Zielartenförderung im lichten Wald dank Aktionsplan

    Lichte Waldstrukturen sind im letzten Jahrhundert selten geworden, etwa wegen veränderter Waldbewirtschaftung. Der Verlust an lichten Waldstrukturen macht vielen Arten zu schaffen, die auf eine geringe Baumdichte und ein lückiges Kronendach sowie auf warme mikroklimatische Bedingungen in der Strauch- und Bodenschicht angewiesen sind.

    Der Aktionsplan beinhaltet auch die lichten Wälder, welche durch eine spezifische Bewirtschaftung entstanden sind. Kastanienselven beispielsweise bildeten sich durch die Doppelnutzung als Fruchthain und Weide. Charakteristisch ist neben den oft knorrigen, grosskronigen Kastanien die durchgehende, teppichartige Krautschicht, welche sich durch Beweidung entwickelte.
    Der Aktionsplan beinhaltet auch die lichten Wälder, welche durch eine spezifische Bewirtschaftung entstanden sind. Kastanienselven beispielsweise bildeten sich durch die Doppelnutzung als Fruchthain und Weide. Charakteristisch ist neben den oft knorrigen, grosskronigen Kastanien die durchgehende, teppichartige Krautschicht, welche sich durch Beweidung entwickelte.
    Foto © Peter Steiger
    Zielarten für die Kastanienselven sind u.a. der Grosse Waldportier (Hipparchia fagi) und der Hirschkäfer (Lucanus cervus).
    Zielarten für die Kastanienselven sind u.a. der Grosse Waldportier (Hipparchia fagi) und der Hirschkäfer (Lucanus cervus).
    Foto © Jörg Gemsch, Heidi Jost

    Vor diesem Hintergrund haben InfoSpecies und die Arbeitsgruppe Waldbiodiversität des Schweizerischen Forstvereins, finanziell unterstützt durch das BAFU, einen Aktionsplan «Zielartenförderung im lichten Wald» erarbeitet, um die Lebensraumund Artenförderung besser aufeinander abzustimmen. Denn nicht jeder Wald, in dem durch starkes Auslichten viel Licht auf den Boden fällt, hat die Voraussetzungen für einen qualitativ guten lichten Wald. Auf vielen gut wüchsigen Standorten wäre der Aufwand für die längerfristige Erhaltung eines lichten Waldes viel zu gross. Deshalb wurden die für lichten Wald geeigneten Waldgesellschaften definiert und im Aktionsplan jene 46 Waldgesellschaften behandelt, welche sich für die Förderung eignen.

    Bei der Massnahmenplanung zur Schaffung von lichtem Wald gilt es nun, die tatsächlich und potenziell vorkommenden Zielarten und deren Habitatansprüche möglichst zu berücksichtigen. Zielarten sind jene Arten, die aufgrund ihrer Gefährdung und Lebensraumansprüche spezifische Fördermassnahmen benötigen. Die von InfoSpecies erstellte Liste der Zielarten des lichten Waldes umfasst 234 Arten von Flechten, Pilzen, Blütenpflanzen, Käfern und Tagfaltern. Auch 7 Vögel gehören zu den Zielarten: Haselhuhn, Birkhuhn, Auerhuhn, Waldschnepfe, Ziegenmelker, Grauspecht und Gartenrotschwanz.

    Damit Förderprojekte erfolgreich sind, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Arten- und Waldfachleuten entscheidend: Nur wenn Forstfachleute die Arten und ihre Lebensraumansprüche kennen, werden sie sie bei der täglichen Arbeit im Wald berücksichtigen und die richtigen Waldstrukturen fördern. Die Artenspezialisten und -spezialistinnen ihrerseits müssen das vorhandene Wissen praxistauglich vermitteln und entsprechende Entscheidungsgrundlagen bereitstellen. Im Rahmen des Aktionsplans wurde darum eigens ein Online-Tool entwickelt, damit Forstfachleute die Zielarten und deren Lebensraumansprüche für jede beliebige Waldfläche und geeignete Waldgesellschaft für lichten Wald abfragen können. Das Tool beinhaltet (1) eine Liste der potenziell vorkommenden Zielarten, (2) die kartographischen Nachweise der tatsächlich nachgewiesenen Zielarten und (3) die Habitatansprüche der Zielarten.

    Als Richtschnur zur Massnahmenplanung wurden pro Waldgesellschaft Bewirtschaftungsgrundsätze formuliert, die für eine möglichst grosse Zahl von Zielarten in der jeweiligen Waldgesellschaft förderlich sind. Diese Grundsätze sind in der Fläche möglichst zu berücksichtigen, soweit sie nicht im Widerspruch zu Massnahmen in laufenden Artenförderungsprojekten stehen.

    Die allgemeine Lebensraumförderung mit der spezifischen Artenförderung zu verbinden ist keine einfache Aufgabe, sie ermöglicht aber einen effizienten Einsatz der beschränkten Ressourcen im Naturschutz. Die im Rahmen dieses Aktionsplans gewonnen Erkenntnisse ermöglichen es, je nach Bedarf weitere ähnliche Aktionspläne für Zielarten in anderen Lebensräumen zu erarbeiten. Der vorliegende Aktionsplan ist deshalb auch ein Pilotprojekt für die Zielartenförderung in anderen Lebensräumen.

    «Aktionsplan Lichter Wald» und weitere Informationen unter www.infospecies.ch/de/projekte/aktionsplan-lichter-wald