Der Herbstzug beginnt (19.08.2013)

    Wo verbringen Nachtigallen den Winter? Mit modernster Technik haben Forscher der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und der Universität Basel herausgefunden, wo es die bekannte Sängerin dieser Tage hinzieht. In ihren Winterquartieren in der Elfenbeinküste und Ghana bleiben unsere Nachtigallen unter sich. Bereits die Vögel aus Norditalien überwintern weiter im Osten.

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    Sempach/Basel. – Der Gesang der Nachtigall ist bereits seit Ende Juni nicht mehr zu hören. Jetzt machen sich die Vögel auf den Weg in ihre Winterquartiere. Welche Richtung die Nachtigallen dabei einschlagen, konnte bisher nur vermutet werden. Die einzigen Hinweise stammten von den wenigen Vögeln, die in Europa beringt und im tropischen Afrika wieder gefunden worden waren.

    Die Schweizerische Vogelwarte und die Universität Basel wollten es genauer wissen. Dabei verhalfen Sie einer alten Methode zu einer Renaissance: Der Positionsbestimmung anhand der Tageslänge. Im Jahr 2009 statteten die Forscher in der grenznahen Petite Camargue Alsacienne, in der italienischen Po-Ebene und in Bulgarien Nachtigallen mit einem rund 1g leichten technischen Kleinod aus. Im folgenden Frühjahr konnten den Vögeln die „Geolocator“ genannten Geräte wieder abgenommen werden.

    „Wir konnten für insgesamt 28 Nachtigallen herausfinden, wo sie den Winter verbracht hatten“, schwärmt Valentin Amrhein von der Universität Basel. „Uns fiel auf, dass sich die Vögel der verschiedenen europäischen Brutgebiete in Afrika wenig vermischten, sondern in begrenzten Gebieten überwinterten.“ So verbrachten die Nachtigallen aus dem Raum Basel den Winter mehrheitlich in der Elfenbeinküste und Ghana, diejenigen aus Norditalien hingegen zwischen Ghana und Nigeria und diejenigen aus Bulgarien vom Tschad bis zur Demokratischen Republik Kongo und Uganda.

    „Wenn wir die Nachtigall effizient schützen wollen, dann müssen wir wissen, wo sie sich im Winter aufhält und wo sie durchzieht“, erläutert Steffen Hahn von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach die Bedeutung dieser Resultate. „Nur so können die von den Nachtigallen dringend benötigten Lebensräume und Gebiete vor der Zerstörung geschützt werden.“

     

    Quelle
    Hahn, S., V. Amrhein, P. Zehtindijev & F. Liechti (2013): Strong migratory connectivity and seasonally shifting isotopic niches in geographically separated populations of a long-distance migrating songbird. Oecologia. DOI 10.1007/s00442-013-2726-4
    Publikation

     

    Alter Trick – modernste Technologie
    Ein Geolocator besteht aus einem Lichtsensor, einem Zeitgeber, einem Datenspeicher und einer Batterie. In einem Zeitintervall von zwei Minuten wird rund um die Uhr die Intensität des Lichts gemessen und gespeichert. Nach der Rückkehr der Vögel ermitteln die Wissenschaftler aus dem zeitlichen Verlauf der Lichtintensität für jeden Tag Sonnenauf- und -untergang. Daraus wiederum lassen sich sowohl die Tageslänge als auch die Zeitpunkte der Tages- und Nachtmitte bestimmen. Die Tageslänge gibt schliesslich Auskunft über die geografische Breite, auf der sich der Vogel an jenem Tag befand. Anhand der Tages- bzw. Nachtmitte lässt sich die geografische Länge eruieren. Natürlich ist der Verlauf der Lichtintensität vom Wetter, der Vegetation und dem Verhalten des Vogels abhängig. Zudem kann um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche keine geografische Breite bestimmt werden. Deshalb ist die Ungenauigkeit dieser Messtechnik sehr viel grösser als etwa bei einem Satellitensender. Dennoch lassen sich Zugrouten, Rastplätze und Winterquartiere mit Genauigkeit bis zu 100–200 km identifizieren.