Extremereignisse im Wald als Chance für die Biodiversität

    Extremereignisse wirken zunächst einmal zerstörerisch, können aber neue Strukturen und Vielfalt in unsere Wälder bringen. Zusammen mit Waldeigentümern und Partnern möchte die Vogelwarte betroffene Flächen für die Biodiversität sichern.

    Waldbrände schaffen Pionierlebensräume für seltene Arten wie den Echten Erdbeerspinat oder den Ziegenmelker.
    Waldbrände schaffen Pionierlebensräume für seltene Arten wie den Echten Erdbeerspinat oder den Ziegenmelker.
    Foto © Livio Rey
    Die Kronenverlichtung ist ein deutlicher Hinweis auf Trockenstress. In solchen Beständen kommen gefährdete Arten wie Grauspecht und Alpenbock vor.
    Die Kronenverlichtung ist ein deutlicher Hinweis auf Trockenstress. In solchen Beständen kommen gefährdete Arten wie Grauspecht und Alpenbock vor.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte

    Bedingt durch den Klimawandel werden Wetterextreme in Zukunft zunehmen. Extremereignisse wie Stürme oder Waldbrände haben das Potenzial, unsere Wälder grundlegend zu verändern. Dabei kann die Struktur- und Lebensraumvielfalt zunehmen und so die Artenvielfalt und das Ökosystem als Ganzes begünstigen. Wir Menschen sind grundlegend auf die vielfältigen Funktionen eines intakten Ökosystems angewiesen, und bei Ökosystemen gilt: Je diverser, desto besser.

    Was tun nach Extremereignissen?

    Hinter jeder von Extremereignissen betroffenen Waldfläche steht eine Eigentümerschaft, die vor schwierige Entscheidungen gestellt wird. Eine Zwangsnutzung, verbunden mit Aufforstung, ist oft der einzige Weg, den entstandenen finanziellen Verlust etwas abzufedern. Durch solche Massnahmen gehen aber Strukturen wie Totholz oder Pionierlebensräume auf Windwurf- und Waldbrandflächen verloren oder sie können gar nicht erst entstehen.

    Als Alternative können betroffene Flächen und deren Strukturen zur Bewahrung der natürlichen Sukzession kurzfristig vertraglich gesichert werden. Die Vogelwarte bietet deshalb betroffenen Besitzern einen Vertrag an, in dem ein Nutzungsverzicht in der Grössenordnung von 30 Jahren entschädigt wird. Ausserdem möchten wir zusammen mit lokalen Partnern auch in der Bevölkerung das Verständnis für «unaufgeräumte» Wälder, morsche Bäume sowie lichte Waldflächen mit wenigen alten Bäumen fördern und zeigen, wieso diese wichtig sind. Denn der heute bei uns vorherrschende dichte Wald mit grossen und starken Bäumen ist zu einseitig.

    Gesucht: Waldschadensflächen mit Potenzial

    Der nasse Sommer 2021 folgte auf mehrere Jahre mit starker Trockenheit. Die Konsequenzen der trockenen Jahre für die Wälder fallen nicht sofort auf. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass viele Bäume weniger oder scheinbar verkümmertes Laub aufweisen: Die Baumkronen wirken weniger voll. Die betroffenen Bäume leiden unter Trockenstress, weshalb viele von ihnen in den nächsten Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit absterben werden. So wird viel Totholz entstehen und dadurch der Lebensraum für diverse gefährdete Arten aufgewertet. Die Vogelwarte hat deshalb ein erstes Teilprojekt «Trockenstress im Wald als Chance» in den stark betroffenen Kantonen beider Basel lanciert. Unterstützt wird das Projekt durch den Waldeigentümerverband, die Kantone und Forstfachleute. Weitere solche Flächen sollen gesichert und das Teilprojekt auf weitere Kantone ausgeweitet werden. Ob auch Ihr Wald für das Teilprojekt in Frage kommt, erfahren Sie im Kasten und auf www.vogelwarte.ch/extremereignisse. Auf unserer Webseite finden Sie zudem Informationen zu den Teilprojekten «Sturm als Chance» und «Waldbrand als Chance».

    Teilprojekt «Trockenstress als Chance»

    Gesucht sind Flächen im rot markierten Gebiet:

    • im Laub- und Laubmischwald mit Vorrangfunktion «Holzproduktion»
    • zusammenhängende Grösse ab 1 ha
    • Baumbestand in der Entwicklungsstufe «Baumholz»
    • viele absterbende Laubhölzer (50–100 % der Bäume mit > 30 % Kronentotholz oder Kronenverlichtung ≥ 50 %, Schadmerkmale wie Schleimfluss, etc.)

    Bereitschaft Waldeigentümer:

    • Nutzungsverzicht ca. 30 Jahre, Ausnahme: Sicherheit für Wege und sonstige Werke, phytosanitäre Massnahmen (Holz im Bestand verbleibend)