliegen meist erst im August aus. Um Bruten des heimlichen und störungsanfälligen Vogels nicht zu gefährden, sollte deshalb auf Holzerarbeiten im Sommer verzichtet werden.
      Foto © Ralf Kistowski

      Die Nutzung von Holz ist aus ökologischer Sicht sinnvoll, denn Holz ist ein nachwachsender Rohstoff. Richtig genutzt, kann man zudem den Lebensraum vieler waldbewohnender Vogelarten positiv beeinflussen, beispielsweise indem Alt- und Jungwaldflächen gut durchmischt sind und indem keine grossflächig einheitlichen und monotonen Wälder angelegt werden. Eine Bewirtschaftung hin zum lichten Wald kann für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten förderlich sein. Auch einige spezialisierte Vögel wie Ziegenmelker, Turteltaube oder Mittelspecht können von solchen «lichten Wäldern» profitieren.

      Holzerarbeiten im Wald verursachen aber auch Störungen. Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass diese für ganze Populationen ein Problem wären, solange die Arbeiten im Winter stattfinden. Mittlerweile erfolgen Holzschläge aber vermehrt auch im Sommerhalbjahr. Dies ist kommerziell interessant geworden, da durch neue Techniken das voll im Saft stehende Holz besser getrocknet werden kann. Zudem lassen sich Maschinen und Personal das ganze Jahr über einsetzen. Fällt die Holzernte jedoch auf die Brutzeit, wirken sich Störungen viel stärker auf die Vögel aus. Nester, die darin liegenden Eier sowie Nestlinge sind nicht mobil und fallen dadurch viel leichter Holzerarbeiten zum Opfer. Zudem geben Vögel bei Störungen ihre Bruten eher auf oder beginnen gar nicht erst damit. All das wirkt sich negativ auf den Bruterfolg aus.

      Ob solche Ausfälle der Fortpflanzung für ganze Populationen problematisch sind, ist von Art zu Art sehr verschieden und hängt von der Waldfläche ab, auf der zur Brutzeit forstlich eingegriffen wird. Auf den Bestand der meisten häufigen und weit verbreiteten Brutvögel im Wald, beispielsweise Finken, Drosseln oder Meisen, hat die Sommerholzerei vermutlich kaum einen Einfluss. Anders ist dies bei einigen selteneren Arten mit wesentlich kleineren Beständen und speziellen Lebensraumansprüchen. Auerhuhn, Grauspecht, Greifvögel wie Wespenbussard oder Baumfalke und einige weitere Arten reagieren auf Störungen viel empfindlicher. Für die wenigsten dieser Arten sind die genauen Brutplätze, Bruthöhlen oder Horststandorte bekannt. Da deshalb eine kleinräumige Rücksichtnahme auf diese Arten kaum möglich ist, empfiehlt die Schweizerische Vogelwarte, auf Holzerarbeiten im Wald zwischen April und August grundsätzlich zu verzichten. Dabei haben die Höhenlage des Holzschlages und die dort vorkommenden Brutvogelarten den grössten Einfluss auf die Bestimmung des genauen Zeitraums.

      Es gilt zu beachten: Die Brutzeit zahlreicher Arten (Greifvögel, Eulen, Spechte, Hühner u.a.) setzt bereits vor April ein, und die Bruten von Hohltaube, Wespenbussard und Baumfalke können bis tief in den August andauern. Während der etwas länger dauernden Brutzeit dieser Arten sollte deshalb generell auf Holzerarbeiten in Altholzbeständen verzichtet werden.