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Sattler, T., P. Knaus, H. Schmid & B. Volet (2017)

Zustand der Vogelwelt in der Schweiz. Bericht 2017.

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Schweizerische Vogelwarte Sempach

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thomas.sattler@vogelwarte.ch

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Zusammenfassung

Er hat allen Grund, seinen Kopf in die Höhe zu recken, der Purpurreiher auf unserem Titelbild. Denn diese Art befindet sich auf einem Höhenflug: 17 Paare in 6 Gebieten ermittelten die Ornithologinnen und Ornithologen 2016. Das ist die höchste Zahl der letzten fünfzig Jahre. Allerdings ist die Art bekannt für ihre recht ausgeprägten Bestandsschwankungen, die mit Trockenheit in den Winterquartieren und mit dem Pegelstand in den Brutgebieten zusammenhängen.
Verschiedene weitere Arten sind ebenfalls auf Höhenflügen: Mittelmeermöwe, Rotmilan, Steinkauz, Mittelspecht, Ringeltaube, Saatkrähe, Berglaubsänger – und sogar der Weissstorch. Nicht bei allen verstehen wir die Mechanismen, weshalb ihre Bestände markant zunehmen. Doch dank einem gut ausgebauten Netz mit über 2000 engagierten Freiwilligen im ganzen Land sind wir heute in der Lage, die Entwicklungen besser denn je aufzuzeigen. Das gilt auch für die häufigen Arten, für die wir dank den 2016 erfolgreich abgeschlossenen Feldaufnahmen zum Schweizer Brutvogelatlas und dank Langzeitprojekten wie dem Monitoring Häufige Brutvögel eine Übersicht haben, die internationale Beachtung geniesst.
Eine wichtige Ergänzung zu diesen Projekten ist unser ganz grosser «Datentopf », das Online-Portal ornitho.ch, das Anfang 2017 sein 10-jähriges Jubiläum feierte. Diese vielbenutzte Informationszentrale wurde von der Walliser Firma Biolovision S.à.r.l. mit unserer Unterstützung entwickelt. Sie zeigt u.a., wo sich gerade welche ornithologischen «Perlen» befinden oder ob irgendwelche Einflüge im Gang sind. Aus den aktuell rund 13 Millionen Meldungen lassen sich das jahreszeitliche und räumliche Auftreten für jede Art gut abbilden und Trends analysieren, wie sie z.B. für den Phäno-Index gewünscht sind. Ornitho.ch ist jedoch mehr, denn unser Ziel ist es, das Portal zu einem Werkzeug weiterzuentwickeln, über das einzelne Nutzerinnen und Nutzer auch die Ergebnisse der Wasservogelzählungen, von Spezialerhebungen und demnächst auch die Protokolle für Seltenheitsbeobachtungen eingeben können.
Längst nicht alle Arten stehen so gut da wie Purpurreiher & Co. Für eine Reihe von Arten dokumentierten unsere Mitarbeitenden in den letzten Jahren Rückgänge, namentlich für verschiedene Feuchtgebietsbewohner und für Transsaharazieher: Turteltaube, Braunkehlchen, Gartengrasmücke, Gelbspötter, Waldlaubsänger und Fitis. Ein besonderes Sorgenkind ist der Ortolan, von dem nicht mal mehr eine Handvoll Sänger übrig geblieben sind – gegenüber mindestens 200 vor zwanzig Jahren. Und dann gibt es noch Arten, die wir längst «über dem Berg» glaubten – wie Wanderfalke und Habicht – die plötzlich wieder Bestandseinbrüche zeigen.
Unsere präzisen Erhebungen, die wir dank grosszügiger Unterstützung durch die breite Bevölkerung und durch das BAFU durchführen können, geben der Artenförderung wichtige Grundlagen.Damit hat die Schweizerische Vogelwarte einen Grundauftrag erfüllt. Eine weit schwierigere Herausforderung aber bleibt: Die Gründe für die teils drastischen Rückgänge zu eruieren und wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen.
Hans Schmid
Leiter Fachbereich Monitoring