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    Horch, P. & V. Keller (2005)

    Windkraftanlagen und Vögel - ein Konflikt? - Eine Literaturrecherche.

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    Schweizerische Vogelwarte Sempach. 102 S.

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    petra.horch@vogelwarte.ch

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    Zusammenfassung

    Die Nutzung der Windenergie als erneuerbare Energiequelle hat in den letzten Jahren starken Auftrieb erhalten. Dem Umweltnutzen der Windenergie, insbesondere unter dem Aspekt der Kohlendioxidproblematik, stehen wie bei jeder technischen Anlage mögliche Konflikte mit Anliegen des Naturschutzes gegenüber.

    Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über das aktuelle Wissen zu möglichen Auswirkungen der Windenergienutzung auf Vögel. Einbezogen wurden 268 Publikationen, Berichte und Schriften. 174 davon bezogen sich direkt auf den Konflikt Windenergie und Vögel. Mögliche Auswirkungen können folgendermassen systematisiert werden: (1) Vogelschlag/Kollision; (2) Auswirkungen auf den Lebensraum (Habitat) und das Verhalten der Vögel.

    Kollisionen von Vögeln mit Windkraftanlagen wurden in vielen Gebieten festgestellt. Von Kollisionen betroffen sind sowohl ziehende als auch ortsansässige Vögel. Tagsüber sind insbesondere grosse Vögel (z.B. Störche und Greifvögel) und mit geringer Manövrierfähigkeit betroffen. Für nachtziehende Vögel bergen vor allem Nächte mit schlechten Wetterverhältnissen (insbesondere schlechter Sicht) ein grosses Gefahren-Potenzial. Die Auswirkungen der erhöhten Mortalität auf die Entwicklung der Bestände sind unklar. Für die Bestände von grösseren und langlebigen Arten mit einer geringen Fortpflanzungsrate könnte die erhöhte Mortalität problematisch sein. Dies vor allem, wenn die Kollisionen an Orten auftreten, wo sich Vögel aus einem grossen Einzugsgebiet konzentrieren, z.B. an Zugschneisen. Bei Kleinvögeln scheinen die möglichen Auswirkungen nicht sehr gross zu sein, da es sich bei den meisten um kurzlebige Arten mit einer hohen Fortpflanzungsrate handelt.

    Windkraftanlagen verändern die Lebensräume von Vögeln, weil durch sie neue Strukturen geschaffen werden und mit der Erstellung der Anlagen meist eine Änderungen der Nutzung der Fläche verbunden ist. Änderungen in der Habitatnutzung oder im Verhalten, z.B. Meiden der Umgebung von Windkraftanlagen, scheinen vor allem bei Brut- und Rastvögeln offener Lebensräume vorzukommen (z.B. Limikolen, Gänse). Inwieweit diese Auswirkungen relevant sind, die aus Naturschutzsicht einem partiellen bis vollständigen Lebensraumverlust gleich kommen, hängt in erster Linie vom Gefährdungsstatus der betroffenen Arten und Lebensräume ab.

    Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Zugvögel bestehen vor allem darin, dass die Vögel durch das Hindernis vom Zugweg abgelenkt werden oder dass ein Teil der Vögel, die sich nicht ablenken lassen und durch den Windpark fliegen, mit den Anlagen kollidiert oder durch Wirbel zu Boden geschleudert wird. Da die meisten Zugwege traditionelle Routen sind, wiederholt sich die Beeinträchtigung jeden Herbst und Frühling. Welche Auswirkungen diese Verluste für die Populationen haben, ist unbekannt.

    Die indirekten Auswirkungen von Windkraftanlagen z.B. durch den Bau von zusätzlichen Infrastrukturanlagen oder die Erschliessung bisher wenig genutzter Räume, die zu einer Veränderung z.B. der landwirtschaftlichen Nutzung oder zu einem höheren Besucheraufkommen führen können, wurden bisher kaum untersucht, müssen aber bei der Prüfung der Verträglichkeit von Windkraftanlagen mitberücksichtigt werden.

    Der aktuelle Wissenstand zeigt, dass Windkraftanlagen negative Auswirkungen auf Vögel (und andere fliegende Tiere) haben können. Dabei steht aber auch fest, dass weitere, international koordinierte Forschung in einem grösseren Rahmen durchgeführt werden muss. Die Heterogenität der Projekte und die Vielfalt an Reaktionen der Vögel lassen bislang keine abschliessenden und allgemeingültigen Folgerungen zu. Aus der Sicht der Schweiz ist besonders zu beachten, dass Untersuchungen aus dem Voralpen- und Alpenraum weitgehend fehlen. Die meisten Untersuchungen sowohl zu Kollisionen wie auch zu Auswirkungen auf die Nutzung des Lebensraumes fanden in tiefen Lagen, oft in Küstengebieten statt.

