Keine Feier ohne Geier (16.07.2019)

      Der Gänsegeier war bis vor 20 Jahren ein seltener Gast in der Schweiz. Dank einem Wiederansiedlungsprojekt in Frankreich übersommern immer mehr Gänsegeier in unserem Land und ermöglichen auch Wanderern Beobachtungen dieser imposanten Greifvögel.

      Der Gänsegeier ist mittlerweile ein regelmässiger Sommergast in der Schweiz. Mit bis zu 2,6 Meter Flügelspannweite gehört der imposante Greifvogel zu den grössten Vögeln Europas.
      Der Gänsegeier ist mittlerweile ein regelmässiger Sommergast in der Schweiz. Mit bis zu 2,6 Meter Flügelspannweite gehört der imposante Greifvogel zu den grössten Vögeln Europas.
      Foto © Ralph Martin Bild in Druckqualität
      Die sozialen Gänsegeier sind oft in Gruppen unterwegs und ermöglichen spektakuläre Beobachtungen.
      Die sozialen Gänsegeier sind oft in Gruppen unterwegs und ermöglichen spektakuläre Beobachtungen.
      Foto © Markus Varesvuo Bild in Druckqualität
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      Sempach. – Bis vor einigen Jahren war die Beobachtung eines Steinadlers oder Bartgeiers ein Höhepunkt jeder Wanderung. Aber mittlerweile sind sie nicht mehr allein am Himmel: Alljährlich besuchen im Sommer Dutzende Gänsegeier die Schweiz. Mit bis zu 2,6 Meter Flügelspannweite ist der Gänsegeier deutlich grösser als der Steinadler und nur wenig kleiner als der Bartgeier.

      Dass der Gänsegeier in der Schweiz immer häufiger anzutreffen ist, zeigen auch Auswertungen der Schweizerischen Vogelwarte in Sempach: Zwischen 1900 und 1980 gab es insgesamt nur 12 Nachweise, ab Mitte der 1990er Jahre wurden jedes Jahr Gänsegeier beobachtet. In den letzten Jahren waren selbst Trupps von 50 Individuen und mehr keine Seltenheit mehr.

      Die markante Zunahme der Beobachtungen in der Schweiz ist vermutlich auf ein Wiederansiedlungsprojekt in Frankreich zurückzuführen. Der dortige Brutbestand hat sich in den letzten 10 Jahren auf rund 2 000 Paare verdoppelt. Dass Gänsegeier auch in der Schweiz brüten, ist jedoch unwahrscheinlich: In der Schweiz tritt der Gänsegeier normalerweise erst im April auf, das einzige Ei wird aber bereits im Februar oder sogar schon im Januar gelegt.

      Vorerst bleibt der Gänsegeier also nur Sommergast in der Schweiz. Zurzeit bestehen gute Möglichkeiten, die imposanten Greifvögel zu beobachten. Beste Chancen bietet die Region der Kaiseregg im Kanton Fribourg, ein seit Jahren traditioneller Aufenthaltsort. Gänsegeier können aber überall auftreten. Sobald mehrere sehr grosse Vögel zusammen kreisen, gilt es, genau hinzuschauen. Die sozialen Gänsegeier sind oft in Gruppen unterwegs und suchen gemeinsam nach Nahrung. Steinadler und Bartgeier sind dagegen normalerweise Einzelgänger. Das Spektakel einer kreisenden Geierschar bringt einen Hauch Afrika zu uns und ist ein unvergessliches Erlebnis.

      Unschätzbare Gesundheitspolizei
      Geier geniessen nicht den besten Ruf: Sie gelten als todbringend und schmutzig. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Geier sind eine unerlässliche Gesundheitspolizei. Mit ihrem exzellenten Sehsinn entdecken sie Kadaver sehr schnell und fressen innert kürzester Zeit alles ratzeputz auf. So verhindern sie die Ausbreitung von Seuchen und verrichten damit unschätzbare Dienste für die Gesundheitswesen südlicher Länder.

      Übersicht
      Eine aktuelle Übersicht über die Gänsegeierbeobachtungen in der Schweiz ist auf www.ornitho.ch/index.php?m_id=30337 zu finden.

       

      Zum Radiobeitrag im SRF Regionaljournal Bern Freiburg Wallis

      Weitere Auskünfte

      Livio Rey
      Schweizerische Vogelwarte
      6204 Sempach
      Tel. 041 462 97 14
      livio.rey@vogelwarte.ch

      Gänsegeier