Nisthilfen für Mauersegler

Im Sommer sind die Flugspiele des Mauerseglers in unseren Siedlungen ein vertrauter und dennoch spektakulärer Anblick. Ursprünglich nistete der wendige Flieger in Felsnischen und Baumhöhlen. Als Kulturfolger ist er heute zum Brüten in weiten Teilen Mitteleuropas auf Hohlräume in Mauern, in Dächern und unter Ziegeln angewiesen. Bei Renovationen werden diese jedoch meist beseitigt, und in modernen Bauten entstehen keine neuen. Deshalb ist der Mauersegler mittlerweile eine Prioritätsart für die Artenförderung und benötigt unsere Hilfe.

Wie kann ich selber Mauersegler fördern?

Idealerweise sind im Dachbereich bereits bruttaugliche Nischen, Spalten und Löcher vorhanden. Der Dachinnenraum darf aber nicht zugänglich sein, da sich die Mauersegler sonst darin verirren können. Als Ersatz können wir den Mauerseglern Nistkästen anbieten. Ungeeignet sind jedoch Gebäude mit Glasfassaden, da an diesen wegen Durchsicht- oder Spiegeleffekten immer wieder Vögel verunfallen, ebenso Gebäude mit spiegelnden Metallfassaden. Wenn Sie bezüglich Platzierung der Nistkästen unsicher sind, schicken Sie uns ein paar Bilder von Ihrem Gebäude – wir beraten Sie gerne.

Wichtige Hinweise zum Anbringen von Nistkästen

  • Mauersegler fliegen die Eingänge ihrer Nistplätze direkt und meist in hohem Tempo an. Sie lassen sich beim Abflug gern etwas fallen, bevor sie wieder an Höhe gewinnen. Deshalb muss unter den Einfluglöchern ein Luftraum von mind. 3 m, möglichst aber mehr, frei von Hindernissen sein.
  • Mauersegler brüten gerne in Kolonien. Hängen Sie deshalb Nistkästen möglichst in der Nähe bestehender Kolonien auf und montieren Sie mindestens 2–3 Nistkästen nebeneinander. Mauersegler sind sehr standorttreu und besuchen ihre Brutplätze Jahr für Jahr wieder.
  • Die Besiedlung neuer Kolonien erfolgt in der Regel über junge Vögel ohne festen Brutplatz. Wie man diese mit arteigenen Kontaktrufen zu den Nisthilfen locken kann, ist im Merkblatt «Mauersegler anlocken» beschrieben. Trotz Lockrufen und besten Voraussetzungen kann es aber Jahre dauern, bis sie die neuen Nistkästen annehmen.
  • Die Ausrichtung des Nistkastens ist nicht entscheidend. Wichtig ist dagegen der Schutz vor Regen und direkter Besonnung. Bei grosser Hitze suchen Nestlinge nämlich nach dem kühlsten Platz im Nistkasten, stürzen dann oft durch das Einflugloch ab und gehen zugrunde, wenn man sie nicht in eine Pflegestation bringt. Das vorzeitige Verlassen des Nests lässt sich meist verhindern, wenn man das Einflugloch mind. 3 cm oberhalb des Nistkastenbodens anbringt.

Der richtige Nistkasten

Bild 1: Mindestinnenmasse für Mauerseglernistkästen. Das Einflugloch kann entweder auf der langen oder der kurzen Seite angebracht werden. Je nach Modell müssen einige Zentimeter Vordach hinzugerechnet werden (mit freundlicher Genehmigung von I. Scholl).
Bild 1: Mindestinnenmasse für Mauerseglernistkästen. Das Einflugloch kann entweder auf der langen oder der kurzen Seite angebracht werden. Je nach Modell müssen einige Zentimeter Vordach hinzugerechnet werden (mit freundlicher Genehmigung von I. Scholl).
Die kürzere Seite darf nicht weniger als 15 cm breit sein, da sonst die Vögel beim Wenden im Nistkasten ihre langen Flügel beschädigen. Wir empfehlen folgende Mindestinnenmasse für einen Mauersegler-Nistkasten: 15 cm Breite, 28 cm Länge und 12 cm Höhe (siehe Anleitung unten). Die Holzbrettchen sollten zwischen 1,5 und 2 cm dick sein. Die rechteckige Einflugöffnung ist 3 cm hoch und 6 cm breit, wobei die Ecken stark abgerundet sind (siehe Bild 1). Alle Kanten und Ecken der Einflugöffnung sollten abgeschliffen sein, damit sich die Segler beim Ein- und Ausfliegen weder verletzen noch das Gefieder abwetzen. Befindet sich das Einflugloch auf der längeren Nistkastenseite, sollte es gegen eine Ecke hin positioniert sein (siehe Bild 1), damit die Segler das Nest im dunkelsten Teil des Kastens errichten können. Obwohl der Mauersegler ein Koloniebrüter ist, braucht jedes Nest einen eigenen, von den anderen Nestern abgetrennten Zugang. Ein Standardnistkasten ist bei der Schweizerischen Vogelwarte erhältlich.