    In der Schweiz soll die Windenergienutzung gefördert werden. Das Programm "EnergieSchweiz" sieht bis 2010 die Erstellung von mehreren Windparks vor. Aufgrund der Literaturauswertung sind Konflikte in erster Linie dort zu erwarten, wo gefährdete Arten offener Landschaften betroffen sind oder wo sich Zugvögel aufgrund topographischer Bedingungen konzentrieren. Der Standortwahl ist deshalb höchstes Gewicht einzuräumen, um Konflikte mit der Vogelwelt möglichst zu vermeiden. Zu berücksichtigen sind dabei die bereits vorhanden Grundlagen zu Vorkommen relevanter Arten (insbesondere Prioritätsarten für Artenförderungsprogramme), zu bedeutenden Lebensräumen (Bundesinventare) sowie die Kenntnisse über den Vogelzug.

    Abstract

    In recent years wind power as a renewable source of energy has been increasingly promoted. However, as with any other technical infrastructure, the environmental advantage has to be balanced against possible disadvantages for the natural environment.

    This report reviews the current knowledge on effects of wind farms on birds. In total, 268 publications and unpublished reports were included, 174 of which dealt directly with the conflict between wind energy production and birds. The possible effects can be grouped into (1) collisions of birds with wind turbines, (2) effects on habitats and on the behaviour of birds.

    Collisions of birds with wind turbines have been observed in many areas. Migrating as well as resident birds are concerned. During daytime large birds with limited ability for manoeuvring, e.g. soaring storks and raptors, risk to collide with wind turbines most. For night-migrating birds collision risk increases in bad weather conditions (low visibility in particular). The effects of mortality due to collisions on bird populations are not clear. Increased mortality could be a potential problem for populations of large birds with low reproductive rates. This would be particularly relevant where there is a high collision risk at sites where birds coming from a large area congregate, e.g. at migration bottlenecks. On the other hand, the effects on populations of small birds often seem to be small.

    Wind farms change the habitats of birds by creating new structures in the landscape and due to changes in the way habitats are used by man, which often go hand in hand with the construction of wind farms. Changes in habitat use or the behaviour of birds have been found mostly for breeding or wintering birds of open habitats (e.g. waders, geese). Where the areas around wind farms are avoided, this is equivalent to a complete or partial loss of habitat. Whether these effects are relevant from a nature conservation point of view, depends mainly on the conservation status of the species or habitats concerned.

    Several types of reactions of migrating birds have been observed: in many cases, migrating birds seem to deviate from their migratory direction. A minority of birds seem to fly across wind farms, where they risk to collide with turbines or to be pushed towards the ground by turbulences. Since birds mostly follow traditional migratory routes, the problems arise each autumn and spring. The effects of the associated losses on populations are largely unknown.

    Indirect effects of wind farms, e.g. due to additional infrastructure or development of previously little used areas, may lead, for instance, to changes in agricultural use or to an increase of visitors to the area. So far, such effects have hardly been studied but have to be taken into consideration in environmental impact assessments.

    The review showed that wind farms can have negative impacts on birds (and other flying animals). It also showed many knowledge gaps and the need for more internationally coordina-ted research in larger areas. The heterogeneity of the projects and the variety of reactions of birds does not allow to draw very general conclusions. For the discussion in Switzerland the almost complete lack of studies in the prealpine or alpine regions is particularly relevant. Most studies on collision risk as well as on habitat use were carried out in lowland areas, often in coastal habitats.

    In Switzerland, there is a commitment to increase the use of wind power. The programme "Energy Switzerland" encourages the construction of several wind farms until 2010. Based on the literature review, conflicts are most likely to arise in areas where threatened species of open landscapes occur, or at migration bottlenecks where birds concentrate due to topographical conditions. The choice of sites for wind farms has therefore to be treated with priority to avoid possible conflicts with birds as far as possible. This has to consider all available knowledge on the occurrence of relevant bird species (in particular priority species for recovery programmes), of important habitats (federal inventories) as well as data on bird migration.

    Résumé

    L´utilisation de l´énergie éolienne comme source d´énergie renouvelable est en plein essor ces dernières années. Cependant, du point de vue de la conservation de la nature, l´avantage d´une énergie propre par rapport à la problématique du gaz carbonique doit être mis en balance avec les conflits potentiels liés à toutes installations techniques.

