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Knaus, P., T. Sattler, H. Schmid, N. Strebel & B. Volet (2021)

Zustand der Vogelwelt in der Schweiz. Bericht 2021.

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Schweizerische Vogelwarte Sempach

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peter.knaus@vogelwarte.ch

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Zusammenfassung

2020 war in den meisten Teilen der Welt ein schwieriges Jahr und eines, in dem die Beziehungen und Zusammenarbeit zwischen Menschen und Ländern infolge der Beschränkungen wegen Covid-19 erschwert waren. In einem Jahr voller Probleme und Trauer konnten wir einen Lichtblick feiern, eine grossartige Errungenschaft internationaler Zusammenarbeit auf dem europäischen Kontinent: die Veröffentlichung des zweiten Europäischen Brutvogelatlas durch den European Bird Census Council (EBCC).
Dieses Ereignis tauchte natürlich nicht einfach so im Jahr 2020 auf. Es war das Ergebnis von zehn Jahren Arbeit, zu einem grossen Teil unter der Leitung von Mitarbeitenden der Schweizerischen Vogelwarte, allen voran Verena Keller, die das Projekt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen des Katalanischen Ornithologischen Instituts und der Tschechischen Gesellschaft für Ornithologie von Anfang an vorantrieb. Die Zahlen, die hinter dem Buch stehen, sind beeindruckend: Etwa 120 000 Personen haben Meldungen beigesteuert. Es wurden Daten aus 5110 50 × 50 km-Quadraten gesammelt, um die Verbreitung von 596 Vogelarten zu kartieren. Anstatt eines Top-Down-Ansatzes wurde dies durch 48 nationale Partnerorganisationen ermöglicht, die jeweils für die Datenerfassung nach einem gemeinsamen Standard verantwortlich waren. In Ländern wie der Schweiz und meinem Heimatland (Grossbritannien) wurde dies durch eine lange Tradition ornithologischer Studien und somit durch eine bestehende Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Ornithologinnen und Ornithologen ermöglicht, während dies in vielen osteuropäischen Ländern nicht der Fall war. Beratung, Ausbildung und wichtiger finanzieller Support – ein Grossteil davon grosszügigerweise von der MAVA-Stiftung – unterstützten die begeisterten Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachter in Osteuropa. Dadurch wurde eine Abdeckung erreicht, die die Erwartungen weit übertraf.
Mit EBBA2 erhalten wir nicht nur ein neues Standardwerk zur Entwicklung der Vogelwelt. Die in einem grossartigen Buch zusammengestellten Ergebnisse werden noch jahrzehntelang als wichtige Informationsquelle für Naturschutz und Forschung dienen. Die Karten liefern bessere Kenntnisse über die europäischen Brutgebiete als je zuvor, insbesondere im Osten des Kontinents, wo die Abdeckung im Vergleich zum ersten Atlas in den 1980er- Jahren deutlich verbessert wurde. Dies – und die Arealveränderungen seit dem ersten Atlas – führen zu einem besseren Verständnis des Zustands der Vögel in Europa und werden für gezielte Schutzbemühungen genutzt. Zukünftige Forschungen mit den EBBA2-Daten werden uns helfen, die Rolle der verschiedenen die Verbreitung von Vögeln bestimmenden Faktoren, z.B. Landnutzung und Klimawandel, zu verstehen. Schliesslich gibt uns die Kenntnis der Verbreitung von Arten in ganz Europa wertvolle Einblicke in die Populationen auf nationaler Ebene, wie sie dieser Bericht für die Schweiz untersucht.
EBBA2 wurde von einem beispielhaften europäischen Netzwerk ermöglicht, in dessen Mittelpunkt die Schweiz steht. Es ist ein inspirierendes Beispiel für internationale Zusammenarbeit und, wie ich hoffe, ein Ausgangspunkt für noch grössere zukünftige Erfolge.

Dr. Mark A. Eaton
Vorsitzender des European Bird
Census Council (EBCC)