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    Horch, P., B. Bruderer, V. Keller, P. Mollet & H. Schmid (2003)

    Windenergiekonzept Schweiz - Beurteilung der 40 prioritären Standorte aus ornithologischer Sicht.

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    Schweizerische Vogelwarte Sempach. 16 S.

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    petra.horch@vogelwarte.ch

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    Zusammenfassung

    Die Schweizerische Vogelwarte Sempach wurde von den Bundesämtern für Energie, für Raumentwicklung und für Umwelt, Wald und Landschaft zur Beurteilung des Nationalen Konzeptes Windenergie, Phase 1 eingeladen. Mit der groben und unter starkem Zeitdruck erstellten Beurteilung der 40 Standorte erster Priorität erhofft sich die Schweizerische Vogelwarte, dass die angemerkten Kritikpunkte eine Verbesserung der Auswahl von Makro-Standorten für Windparks in der Schweiz bringen werden. Die Beurteilung der 40 Standorte erster Priorität durch die Schweizerische Vogelwarte Sempach erfolgte auf Karten im Massstab 1:100'000. Die Standorte selbst sind als Makrostandort (Perimeter) eingetragen. Dies erlaubt keine detaillierten Abwägungen zu möglichen Auswirkungen eines Windparks auf die Vogelwelt. Die Schweizerische Vogelwarte betont daher, dass das Nationale Konzept Windenergie die UVP Pflicht für das einzelne konkrete Projekt in keiner Weise ersetzt, obschon es gewisse Vorabklärungen auf nationaler Stufe vorwegnimmt. Für die Beurteilung der 40 prioritären Standorte für Windenergienutzung waren primär neun Punkte massgebend: Vogelzug, Rastgebiete und wichtige Bewegungskorridore, wichtige Vogelgebiete der Schweiz (IBA), Vorkommen von Prioritätsarten für Artenförderungsprogramme, Vorkommen von störungssensiblen Arten (z. B. Alpenschnee-, Auer-, Birk- und Haselhuhn), Trockenwiesenstandorte, Offene Kulturlandschaften, Vorhandensein von Grossvögeln (wie Steinadler, Bartgeier, Uhu), Detaillierungsgrad der Kartengrundlage. Die Standorte wurden in drei Kategorien eingeteilt: "eher unbedenklich": Es sind eher unerhebliche Auswirkungen zu erwarten, da der Standort in einem bereits stark durch Infrastrukturanlagen beeinträchtigten Gebiet liegt. "mit Vorbehalt": Überprüfung im Feld notwendig, da Kartendetaillierung zur abschliessenden Beurteilung nicht genügend oder nur Detailprojekt beurteilbar, da die genauen Standorte der Windenergieanlagen ausschlaggebend sind für die Stärke der Auswirkungen. "Standort auszuschliessen": Aus ornithologischer Sicht sind erhebliche Auswirkungen zu erwarten. Wir empfehlen, diese Standorte aus der Liste zu streichen. 6 Standorte sind eher unbedenklich, da sie bereits durch touristische und andere Infrastrukturanlagen belastet sind. Windkraftanlagen dürften dort kaum wesentliche zusätzliche Auswirkungen haben. 28 Standorte bedürfen weiterer Abklärung, insbesondere die Standorte im Jura. Der Massstab 1 :100'000 ist für eine Beurteilung dieser Standorte ungeeignet. Vorbehalte bringen wir auch für sogenannte "aufgewertete" Gebiete an. In diesen wurden in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, die ausgeräumten Landwirtschaftgebiete als Lebensraum für bedrohte Arten aufzuwerten und die Artenvielfalt zu erhöhen. Neue Infrastrukturprojekte könnten den Wert dieser Gebiete für die Fauna wieder stark vermindern. 6 Standorte sind auszuschliessen. Es sind erhebliche Auswirkungen auf die Vogelwelt zu erwarten, was namentlich auch das Image von Windenergieanlagen als umweltfreundliche Energieerzeugung schädigen wird. Dies können Auswirkungen auf Vogelzugkonzentration sein oder auf lokal letzte Vorkommen bedrohter Brutvogelarten. Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt den Bundesämtern für Energie, für Raumentwicklung und für Umwelt, Wald und Landschaft die angebrachten Vorbehalte zu berücksichtigen. Zur Qualitätssicherung des Projektes sollten die Detailabklärungen spätestens auf Vorprojektstufe vorgenommen werden.