Leistungen messbar machen (26.02.2015)

    Wie geht es den Pflanzen, Insekten und Vögeln auf einem Bauernbetrieb? Dank eines von der Vogelwarte Sempach und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL entwickelten Punktesystems kann jeder Landwirt abschätzen, wie gross die Wirkung seines Engagements auf die Biodiversität ist. Die beiden Organisationen konnten zudem zeigen, dass sich eine Beratung für Landwirte und Natur auszahlt.

    Von einer guten Beratung profitieren die Natur und die Landwirte.
    Von einer guten Beratung profitieren die Natur und die Landwirte.
    Foto © Markus Jenny Bild in Druckqualität
    Brütet auf ¾ der untersuchten Landwirtschaftsbetriebe: Die Goldammer.
    Brütet auf ¾ der untersuchten Landwirtschaftsbetriebe: Die Goldammer.
    Foto © Marcel Burkhardt Bild in Druckqualität
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    Sempach und Frick. – Auf Schweizer Äckern, in Wiesen, Weiden und Obstgärten leben zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Wegen einer intensiven einseitig auf die Produktion von Nahrungsmitteln ausgelegten landwirtschaftlichen Nutzung ist die Vielfalt dieser Arten aber vielerorts rückläufig. Doch es gibt Hoffnung, denn viele Bauern setzen sich mit gezielten Massnahmen auf Produktionsflächen und der Anlage von speziellen Biodiversitätsförderflächen für die Pflanzen und Wildtiere ein. Wie positiv sich dieses Engagement auf der landwirtschaftlichen Betriebsebene auswirkt, war bisher wenig bekannt.

    Engagement für die Biodiversität ist messbar
    Ein von der Vogelwarte Sempach und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL entwickeltes Punktesystem erlaubt es jedem Landwirt, seine Leistung für die Biodiversität abschätzen zu können, ohne selbst alle Tiere und Pflanzen zählen zu müssen. Alle von ihm umgesetzten Einzelmassnahmen oder angelegten Förderflächen erhalten dabei eine Anzahl Punkte. Die Forschergruppe konnte belegen, dass mit zunehmender Gesamtpunktezahl auch mehr Pflanzen- und Tierarten auf einem Landwirtschaftsbetrieb leben.

    Dazu analysierten die Forschenden in den Jahren 2009, 2011 und 2013 133 Bauernbetriebe im Schweizer Mittelland und fanden dabei insgesamt 773 Pflanzen-, 33 Heuschrecken-, 69 Schmetterlings- und 103 Vogelarten. Im Durchschnitt beheimatete jeder Betrieb rund 152 Pflanzen-, 9 Heuschrecken-, 18 Schmetterlings- und 23 Vogelarten.

    Beratung zahlt sich aus
    Im Rahmen dieses Forschungsprojekts haben das FiBL und die Vogelwarte zahlreiche Landwirtschaftsbetriebe individuell gesamtbetrieblich beraten. Sie konnten den Landwirten in Gesprächen aufzeigen, wo welche Massnahmen sinnvoll sind und Erfolg versprechen. Auch Typ und Lage von Biodiversitätsförderflächen wurden im gemeinsamen Gespräch bestimmt. Einige Betriebsleiter waren nach der Beratung sogar bereit, noch mehr für die Natur zu tun, als in den Gesprächen vereinbart worden war.

    Die Forscher und Berater haben deutlich aufzeigt, wie wichtig die gesamtbetriebliche Beratung für eine erfolgreiche Biodiversitätsförderung ist. Sie fordern in diesem Bereich ein verstärktes Engagement der Kantone und eine bessere Berücksichtigung des Themas in der Aus- und Weiterbildung der Landwirte.

    Quellen
    Birrer, S., J. Zellweger-Fischer, S. Stoeckli, F. Korner-Nievergelt, O. Balmer, M. Jenny & L. Pfiffner (2014): Biodiversity at the farm scale: A novel credit point system. Agricult. Ecosyst. & Environment 197: 195–203.
    Home, R., O. Balmer, I. Jahrl, M. Stolze & L. Pfiffner (2014): Motivations for implementation of ecological compensation areas on Swiss lowland farms. Journal of Rural Studies 34: 26–36.
    Beide Studien können bei den Auskunftspersonen bezogen werden.

    Weitere Auskünfte

    Simon Birrer
    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 38
    simon.birrer@vogelwarte.ch

    Lukas Pfiffner
    Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)
    5070 Frick
    Tel. 062 865 72 46
    lukas.pfiffner@fibl.org