Felix Liechti zieht weiter

    Mehr als drei Jahrzehnte war Felix Liechti den Geheimnissen des Vogelzugs auf der Spur. Jetzt geht er in Pension. Mit innovativen Ansätzen ermöglichte er faszinierende neue Einblicke in das Verhalten der Zugvögel und half mit, die Aeroökologie neu zu definieren.

    Felix Liechti hat sich als sehr feldtauglich erwiesen. Hier analysiert er Radardaten in der mauretanischen Sahara.
    Felix Liechti hat sich als sehr feldtauglich erwiesen. Hier analysiert er Radardaten in der mauretanischen Sahara.
    Foto © Schweizerische Vogelwarte
    Mit präzisen Radardaten hat Felix Liechti sowohl die Ornithologie bereichert als auch den Vogelschutz mit Fakten in Sachen Windenergienutzung versorgt.
    Mit präzisen Radardaten hat Felix Liechti sowohl die Ornithologie bereichert als auch den Vogelschutz mit Fakten in Sachen Windenergienutzung versorgt.
    Foto © Andreas Eggenberger

    In Herisau im bodenständigen Appenzell-Ausserrhoden aufgewachsen, deutet noch nichts darauf hin, dass Felix Liechti die Vögel im Luftraum erforschen wird. Doch nach dem Studium der Zoologie und Botanik an der Universität Zürich zeigt sich seine spätere Berufung: Er arbeitet Teilzeit in einem Büro für Lufthygiene und promoviert an der Universität Basel bei Prof. Bruno Bruderer über Umwelteinflüsse auf den Vogelzug. In seiner Doktorarbeit zeigt er auf, dass Zugvögel ihre Flughöhe, die Zugrichtung und -geschwindigkeit und sogar Zugwege dem Wind anpassen. In den Radarstudien in Israel, Spanien und Mauretanien, die er mit Bruno Bruderer unternimmt, um den Einfluss von Meeren und Wüsten auf den Vogelzug zu untersuchen, findet Felix weitere Bestätigungen für den prägenden Einfluss des Windes. 2007 wird er Bruno Bruderers Nachfolger an der Vogelwarte.

    Felix wendet sich nun stärker dem individuellen Zugverhalten zu. In enger Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Burgdorf entwickelt sein Team winzige Geodatenlogger, mit welchen auch die Zugwege kleinerer Arten wie Wiedehopf, Rauchschwalbe, Steinschmätzer oder Alpensegler aufgezeichnet werden können. Unter seiner Ägide werden die Geodatenlogger und ihre technischen Komponenten perfektioniert und Methoden entwickelt, um die Daten dieser miniaturisierten Fahrtenschreiber korrekt zu analysieren. Dank dem Aufbau einer hausinternen serienmässigen Produktion von Geodatenloggern und in Kooperationen mit ausländischen Partnern werden auch die Zugwege von Odinshühnchen, Blaukehlchen, Karmingimpel und vieler weiterer Kleinvögel ergründet. Der erstmalige Beleg, wonach Alpensegler auf dem Zug und im Winterquartier mindestens 200 Tage ununterbrochen in der Luft bleiben, ist dabei nur eines der Glanzlichter unter den zahlreichen neu gewonnenen Erkenntnissen.

    Mit der aufkommenden Windenergienutzung und der damit verbundenen Gefährdung von Zugvögeln wird die Expertise von Felix international noch gefragter. Er baut in Sempach eine Arbeitsgruppe für angewandte Radarornithologie auf, die Modelle des Zugablaufs errechnet und Gutachten für potenzielle Standorte von Windenergieanlagen in halb Europa erstellt. Er berät während vieler Jahre auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt bezüglich Vogelschlagprävention an Flughäfen und ist deren Vertreter im International Birdstrike Committee.

    Die über Jahre entwickelte Technik zur quantitativen Messung des Vogelzugs führt auch zu einer Forschungspartnerschaft der Vogelwarte mit der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Dem Team aus Sempach fällt die Aufgabe zu, ein bestehendes Netz aus 80 Wetterradaren quer über ganz Europa zu kalibrieren. Gleichzeitig nutzt Felix die einzigartige Chance, mit seinem Team den Ablauf des Vogelzugs nun europaweit zu erforschen. Mittlerweile wird damit der ganze Biomassenfluss von Vögeln, Fledermäusen und Insekten im Luftraum gemessen und mit Bezug auf Wetter-, Klima- und Landschaftsdaten zu erklären versucht. Als Referenzwert hat Felix auf dem Dach der Vogelwarte einen Radar installiert, der den Vogelzug über Sempach permanent misst.

    Mit seiner anhaltenden Neugier, seinen ökologischen und methodischen Interessen und der geschickten Kombination von quantitativen (Radar), qualitativen (Geodatenlogger) und theoretischen (Zugmodelle) Ansätzen hat Felix der Aeroökologie zu kräftigem Rückenwind verholfen. Darüber hinaus hat er zahlreiche Studierende und Postdocs in ihren akademischen Arbeiten betreut und so neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität Basel einen grossen Beitrag zu deren Ausbildung geleistet. Zudem baute er mit viel Engagement eine prosperierende Forschungsgruppe auf, die auch international ein hohes Renommee geniesst. Nach diesen vielfältigen und wegweisenden Tätigkeiten zieht Felix Liechti nun weiter in einen neuen Lebensabschnitt. Dabei begleiten unsere herzlichen Wünsche den langjährigen Kollegen auf seinen weiteren Zug!