Grosser Forschungsbedarf in der Schweiz (22.07.2014)

      Eine Studie aus Holland macht das Insektizid Imidacloprid für den Rückgang von Vögeln verantwortlich. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach geht davon aus, dass dieses zu den Neonicotinoiden gehörende Insektengift auch in der Schweiz Vögel gefährdet. Belegen kann sie das nicht, weil nicht bekannt wird, wo in der Schweiz wieviele Neonicotinoide eingesetzt werden.

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      Sempach. – Jedes Jahr 3,5% weniger Vögel: Diesen Rückgang belegten holländische Forscher in Landschaften, wo viel Imidacloprid eingesetzt wird. Das gegen Schadinsekten verwendete Nervengift tötet auch Insekten, die keinen Schaden verursachen. Darunter wiederum leiden Vögel, die sich von Insekten ernähren, denn sie finden nicht mehr genügend Futter für sich und ihre Jungen. In der Folge gehen Bestände zurück.

      Für ihre Analyse konnten die holländischen Forschenden auf Messungen von Imidacloprid im Oberflächenwasser von Gewässern und auf umfangreiche Vogelerhebungen zurückgreifen. Auch die Schweizerische Vogelwarte verfügt dank ihren über tausend freiwilligen Mitarbeitenden über einen hervorragenden Überblick über die Entwicklung der Schweizer Vogelbestände.

      Leider sind in der Schweiz keine Angaben über den Einsatz und allfällige Rückstände der bedrohlichen Nervengifte verfügbar, die es ermöglichen würden, den Einfluss von Neonicotinoiden auf Vögel mit Zahlen zu belegen.

      Die Schweizerische Vogelwarte fordert daher eine schweizweite Überwachung des Einsatzes von Neonicotinoiden und eine Analyse ihrer Rückstände im Boden und in Gewässern. Nur so kann abgeschätzt werden, wie sich deren Einsatz auf Vogelbestände und andere Tiere auswirkt.

      Quelle
      Hallmann, C. A., Foppen, R. P. B., van Turnhout, C. A. M., de Kroon, H. & E. Jongejans: Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations, Nature, 2014; doi: 10.1038/nature13531
      Imidacloprid
      Der zu den Neonicotinoiden gehörende Wirkstoff wird insbesondere zur Beizung von Saatgut eingesetzt. Die wachsende Pflanze nimmt den Wirkstoff mit den Wurzeln auf und verteilt ihn als Insektenabwehr in allen Pflanzenteilen. Mit diesem prophylaktischen Einsatz wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet, denn bisher wurden Pestizide gezielt erst dann eingesetzt, wenn ein Schaden drohte. Zudem wird nur etwa ein Zwanzigstel des Wirkstoffs von der Pflanze aufgenommen: Die überwiegende Mehrheit bleibt im Boden und kann von dort ins Grundwasser oder Oberflächengewässer gelangen. Weil Imidacloprid wasserlöslich und äusserst langlebig ist, entfaltet es seine Wirkung auch in Gewässern und in Pflanzen, die das Grundwasser aufnehmen. Die Folge ist, dass sogar Pflanzen fernab jeglicher Nahrungsmittelproduktion Imidacloprid in sich tragen können und damit Insekten töten – mit verheerenden Folgen für Vögel und andere Tiere, die sich von Insekten ernähren.