Der untere Rand der Einflugöffnung und der Boden des Nistkastens sollten rau und griffig sein, damit sich die Segler gut daran festhalten und leichter fortbewegen können. Geeignet sind z.B. ungehobeltes Holz, Dachpappe oder Korkmatten. Verzichten Sie dagegen im Nistkastenbereich auf faserige oder mit Chemikalien (Imprägniersprays, Farben) behandelte Materialien!

Mauersegler sammeln ihr Nistmaterial ausschliesslich im Flug. Ihr Nest besteht deshalb aus Federchen, Haaren, Papierfetzen oder Grashalmen, die sie mit Speichel zu einem einfachen Nestkranz zusammenkleben. Damit die Vögel bald mit der Eiablage beginnen können, bieten wir ihnen im Nistkasten ein vorgefertigtes Nest an oder legen eine Handvoll sehr klein geschnittenes, feines Heu hinein.

Wo werden Nistkästen platziert?

Bild 2: Typischer Mauersegler-Nistkasten mit Schliessvorrichtung. Das Einflugloch kann auf der langen (siehe Foto) oder alternativ auch auf der kurzen Seite angebracht werden.
Bild 2: Typischer Mauersegler-Nistkasten mit Schliessvorrichtung. Das Einflugloch kann auf der langen (siehe Foto) oder alternativ auch auf der kurzen Seite angebracht werden. (Foto © Hans Schmid)
Die geeignetsten Plätze befinden sich unter Vordächern oder anderen Vorsprüngen (siehe Bilder 2–4). Hier sind die Nistkästen vor der prallen Mittags- und Nachmittagssonne und vor Regen geschützt, und auch Fressfeinde erreichen dort die Segler nicht allzu leicht. Standardnistkästen benötigen horizontale Montageflächen. Weist das Dach eine deutliche Schräge auf, müssen Sie den Nistkasten anpassen (siehe Bild 4) oder die Schräge mittels unterschiedlich langer Schrauben ausgleichen. Die Installation auf Flachdächern ohne Vordach ist zwar möglich, der Aufwand ist jedoch bedeutend grösser und bedarf der Montage von Spezialkonstruktionen.
Bild 3: Mauersegler nehmen auch andere Nistkastentypen an, wobei mehrere Nistkästen direkt nebeneinander kein Problem sind. Dank dem mit Scharnieren montierten, hochklappbaren und mit Magneten versehenen Brettchen lassen sich die Kästen über den Winter mit einer Teleskopstange auf einfache Weise verschliessen.
Bild 3: Mauersegler nehmen auch andere Nistkastentypen an, wobei mehrere Nistkästen direkt nebeneinander kein Problem sind. Dank dem mit Scharnieren montierten, hochklappbaren und mit Magneten versehenen Brettchen lassen sich die Kästen über den Winter mit einer Teleskopstange auf einfache Weise verschliessen. (Foto © Hans Schmid)
Falls Sie dennoch Seglernistkästen auf Flachdächern installieren wollen, helfen wir bei der Vermittlung von Adressen von Fachpersonen.

Nistkastenreinigung

Wie alle anderen Vögel haben auch Mauersegler Parasiten. Diese halten sich fast ausschliesslich im Gefieder der Segler,
in den Nestern oder in deren unmittelbarer Umgebung auf. Sie sind für den Menschen ungefährlich. Wir empfehlen, gut zugängliche und stark von Parasiten befallene Nistkästen alle 3–5 Jahre mit umweltverträglichen Mitteln zu reinigen, denn dies kann sich positiv auf den zukünftigen Bruterfolg auswirken. Anders als bei der Reinigung eines üblichen 

Bild 4: Auch an der Dachschräge lassen sich Seglernistkästen installieren.
Bild 4: Auch an der Dachschräge lassen sich Seglernistkästen installieren. (Foto © Alain Georgy)
Nistkastens belassen wir Seglernester unbedingt drin!

