Aufgewertete Landschaften als Lebenswerk

    Lebensräume für Vögel und andere Wildtiere erfassen, erhalten und aufwerten – dieser Leitgedanke hat Roman Graf während über 30 Jahren an der Vogelwarte begleitet.

    Arbeit macht Spass: Selbst nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag ist Roman Graf immer zu einem guten Spruch aufgelegt (Foto: Simon Birrer).Arbeit macht Spass: Selbst nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag ist Roman Graf immer zu einem guten Spruch aufgelegt.
    Arbeit macht Spass: Selbst nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag ist Roman Graf immer zu einem guten Spruch aufgelegt (Foto: Simon Birrer).Arbeit macht Spass: Selbst nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag ist Roman Graf immer zu einem guten Spruch aufgelegt.
    Foto © Simon Birrer
    Aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit: Roman Graf füllt am Tag der Artenvielfalt in der Wauwiler Ebene das «Artenbarometer».
    Aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit: Roman Graf füllt am Tag der Artenvielfalt in der Wauwiler Ebene das «Artenbarometer».
    Foto © Peter Knaus

    Roman Graf kommt 1987 an die Vogelwarte, als ein junges Team gerade mit dem Projekt «Lebensrauminventar Luzern» beginnt. Im ganzen Kanton sollen die wertvollen Naturobjekte kartografiert und biologisch bewertet werden, um sie langfristig zu sichern. Es bleibt aber nicht bei diesem einen Projekt, denn dem Thema Lebensräume bleibt Roman sein ganzes Berufsleben treu. Als fundiertem Kenner der Vögel, Insekten und Pflanzen und passioniertem Naturbeobachter gehören für ihn das Erhalten und Aufwerten naturnaher Lebensräume zu den wichtigsten Aufgaben im Naturschutz. Dafür setzt er sich auf verschiedensten Ebenen ein: Er entwickelt und verbessert Methoden zur Inventarisierung der Lebensräume und kartiert liebend gerne auch selbst im Feld. Zurück am Schreibtisch wertet er die Daten aus und macht konkrete und pragmatische Vorschläge zur Erhaltung und Aufwertung der vorhandenen naturnahen Lebensräume. Mehr als 230 Publikationen, Gutachten und Berichte zeugen von dieser Arbeit. Hervorzuheben sind insbesondere das «Leitartenset» und sein Handbuch für die Praxis «Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb ». Dank seiner gewinnbringenden Art und seinem Verhandlungsgeschick, aber auch seiner Ausdauer, blieb es nicht beim Papier. Es ist ihm immer wieder gelungen, so manchen Landbesitzer zu motivieren, sein Kulturland ökologisch aufzuwerten. Sein letztes grosses Projekt widmete Roman den Lebensräumen im Wald. Dank der von ihm geleiteten Kartierung wissen wir nun, wie der Wald in den MHB-Quadraten zusammengesetzt ist. Erst damit wird es später möglich sein, allfällige Veränderungen der Waldstruktur mit den Brutvogelpopulationen in Zusammenhang zu bringen.

    Obwohl Roman Projekte in der ganzen Schweiz betreute, hat er in der Wauwiler Ebene besonders eindrückliche Spuren hinterlassen. Dank seiner Initiative kam zu Beginn der 1990er-Jahre das Projekt «Revitalisierung Wauwiler Ebene» zustande. Damals beschränkte sich der Naturschutz im Gebiet vor allem auf das Reservat, ein kleines Feuchtgebiet im Zentrum der Ebene, während der grosse Rest landwirtschaftlich sehr intensiv genutzt wurde. Roman kommt das Verdienst zu, dass er die Landwirte und andere Nutzergruppen in eine gemeinsame Vision für das Gebiet einbinden konnte. Daraus entstand im Gebiet auch das erste Vernetzungsprojekt im Kanton Luzern und eines der ersten überhaupt in der Schweiz. Diese Vorreiterrolle brachte es mit sich, dass viel Entwicklungsarbeit geleistet werden musste Dies bereitete ihm manches Kopfzerbrechen, trug aber auch dazu bei, dass gute Lösungsvorschläge im ganzen Kanton Anwendung fanden. Heute ist die Wauwiler Ebene zwar immer noch eine intensiv genutzte Kulturlandschaft, sie ist aber mit zahlreichen qualitativ hochwertigen Biodiversitätsförderflächen entscheidend aufgewertet worden.

    Ebenfalls sehr aktiv ist Roman im Kanton Graubünden. Er hat schon früh gezeigt und gewarnt, dass die Intensivierung der Landwirtschaft selbst in höheren Lagen der Alpen Einzug hält. Er war es auch, der auf die noch bedeutenden Wiesenbrüter- Populationen in den hochgelegenen Heuwiesen in den Bündner Tälern hingewiesen und sich für deren Erhaltung engagiert hat.

    Auch bei der Information und Motivation aller Beteiligten zeigt Roman Graf immer wieder seine Stärken. Richtig blüht er als Referent und Exkursionsleiter auf. Dank seiner humorvollen Art und seinem immensen Wissen zu Flora und Fauna wird jede seiner Exkursionen zu einem Highlight. Er hat dadurch schon unzählige Personen dafür gewinnen können, es ihm nachzutun und sich mit Freude für die Natur einzusetzen. Und so werden wir Roman Graf sicherlich noch viele Male erleben dürfen, auch wenn er nun bald zu den Pensionären gehören wird.