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Sattler, T., P. Knaus, H. Schmid & B. Volet (2016)

Zustand der Vogelwelt in der Schweiz. Bericht 2016.

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Schweizerische Vogelwarte Sempach

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thomas.sattler@vogelwarte.ch

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Zusammenfassung

Die Wiederansiedlung des Bartgeiers ist eine Erfolgsstory, die im Naturschutz ihresgleichen sucht: Seit 2015 dürfen wir den Bartgeier in der Schweiz wieder zu den regelmässigen Brutvögeln zählen, da er in neun der letzten zehn Jahre gebrütet hat!
Eine erfolgreiche Wiederansiedlung ist nicht selbstverständlich, wie uns die jahrzehntelangen Anstrengungen beim Bartgeier vor Augen führen: Nach ersten erfolglosen Versuchen lancierten 35 Fachleute 1978 in Morges am Genfersee ein internationales Projekt zur Wiedereinführung des Bartgeiers in den Alpen. Es brauchte viel persönliches Engagement kombiniert mit einem langen Atem, bis 1986 die ersten Vögel in Österreich ausgesetzt und das Projekt zum Erfolg geführt werden konnte. Voraussetzungen für solche Projekte sind: Die wissenschaftlichen Grundlagen müssen erarbeitet und die Ursachen für das Aussterben erkannt und beseitigt sein. Verschiedene Disziplinen und Institutionen müssen über Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten. Die Öffentlichkeit und die Behörden müssen informiert werden, damit das Projekt akzeptiert wird und auch um die Finanzierung sicherzustellen. Dafür gebührt den erfolgreichen Akteuren, die sich in den Stiftungen Pro Bartgeier und der Vulture Conservation Foundation zusammengeschlossen haben, grosser Respekt und Dank!
Diese Geschichte zeigt: Der Aufwand für eine Wiederansiedlung ist riesig. Deshalb muss alles daran gesetzt werden, dass seltene Arten nicht verschwinden und dass verbreitete erst gar nicht selten werden. Dafür setzt sich die Schweizerische Vogelwarte ein. In der Abteilung «Überwachung der Vogelwelt » erarbeiten wir mit der unersetzlichen Unterstützung von über 2000 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die jährliche Übersicht über die Entwicklung der Brut- und Gastvögel in der Schweiz. Im vorliegenden Zustandsbericht informieren wir über die wichtigsten Erkenntnisse. Diese konstante Grundlagenarbeit ist entscheidend, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen, damit bei Abnahmen rechtzeitig reagiert werden kann. Wer hätte erwartet, dass der Bestand des weit verbreiteten Grünfinken seit 2012 um rund ein Drittel eingebrochen ist? Umgekehrt können auch positive Entwicklungen festgehalten werden – die Felsenschwalbe z.B. hat seit 2005 um rund 40 % zugenommen.
Der Schwerpunkt des diesjährigen Zustandsberichts liegt auf den Bergvögeln. Die harschen äusseren Bedingungen ermöglichen nur wenigen, speziell angepassten Arten ein Auskommen. Wegen der geografischen Lage der Schweiz tragen wir für diese Brutvögel eine spezielle Verantwortung. Auf den ersten Blick scheint die Bergregion wenig vom Menschen beeinträchtigt zu sein. Jedoch machen die Umgestaltung der landwirtschaftlichen Nutzung oder der Klimawandel nicht Halt vor den Alpen. Je nach Lage werden Weiden aufgegeben oder intensiviert, die Temperaturen steigen an, die Gletscher schmelzen – die Lebensbedingungen auch für Alpenbewohner werden tiefgreifend verändert.
Wir wünschen eine gute Lektüre und danken für die kontinuierliche Unterstützung unserer Arbeit zum Wohle der Vögel und der Natur allgemein!
Dr. Thomas Sattler