Vom Wald lernen

    Die Vögel stellen dem Schweizer Wald ein gutes Zeugnis aus. Sie profitieren offensichtlich vom naturnahen Waldbau.

    Schwarzspecht
    Schwarzspecht
    Foto © Markus Varesvuo

    Die Vogelwelt widerspiegelt den Zustand der Umwelt. Die verbesserten Bedingungen im Wald ermöglichten den darin lebenden Vögeln einen markanten Bestandszuwachs um gut 20 % seit 1990. Insbesondere die Spechte erlebten einen Aufschwung. Sie profitieren von der Zunahme des Holzvorrats und dem damit einhergehenden grösseren Angebot an Alt- und Totholz. Ebenso spielt die Zunahme der Waldfläche in den Zentralalpen und auf der Alpensüdseite eine Rolle. Und auch die inzwischen fast flächendeckende Praxis der natürlichen und standortgerechten Waldverjüngung trägt dazu bei. In den Tieflagen hat dadurch der Laubholzanteil wieder zugenommen.

    Mit seiner insgesamt guten ökologischen Qualität stellt der Wald eine löbliche Ausnahme zum allgemeinen Trend der schleichenden Verarmung der Natur dar. Die erfreuliche Entwicklung hat mehrere Ursachen: Der Flächenschutz und der naturnahe Waldbau sind gesetzlich verankert. Die Förderung der Biodiversität erhält in der forstlichen Praxis einen immer wichtigeren Stellenwert. Vor allem aber handeln die für den Wald und dessen Bewirtschaftung verantwortlichen Fachleute bei Bund und Kantonen sowie viele Waldeigentümer aus Überzeugung im Sinne des alten forstwirtschaftlichen Prinzips der Nachhaltigkeit. Damit leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Biodiversität und zum Klimaschutz, und das auf einem Drittel der Landesfläche.

    Das alles stimmt zuversichtlich, dass in den kommenden Jahren noch weitere Fortschritte gelingen mögen. Dazu gehören weitere ruhige Rückzugsräume für störungsanfällige Vogelarten, eine grössere Menge Totholz, Waldreservate auch in den Wäldern im Jura und Mittelland und mehr Biotopbäume. Viel versprechen wir uns von der Förderung lichtreicher Waldtypen. Die Biodiversität profitiert dann am meisten, wenn den frühen und späten Entwicklungsphasen des Waldes mehr Platz eingeräumt wird, also den lichten Pionierphasen und der alt- und totholzreichen Zerfallsphase, die bedrohten Waldvögeln wie Auerhuhn, Haselhuhn, Ziegenmelker, Waldschnepfe und Grauspecht besonders zu Gute kommen.

    Der heutige, in weiten Teilen nachhaltige, Umgang mit dem Wald bietet sich auch als Modell für andere Lebensräume an. Das Waldgesetz bezweckt explizit, den Wald als naturnahe Lebensgemeinschaft zu schützen. Im Wald werden in der Regel auch keine Pestizide eingesetzt. Und die kantonalen Waldämter beraten und begleiten die Waldeigentümer bei der nachhaltigen und schonenden Waldnutzung.