Eine schillernde Persönlichkeit zu Gast (30.06.2021)

    Der exotisch anmutende Sichler wird in der Schweiz immer häufiger beobachtet. Die Gründe nennt die Schweizerische Vogelwarte in ihrem jährlichen Bericht über den Zustand der Vogelwelt in der Schweiz: Die Bestände dieses Zugvogels wachsen in Südeuropa, weshalb manche der eleganten Vögel auf dem Herbst- und Frühlingszug auch die Schweiz erreichen, wo sie gerne in Feuchtbiotopen rasten.

    Mit seinem schillernden Gefieder und dem langen, nach unten gebogenen, Schnabel ist der Sichler unverkennbar.
    Mit seinem schillernden Gefieder und dem langen, nach unten gebogenen, Schnabel ist der Sichler unverkennbar.
    Foto © Beat Rüegger Bild in Druckqualität
    Mit dem langen Hals und dem gekrümmten Schnabel ist der Sichler ein typischer Vertreter der Ibisse, eine Vogelgruppe, die insbesondere die südliche Hemisphäre bewohnt. Jungvögel (im Bild) sind matt gefärbt.
    Mit dem langen Hals und dem gekrümmten Schnabel ist der Sichler ein typischer Vertreter der Ibisse, eine Vogelgruppe, die insbesondere die südliche Hemisphäre bewohnt. Jungvögel (im Bild) sind matt gefärbt.
    Foto © Mathias Schäf Bild in Druckqualität
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    Sempach. – Der Sichler ist eine schillernde Persönlichkeit. Sein braunes Gefieder reflektiert im Sonnenlicht grün und purpurn. Obschon er nicht in der Schweiz brütet, kann man ihn mit ein wenig Glück auch bei uns beobachten. Noch Ende des 20. Jahrhunderts galt der Sichler in der Schweiz als unregelmässiger Gast. Zwischen 1980 und 2010 wurden nur wenige Individuen des eleganten Stelzvogels in der Schweiz beobachtet. Seit 2010 aber wird er alljährlich in der Schweiz registriert. Mittlerweile hat sich die Zahl der jährlich beobachteten Sichler auf knapp 40 eingependelt.

    Die starke Zunahme der Beobachtungen in der Schweiz erfolgt im Rahmen einer grossräumigen Arealerweiterung des Sichlers. Nach einem massiven Bestandsrückgang im Verlauf des 20. Jahrhunderts setzte in den 1990er-Jahren dank einem besseren Schutz vor Abschüssen sowie der Schaffung von Schutzgebieten eine Erholung ein. Im Zuge dieser Erholung besiedelte der Sichler auch Spanien und die Camargue in Südfrankreich, von wo ein Teil der in der Schweiz beobachteten Sichler stammt.

    Bei uns rastet der Sichler bevorzugt in Feuchtbiotopen des Mittellands, wo er mit seinem langen, nach unten gebogenen Schnabel im weichen Boden oder im Wasser nach Nahrung stochert. Dabei spürt er seine Beute, meist Insekten und deren Larven, Würmer oder Krebstiere, dank dem Tastsinn in der Schnabelspitze auf.

    Zustandsbericht
    Alljährlich fasst die Schweizerische Vogelwarte die neuesten Entwicklungen in der Vogelwelt zusammen und publiziert sie als Zustandsbericht: www.vogelwarte.ch/zustand

    Weitere Themen:
    1. Viele Schweizer Brutvögel profitierten 2020 von einem milden Winter und optimalen Brutbedingungen. Dennoch kam es insbesondere bei störungsempfindlichen Arten wie dem Purpurreiher zu Brutausfällen, was eine Folge der Störung durch erholungssuchende Menschen in Schutzgebieten sein dürfte.
    2. Viele Bergvögel haben in Europa seit den 1980er-Jahren deutliche Arealverluste erlitten, vor allem in Gebirgen, die niedriger sind als die Alpen. Die Schweiz als zentrales Alpenland erhält dadurch eine noch höhere Verantwortung.
    3. In Europa lassen sich bei den Vögeln grossräumige Arealverschiebungen nach Norden beobachten. Etliche Singvogelarten haben ihr Brutgebiet seit den 1980er-Jahren deutlich nordwärts ausgedehnt. Im Süden gibt es hingegen Verluste.
    4. In Europa lassen sich bei den Vögeln grossräumige Arealverschiebungen nach Norden beobachten. Etliche Singvogelarten haben ihr Brutgebiet seit den 1980er-Jahren deutlich nordwärts ausgedehnt. Im Süden gibt es hingegen Verluste.

     

    Quelle
    Knaus, P., T. Sattler, H. Schmid, N. Strebel & B. Volet (2021): Zustand der Vogelwelt in der Schweiz: Bericht 2021. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.

    Weitere Auskünfte

    Michael Schaad
    Schweizerische Vogelwarte
    6204 Sempach
    Tel. 041 462 97 35
    michael.schaad@vogelwarte.ch