    Le présent travail donne une vue d´ensemble sur les connaissances actuelles au sujet des conséquences possibles de l´exploitation de l´énergie éolienne sur les oiseaux. 268 publications, rapports et ouvrages ont été étudiés. 174 d´entre eux se réfèrent directement au conflit entre l´énergie éolienne et les oiseaux. Les conséquences possibles peuvent être cataloguées de la manière suivante : (1) collisions entre les oiseaux et les éoliennes, (2) effets sur l´habitat et le comportement des oiseaux.

    Des collisions entre les oiseaux et les installations éoliennes ont été constatées dans de nombreux endroits. Les oiseaux migrateurs aussi bien que les oiseaux sédentaires sont concernés. La journée, les grands oiseaux (p. ex. cigognes, rapaces), avec leur faible capacité de manoeuvre, sont particulièrement menacés. Pour les migrateurs nocturnes, ce sont surtout les nuits avec de mauvaises conditions météorologiques et une mauvaise visibilité qui renferment un grand danger potentiel. Cette mortalité additionnelle peut être problématique pour les populations des grandes espèces à longévité importante et à faible taux de reproduction, surtout lorsque ces collisions ont lieu dans des endroits où les oiseaux venant d´une région très large se concentrent (p. ex. couloirs de migration). Chez les petits oiseaux, les conséquences ne semblent pas être très grandes, puisqu´il s´agit d´espèces à faible longévité et à fort taux de reproduction.

    Les installations éoliennes modifient l´habitat des oiseaux par la création de nouvelles structures et par les changements d´utilisation du terrain liés à la construction des installations. Les changements d´utilisation de l´habitat ou de comportement semblent apparaître surtout chez les oiseaux nicheurs ou en escale qui aiment les milieux ouverts (par ex. les limicoles et les oies). Ils évitent alors p. ex. les environs des installations éoliennes. Lorsque les zones autour des éoliennes sont évitées, cela équivaut à une perte d´habitat complète ou partielle. D´un point de vue de protection de la nature, l´importance de ces effets dépend en premier lieu du statut de conservation de l´oiseau ou de l´habitat concerné.

    Les effets principaux des installations éoliennes, sur les oiseaux migrateurs consistent soit à une déviation des oiseaux de leurs voies de migrations à cause de l´obstacle, soit à leur collision avec les éoliennes ou leur propulsion à terre par les turbulences produites par les pales, lorsqu´ils empruntent tout de même ces voies. Comme la plupart des voies migratoires sont traditionnelles, le préjudice se répète chaque automne et chaque printemps. Les conséquences des ces pertes sur les populations sont inconnues.

    Les effets indirects des installations éoliennes par ex. la construction d´infrastructures supplémentaires ou la desserte routière d´espaces peu utilisés jusque là, peuvent amener un changement, par ex. dans l´utilisation agricole ou par la présence d´un plus grand nombre de visiteurs. Ces effets indirects ont été peu étudiés jusqu´à présent et doivent être intégrés aux études d´impact pour les installations éoliennes.

    L´état actuel des connaissances montre que les installations éoliennes peuvent avoir des conséquences négatives sur les oiseaux (et sur d´autres animaux volants). Cependant, d´autres recherches coordonnées au niveau international doivent être menées dans un plus grand cadre. A cause de l´hétérogénéité des projets et de la diversité des réactions des oiseaux, des conclusions définitives et universelles ne peuvent pas encore être tirées. Du point de vue de la Suisse, il faut particulièrement tenir compte du fait que les recherches dans les Préalpes et les Alpes manquent. La plupart des recherches aussi bien sur les collisions que sur les conséquences sur l´utilisation de l´habitat ont lieu en basse altitude, souvent sur les côtes.

    En Suisse, l´utilisation de l´énergie éolienne est encouragée par les autorités. Le programme EnergieSuisse prévoit la création de plusieurs parcs éoliens d´ici 2010. Sur la base de la recherche bibliographique, il faut s´attendre à des conflits en premier lieu là où se trouvent des espèces menacées dans des paysages ouverts ou bien où des oiseaux migrateurs se concentrent en raison des conditions topographiques. C´est pourquoi il faut accorder une grande importance au choix du lieu pour éviter le plus possible les conflits avec l´avifaune. Il faut donc tenir compte de toutes les connaissances actuelles sur les espèces essentielles (en particulier les espèces prioritaires du Programme de conservation des oiseaux), sur les habitats significatifs (inventaires fédéraux) et sur la migration des oiseaux.