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© Verena Keller
Tätigkeitsbericht 2025 – Forschung

Tätigkeiten in der Forschung

Erfahren Sie, wie junge Steinadler in die Selbstständigkeit starten und auf welche Herausforderungen sie dabei stossen. Dass es auf die Weibchen ankommt, konnten unsere Forschenden eindrücklich anhand der Revierwahl des Waldlaubsängers bestätigen. Welches die besonders bedeutsamen Winterquartiere für Wasservögel in der Schweiz sind, können wir anhand der jährlichen Zählungen identifizieren.

Lektionen für junge Steinadler

Wenig ist bekannt über die entscheidende Lebensphase, in der sich junge Greifvögel selbstständig machen. Eine Dissertation liefert nun neue Erkenntnisse dazu, wie junge Steinadler unabhängig werden.

Für Eltern bedeutet es eine markante Veränderung, wenn die Kinder ausziehen. Wie dieser Schritt in die Selbstständigkeit bei Vögeln genau abläuft, ist kaum bekannt. Bei grossen Greifvögeln kann es zudem mehrere Jahre dauern, bis sie nach dem Selbstständigwerden ein eigenes Revier besetzen. Um mehr über diese wichtige Lebensphase zu erfahren, untersuchte Julia Hatzl in ihrer Doktorarbeit, auf welche Herausforderungen junge Steinadler auf dem Weg zum eigenen Revier stossen. Dazu hatte sie, gemeinsam mit verschiedenen Partnerorganisationen im In- und Ausland, 87 Steinadler-Nestlinge aus dem Alpenbogen vermessen und mit GPS-Sendern ausgestattet. Die so gewonnenen Daten geben Aufschluss darüber, wie junge Steinadler das energiesparende Fliegen erlernen, und wie sie sich im Labyrinth von besetzten Revieren bewegen, nachdem sie selbstständig geworden sind.

Die Studie stellte fest, dass das elterliche Revier entscheidend war: Wo es günstige Aufwinde und ein reichhaltiges Nahrungsangebot gab, konnte sich der Nachwuchs früher selbstständig machen als in weniger günstigen Revieren. Die so gewonnenen Vorteile wirkten sich auch längerfristig auf das Leben aus: Vor der Besetzung eines Reviers flogen die Steinadler, die früher selbstständig geworden waren, effizienter und waren mobiler als später selbstständig gewordene Artgenossen. Das könnte bedeuten, dass diese Steinadler früher ein Revier zu etablieren versuchen und konkurrenzfähiger sind.

Die Vor- und Nachteile, die Steinadler früh im Leben erfahren, könnten also grosse Auswirkungen auf die Ansiedlung und den Erfolg im späteren Leben haben.

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Auf die Weibchen kommt es an

Eine Studie über den Waldlaubsänger fördert Überraschendes zu Tage: Den Weibchen kommt eine viel wichtigere Rolle zu als bisher angenommen. Oft war der Mangel an Weibchen verantwortlich dafür, dass ein Männchen sein Revier wechselte.

Bei Vögeln ist häufig das Männchen für die Revierwahl zuständig, das Weibchen schliesst sich ihm dann für das Brutgeschäft an. Bisher wurde angenommen, dass ein Männchen in der Brutsaison dann sein Revier wechselt, wenn zu wenig Nahrung oder geeignete Brutplätze vorhanden sind.

Shannon Luepold zeigt in ihrer Doktorarbeit, dass beim Waldlaubsänger dieser Ansatz zu kurz greift. Sie beringte Waldlaubsänger- Männchen und beobachtete ihre Bewegungsmuster in der Brutsaison. Bei der Qualität der Reviere gab es zwischen verpaarten und unverpaarten Männchen keine Unterschiede. Für Revierwechsel, die man bei unverpaarten Männchen oft beobachtete, konnte die Qualität des Reviers also nicht entscheidend sein. Doch wenn ein Männchen von keinem Weibchen als Partner ausgewählt worden war, verliess es bald sein Revier. Dies zeigt, dass es das fehlende Weibchen und nicht ein schlechter Lebensraum war, der zum Revierwechsel geführt hatte. Und wanderte ein Weibchen nach der ersten Brut ab, tat es «sein» Männchen ebenfalls – egal, ob die Brut erfolgreich gewesen war oder nicht!

Für die Förderung des bedrohten Waldlaubsängers, wie auch für andere Arten, bedeutet dies, dass man die Weibchen ebenfalls im Auge behalten muss: Viele Wechsel bei den Revierinhabern oder Schwankungen der Anzahl Reviere innerhalb der Brutzeit lassen vermuten, dass es zu wenige Weibchen für die Männchen gibt.

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Zählen für den Wasservogelschutz

Dank ihrer vielen eisfreien Gewässer ist die Schweiz ein attraktives Rast- und Winterquartier für Hunderttausende Wasservögel. Etliche bedeutende Gebiete, in denen sich besonders viele Vögel aufhalten, stehen unter Schutz, aber längst nicht alle.

Jeden Winter zählen Freiwillige der Vogelwarte jeweils Mitte November und Mitte Januar die auf den Seen und Flüssen der Schweiz rastenden und überwinternden Wasservögel. Die Zahlen machen deutlich, dass die Schweiz ein sehr wichtiges Rastund Winterquartier für Wasservögel ist. Jährlich verbringen mehrere Hunderttausend Enten, Taucher und Möwen die kalte Jahreszeit bei uns. Grund dafür sind die zahlreichen Gewässer, die auch im Winter eisfrei bleiben und damit den Wasservögeln den Zugang zu Nahrung ermöglichen.

Dank der Wasservogelzählungen konnten auch die meisten besonders bedeutsamen Winterquartiere identifiziert werden. Sie wurden 1991 schliesslich mit der Wasser- und Zugvogelverordnung (WZVV) unter Schutz gestellt. Die Zählungen bestätigen, dass sich der Schutz in WZVVGebieten lohnt: In den Reservaten hält sich ein grosser Teil der Winterbestände vieler Arten auf, und die überwinternden Wasservögel profitieren schon bei ihrer Ankunft im Herbst von der grösseren Ruhe. Dennoch: Nach wie vor stehen etliche Gewässerabschnitte mit national oder international bedeutenden Wasservogelbeständen nicht unter Schutz. Und selbst Schutzgebiete geraten durch die zunehmenden Freizeitaktivitäten von Menschen an und auf den Gewässern unter Druck. Umso wichtiger ist es, den bestehenden Schutzgebieten Sorge zu tragen, neue zu schaffen und die geltenden Regeln zu respektieren. So kann die Schweiz auch in Zukunft ihrer internationalen Bedeutung für überwinternde Wasservögel gerecht werden.

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Vogelwarte 2025

Naturschutz steht vielerorts nicht mehr auf der Prioritätenliste. Gerade deshalb verstärkt die Schweizerische Vogelwarte ihren Einsatz für die Vögel weiter. Unsere sachbezogene Tätigkeit zum Wohl der Vögel ist nötiger denn je. Wir sind überzeugt, dass wissenschaftliche Analysen und engagiertes Handeln auch in schwierigen Zeiten der richtige Weg sind.

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