Windenergie: Die Vogelwarte bleibt am Ball

    Die Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel müssen vor der Bewilligung von Gesetzes wegen gründlich untersucht werden. In einem neuen Leitfaden empfiehlt die Vogelwarte nun Methodenstandards, die auf aktuellsten Kenntnissen beruhen.

    Der Windpark Gütsch oberhalb Andermatt, UR
    Der Windpark Gütsch oberhalb Andermatt, UR
    Foto © Daniela Heynen

    Die Hauptrisiken der Windenergienutzung für Vögel liegen in der Beeinträchtigung des Lebensraums und in der Kollisionsgefahr an den Windenergieanlagen (WEA). Die Schweizerische Vogelwarte bringt sich seit über 15 Jahren fachlich ein, um Konflikte zwischen Vogelschutz und Windenergienutzung zu mindern. In der Praxis wird der Vogelschutz in der Planungsphase von WEA jedoch kaum berücksichtigt. Oft wird deren Realisierung an Orten vorangetrieben, wo die Windbedingungen potenziell geeignet erscheinen – unabhängig vom Vorkommen gefährdeter und prioritärer Vogelarten. Spätestens vor der Bewilligung durch die Behörden müssen WEA ab einer Leistung von 5 Megawatt aber von Gesetzes wegen einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterzogen werden – wie alle anderen Anlagen und Bauten auch, die die Umwelt erheblich belasten oder beeinträchtigen können.

    Die fachgerechte Beurteilung von möglichen Auswirkungen eines geplanten Windparks auf Vögel ist nur anhand einer fundierten Methodik möglich. Offizielle nationale Vorgaben dafür existieren bislang aber nicht, was je nach Kanton zu einer sehr unterschiedlichen Qualität solcher UVPs führt. Die Vogelwarte füllt nun diese Lücke: In ihrem neuen Leitfaden erarbeitete sie Methodenstandards für Abklärungen bezüglich der Vögel. Grundsätzlich sind im Rahmen einer UVP alle Arten der Roten Liste und alle national prioritären Arten zu betrachten. Nach derzeitigem Kenntnisstand sind in der Schweiz 46 Brutvogelarten und zwei Gastvogelarten als windkraftsensibel einzustufen, während auf dem Vogelzug alle Arten als kollisionsgefährdet gelten. Im Brutbereich windkraftsensibler Vogelarten empfehlen wir analog zum Vorgehen in Deutschland eben falls Mindestabstände. Aus Sicht des Vogelschutzes sind WEA bevorzugt in Gebieten mit möglichst geringem Konfliktpotenzial zu errichten.

    Stefan Werner