Agroforst: Chancen und Risiken

    Agroforst bietet Chancen für die Biodiversität. Ohne Rücksichtnahme bei der Standortwahl besteht aber das Risiko, dass Feldlerchen und weitere bedrohte Vogelarten des offenen Kulturlands aus ihrem Bruthabitat vertrieben werden.

    Mitten in offenen Ackerbaugebieten soll zum Schutz von Feldlerche, Wachtel, Kiebitz und Schafstelze auf Agroforstanlagen verzichtet werden.
    Mitten in offenen Ackerbaugebieten soll zum Schutz von Feldlerche, Wachtel, Kiebitz und Schafstelze auf Agroforstanlagen verzichtet werden.
    Foto © Marcel Burkhardt
    In der Umgebung von Gehölzen und Siedlungen stellt der Agroforst kein Problem für Vogelarten des offenen Ackerlands dar. An solchen Standorten können auch Vogelarten aus den umliegenden Lebensräumen profitieren..
    In der Umgebung von Gehölzen und Siedlungen stellt der Agroforst kein Problem für Vogelarten des offenen Ackerlands dar. An solchen Standorten können auch Vogelarten aus den umliegenden Lebensräumen profitieren..
    Foto © Marcel Burkhardt

    «Agroforst» ist die Kombination der landwirtschaftlichen Nutzung mit Bäumen. Dazu zählen zum Beispiel traditionelle Bewirtschaftungsformen wie Waldweiden, Kastanienselven oder Hochstamm-Obstgärten. Solche Systeme sind oft extensiv genutzt, strukturreich und dadurch für die Biodiversität wertvoll. Seit einigen Jahren stehen aber sogenannte «silvoarable Agroforstsysteme» vermehrt im Fokus. Dabei handelt es sich um die Kombination von Bäumen und Ackerkulturen. Die Bäume vermindern Erosion, Nitratauswaschung und Treibhausgasemissionen und haben somit positive Auswirkungen auf die Umwelt. Als klimafreundliche Massnahme werden deshalb Direktzahlungsbeiträge für solche Agroforstanlagen diskutiert. Mit Agroforst kann zwar die Strukturvielfalt erhöht werden, aber auf Vögel der offenen Kulturlandschaft können sich solche Anlagen negativ auswirken.

    Bodenbrüter brauchen die offene Landschaft

    Baumpflanzungen auf Ackerflächen sind aus Sicht des Vogelschutzes unerwünscht. Feldlerche, Wachtel, Kiebitz und Schafstelze brauchen die offene Landschaft. Besonders die Feldlerche hält Abstand von Waldrändern, Gebäuden, Hecken und Bäumen, wobei sich der Abstand vergrössert, je höher und grösser die Strukturen sind. Als ursprünglicher Steppenvogel ist sie ganz auf offene Lebensräume spezialisiert. Die Feldlerche ist die häufigste Art unter den Bodenbrütern im offenen Kulturland. Sie gehört aber auch zu den Vogelarten in der Schweiz, die in den letzten Jahrzehnten die grössten Verluste erlitten. Besonders in der Deutschschweiz ist sie aus vielen Gebieten bereits verschwunden. In der Westschweiz ist sie noch häufiger, aber auch dort sind ihre Bestände geschrumpft. Die Gründe für den Rückgang liegen hauptsächlich in der Intensivierung der Landwirtschaft und der zunehmenden Bautätigkeit. Falls silvoarable Agroforstanlagen in Zukunft zahlreicher werden, sei es wegen Subventionen oder wegen finanzieller Unterstützung von Nachhaltigkeitsbestrebungen privater Unternehmen, könnten Feldlerche und andere Arten weiter in Bedrängnis geraten.

    Neues Faktenblatt

    Dass Agroforstanlagen auf Ackerland für gewisse gefährdete Vogelarten von Nachteil sind, dürfte wenig bekannt sein. Mit einem neuen Faktenblatt macht die Vogelwarte auf diesen Konflikt aufmerksam. Sie setzt sich dafür ein, dass auf Feldlerche, Kiebitz und Co. bei der Planung von silvoarablen Agroforstanlagen Rücksicht genommen wird. In Gebieten mit den oben genannten Arten empfehlen wir statt Bäumen niedrige Strukturen wie Einzelsträucher oder kleine Buschgruppen. Solange die Strukturen niedrig gehalten werden, ist kaum ein negativer Einfluss auf die Bodenbrüter zu erwarten. Krautsäume und Brachen können zusätzlich einen Lebensraum für Dorngrasmücke, Schwarzkehlchen und Neuntöter bieten, wie Beispiele in den Ackerbaugebieten des Schaffhauser Klettgaus, dem Grossen Moos BE/FR oder der Champagne genevoise zeigen.

    Auch in Agroforstanlagen bieten niedrige Strukturen einen Mehrwert. Dank der Kombination mit Krautsäumen, Buntbrachen, Buschgruppen und Kleinstrukturen kann ein hoher ökologischer Wert erreicht werden. Auch finanziell kann sich das lohnen, wenn die Kriterien für einen Hochstamm-Feldobstgarten mit Qualitätsstufe II erfüllt werden. Zum Schutz von Feldlerche, Wachtel, Kiebitz und Schafstelze sollen neue Anlagen aber in der Umgebung von Gehölzen, Waldrändern und Siedlungen geplant werden.