Ein Modell des grossräumigen Vogelzugs

    Dank Radardaten und Methoden der Strömungsmechanik ist es möglich, den Ablauf des Vogelzugs quantitativ zu visualisieren.

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    Foto © Ralph Martin

    Ziehende Vögel bilden Biomassenströme. Diese beeinflussen unter anderem durch Transport von Nährstoffen, Samen und Parasiten die Ökosystemfunktionen, aber auch die Wirtschaft, speziell die Landwirtschaft und die Gesundheit. Es ist deshalb wichtig, ihren Ablauf in räumlicher und zeitlicher Hinsicht zu verstehen. Mit Hilfe von Daten aus dem Netzwerk der meteorologischen Radarstationen hat ein Team um Raphaël Nussbaumer die Vogelzugströme im westlichen Mitteleuropa zwischen Februar 2018 und Januar 2019 modelliert. Die Daten umfassten Dichte, Geschwindigkeit und Flugrichtung der Vögel. Mit Berechnungen, die normalerweise in der Strömungsmechanik Anwendung finden, konnte nun geschätzt werden, wie viele Vögel starten und landen.

    Die so entstandenen Karten zeigen die Zugwellen von einer Nacht zur nächsten. Sie erlauben auch eine Schätzung der gelandeten Vogelmenge und des gesamthaften Vogelaufkommens pro Zugperiode. Die Vogelzahl am Boden nimmt im März schlagartig zu; insgesamt sind 500 Millionen Vögel ins Studiengebiet eingeflogen. Ab August sinkt die Zahl wieder. Zu den Vögeln, die das Studiengebiet im Herbst verlassen, gehören auch die Jungtiere. Beim Zughöhepunkt im Frühling starteten pro Nacht bis zu 118, im Herbst bis zu 148 Millionen Vögel. 

    Nussbaumer, R., S. Bauer, L. Benoit, G. Mariethoz, F. Liechti & B. Schmid (2021): Quantifying year-round nocturnal bird migra- tion with a fluid dynamics model. Journal of the Royal Society, Interface 18: 20210194. https://doi.org/10.1098/rsif.2021.0194.