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    Kofler, S. K. (2019)

    Use of conspecific attraction to influence the breeding habitat selection of the Whinchat (Saxicola rubetra).

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    Masterarbeit, Universität Wien.

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    matthias.voegeli@vogelwarte.ch

    Zusammenfassung

    Die Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung und die zeitliche Verlagerung der Mahd sind zwei Hauptgründe für den drastischen Rückgang des Braunkehlchens (Saxicola rubetra) in West- und Mitteleuropa. Daher braucht es effektive Maßnahmen zur Förderung dieses Langstreckenziehers, der in der Schweiz subalpine Wiesen besiedelt. Die Tendenz von Individuen, sich in der Nähe von Artengenossen niederzulassen, wird als soziale Attraktion bezeichnet. Da Vögel die Anwesenheit von Artgenossen nutzen, um die Qualität des Habitats zu beurteilen, kann dieses Verhalten genutzt werden, um die Wahl des Bruthabitats eines Individuums zu beeinflussen. Bei verschiedenen Zugvögeln ist soziale Attraktion bereits erfolgreich als Instrument zur Artenförderung eingesetzt worden. Ziel dieser Studie war es experimentell zu testen, ob das Abspielen von arteigenen Gesängen die Wahl des Bruthabitats beim Braunkehlchen beeinflusst. Sollte diese Methode erfolgreich sein, kann das Abspielen von arteigenen Gesängen als Maßnahme zur Artenförderung genutzt werden, um die Ansiedlung des Braunkehlchens in geeignete, spät gemähte Gebiete zu lenken. Im selbigen Experiment wurde ebenfalls getestet, ob das Ausbringen von künstlichen Sing- und Sitzwarten zur Verbesserung der Habitatqualtät beiträgt und somit die Wahl des Bruthabitats für das Braunkehlchen beeinflusst. Dafür wurde 2018 im Unterengadin auf 79 Flächen ein kontrolliertes Playback-Experiment mit lokalen Braunkehlchengesängen durchgeführt. Darüber hinaus wurde der Einfluss von künstlichen Sing- und Sitzwarten getestet. Die Flächen wurden in drei verschiedene Qualitätsstufen (niedrig, mittel und hoch) eingeteilt und befanden sich entlang eines Distanzgradienten zu den bestehenden Kerngebieten. Sowohl das Playback-Experiment als auch die künstliche Erhöhung des Wartenangebots hatte keinen Einfluss auf die Wahl des Bruthabitats beim Braunkehlchen. Jedoch beeinflusste die Habitatqualität die Ansiedlung des Braunkehlchens, wobei Flächen tiefer Qualität gemieden wurden. Darüber hinaus zeigte das Ansiedlungsverhalten des Braunkehlchens ein starkes räumliches Muster, das von der Nähe zum nächsten Kerngebiet bestimmt wurde. Folglich besiedelten Braunkehlchen bevorzugt Flächen mittlerer und hoher Habitatqualität innerhalb von 2 km Distanz zum nächsten Kerngebiet. Das Abspielen von arteigenen Gesängen und Ausbringen von künstlichen Sing- und Sitzwarten sind als Maßnahme zur Artenförderung für das Braunkehlchen ungeeignet. Folglich sollten sich Förderungsmaßnamen auf den Schutz und die Aufwertung von bestehenden Kerngebieten und deren unmittelbare Umgebung im Umkreis von etwa 2 km fokussieren. Weitere Studien zur Bedeutung von sozialer Attraktion und dessen Einfluss auf die Wahl des Bruthabitats beim Braunkehlchen sind nötig, um den Zusammenhang von sozialen Faktoren, Standortstreue und Habitateigenschaften zu verdeutlichen.

    Abstract

    Background: Agricultural intensification of grasslands and shifts in the mowing phenology are the main reasons for the massive decline of the Whinchat (Saxicola rubetra) in Western and Central Europe. Hence, effective conservation measures are needed for this migratory songbird, which is in Switzerland confined to subalpine grasslands. Conspecific attraction, the tendency for individuals to settle near members of the same species, provides a conservation tool that has been successfully applied for several migratory passerines. Since birds use the presence of conspecifics as a cue to assess habitat quality, this behaviour can be exploited to influence the breeding habitat selection of individuals of a given species.
    Aims: This study aimed to test whether experimentally provided conspecific vocalizations influence the breeding habitat selection of the Whinchat. If successful, the playback of conspecific vocalizations could be used as a conservation measure to redirect settling Whinchats towards suitable areas that are unaffected by early mowing. Additionally, this experiment aimed at testing whether an increased availability of perches improves Whinchat habitat quality and therefore influences breeding habitat selection.
    Methods: In 2018, a controlled playback study using local conspecific vocalizations was conducted in the Lower Engadine on 79 experimental plots, which were simultaneously employed for testing the influence of an increased availability of perches. Established plots represented meadows of three different habitat quality levels (low, intermediate and high) along a distance gradient to existing large Whinchat populations (core areas).
    Results: The playback and the increased availability of perches did not affect the breeding habitat selection of the Whinchat. Nevertheless, the habitat quality influenced the species’ settlement, whereby low habitat quality plots were avoided. Furthermore, Whinchat settlement events were strongly related to the distance to the nearest core area. Consequently, Whinchats preferably settled in plots of high or intermediate habitat quality within approximately 2 km to the nearest core area.
    Conclusion: The playback of conspecific vocalizations and the use of artificial perches did not prove being useful tools for conservation measures. Conservation management for the Whinchat in the Lower Engadine must focus on the conservation and improvement of the existing large core areas and their surroundings up to 2 km distance. Further studies are necessary to address the importance of conspecific attraction for breeding habitat selection of the Whinchat and to unmask the relationship between social factors, breeding site fidelity and habitat characteristics.