 

Stare und Sperlinge im Nistkasten

Stare und Haussperlinge interessieren sich ebenfalls für Seglernistkästen und nehmen diese gerne an. Da es lange dauern kann, bis Segler einen neuen Brutplatz besetzen, kann man in der Zwischenzeit diese Arten brüten lassen. Mauersegler sind in der Lage, beide Arten aus Nistkästen zu vertreiben. Im Gegensatz zu den anderen Arten können Stare eine Fassade stark verschmutzen. Möchte man sie fernhalten, kann man den Bereich hinter dem Schlupfloch als mindestens 10 cm langen und etwa 3,3 cm hohen Gang gestalten (Bild 5). Mit einer Schliessvorrichtung (siehe Bilder 2–3) am Nistkasten können Sie auch Sperlingen den Zugang verwehren. Diese wird nach dem Ausfliegen der jungen Segler Mitte August geschlossen und erst etwa am 20. April, bei der Rückkehr der ersten Segler, wieder geöffnet. Eine Schliessvorrichtung darf keinesfalls so konstruiert sein, dass sie während der Anwesenheit der Segler unkontrolliert zuklappen kann.

Bild 5
Bild 5

 

 

 

Bild 5: Mauerseglernistkasten mit Starensicherung im Grundriss (links) und in Seitenansicht (rechts). Der Gang sollte 10 cm lang und etwa 3,3 cm hoch sein. Die Starensicherung braucht etwas Platz, deshalb müssen die Masse vergrössert werden. Damit die Segler einfacher vom Nistkastenboden zum Einflugloch gelangen, sollte der Boden in der Schräge etwas aufgeraut sein (mit freundlicher Genehmigung von I. Scholl).

Informationen und Einverständnis von Drittpersonen

Wer an einem Gebäude Nisthilfen für Mauersegler montieren möchte, sollte vorher das Einverständnis des Eigentümers/Verwalters/Hauswarts und der betroffenen Nachbarn einholen. Erwähnen Sie, dass die abendlichen Flugspiele junger Segler von lauten Rufen begleitet sind, sich die Vögel nachts aber ruhig verhalten. Kotspuren sorgen bei Mauerseglern nur selten für Konflikte. Mauersegler beschädigen die Bausubstanz nicht und tragen nur sehr wenig Nestmaterial ein. Hingegen verschaffen uns die rasanten Flugkünstler einen spektakulären Zugang zur Natur und sensibilisieren für die Biodiversität im Siedlungsraum.

Was tun bei Arbeiten im Bereich von Mauerseglerkolonien?

Bruten geschützter Vogelarten zu stören, ist verboten. Alle Arbeiten im Störungsbereich einer Mauerseglerkolonie sollten deshalb nur in Abwesenheit der Vögel erfolgen, also zwischen Mitte August und dem 20. April. Wenn Sie unsicher sind, ob geplante Arbeiten die Vögel stören könnten, melden Sie sich rechtzeitig bei der Vogelwarte oder bei BirdLife Schweiz. Wir werden Ihnen nach Möglichkeit Fachpersonen in Ihrer Umgebung nennen, welche die Situation vor Ort beurteilen und vogelfreundliche Lösungen vorschlagen können.

Ist abzusehen, dass Seglerbrutplätze durch Umbau- oder Abbrucharbeiten eines Gebäudes tangiert werden, sollten Sie die Zugänge zu den Nestern schon vor dem Eintreffen der Segler im April verschliessen. Idealerweise bieten Sie bereits mindestens im Vorjahr in der nahen Umgebung Ersatznistkästen an und spielen dort Lockrufe ab. So erhöhen Sie die Chancen einer Umsiedlung. Die Ersatznistkästen sollten sich auf der dem Bauobjekt zugewandten Gebäudeseite und ungefähr in gleicher Höhe wie die gefährdeten Brutplätze befinden. Zusammenfassend ist der Aufwand für die Erhaltung von Seglerkolonien deutlich höher, wenn die Umbauten und Renovationen während der Brutzeit ausgeführt werden. