Auf den Spuren der Zugvögel (23.03.2017)

    Rechtzeitig zur Rückkehr der Zugvögel legt der renommierte Ornithologe Prof. Dr. Bruno Bruderer seine Synthese des Vogelzugs in einem reich illustrierten Buch vor. Der pensionierte Leiter der Vogelwarte erforschte mit seinen Radarstudien den Vogelzug im Alpenraum, über dem Mittelmeer und der Sahara.

    Die ersten Rauchschwalben werden meist schon Mitte März gesichtet, bis Ende Mai treffen auch die letzten Nachzügler in der Schweiz ein.
    Die ersten Rauchschwalben werden meist schon Mitte März gesichtet, bis Ende Mai treffen auch die letzten Nachzügler in der Schweiz ein.
    Foto © Marcel Burkhardt Bild in Druckqualität
    Prof. Dr. Bruno Bruderer
    Prof. Dr. Bruno Bruderer
    Foto © Archiv Vogelwarte Bild in Druckqualität
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    Sempach. – Nach und nach kehren die Frühlingsboten zu uns zurück: Singdrossel, Schwarzmilan und Rauchschwalbe sind schon da, Kuckuck, Nachtigall und Mauersegler folgen im April. Eine innere Uhr sagt jedem Zugvogel, wann er sein Winterquartier verlassen muss. Jede Zugvogelart folgt dabei ihrem eigenen Fahrplan. Im Allgemeinen treffen Zugvögel, die im Mittelmeerraum überwinterten und daher eine kürzere Route zurücklegen müssen, früher ein als jene, die aus dem weit entfernten tropischen Afrika heimkehren. Das Wetter kann den Fahrplan der Zugvögel um einige Tage verschieben, aber nicht grundlegend verändern.

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

    Die ersten Rauchschwalben werden meist schon Mitte März gesichtet, der Hauptharst in der ersten Aprilhälfte und die letzten erst Ende Mai. Der Heimzug ist für viele Zugvögel ein Wettlauf. Insbesondere die Männchen beeilen sich, rechtzeitig im Brutgebiet einzutreffen, um ein gutes Revier besetzen zu können. Es gilt, schneller als die Rivalen, sprich Artgenossen, zu sein, aber nicht zu schnell, um nicht von einem späten Wintereinbruch überrascht zu werden. Gerade für Insektenfresser wäre das gefährlich, denn kalte Temperaturen erschweren die Suche nach Insektennahrung stark.

    Viele Geheimnisse gelüftet

    Inzwischen hat die Forschung viele Geheimnisse des Vogelzugs gelüftet. Weshalb ziehen Zugvögel überhaupt? Und wie schaffen sie es, Tausende von Kilometern zurückzulegen, Wind und Wetter zu trotzen, nicht vom Kurs abzuweichen und rechtzeitig ins Brutgebiet heimzukehren? Professor Bruderer behandelt alle diese Fragen in seiner neuen Synthese des Vogelzugs. Und er geht speziell auf die Situation in der Schweiz ein. An der Schweizerischen Vogelwarte Sempach hat er sich insbesondere der Umweltabhängigkeit des Vogelzugs im Alpenraum gewidmet, und seine Forschung später auf das Mittelmeer und schliesslich auf die Sahara ausgeweitet, das grösste Hindernis, das unsere Zugvögel zu überwinden haben.

     

    Vogelzug: eine schweizerische Perspektive
    Autor: Bruno Bruderer
    Herausgeber: Ala – Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz
    Der Ornithologische Beobachter, Beiheft 12. 264 S., 234 Abb.
    Bezug: Vogelwarte, Shop, Seerose 1, 6204 Sempach
    www.vogelwarte.ch/shop

     

    Bruno Bruderer
    Bruno Bruderer besuchte die Mittelschulen in Sissach BL und in Basel, wo er anschliessend auch Biologie studierte und mit einer Studie über den Frühlingszug im Schweizerischen Mittelland bei Prof. Adolf Portmann doktorierte. Von 1970 bis 2006 arbeitete er an der Vogelwarte Sempach. Auf den Spuren der Zugvögel führten ihn Forschungsprojekte nach Deutschland, Südafrika, Israel, Spanien und Mauretanien. Bruno Bruderer lehrte ab 1975 an der Universität Basel und wurde 1995 zum ausserordentlichen Professor ernannt. Heute lebt der passionierte und pensionierte Vogelzugforscher in Sursee LU.
    Schon bei seinen ersten Forschungsarbeiten war ihm der Einsatz des militärischen Zielfolgeradars „Superfledermaus“ eine entscheidende Hilfe. Mit dessen eng gebündeltem Radarstrahl und den an der Vogelwarte entwickelten Zusatzgeräten lässt sich die Dichte der Zugvögel in verschiedenen Höhen messen. Die Radarechos widerspiegeln das Muster der Flügelschläge, was Rückschlüsse auf den ziehenden Vogel ermöglicht.

    Weitere Auskünfte

    Prof. Dr. Bruno Bruderer
    Tel. 041 460 18 04
    bruno.bruderer@vogelwarte.ch

     

    Medienstelle
    Michael Schaad
    Tel. 041 462 97 35
    michael.schaad@vogelwarte.ch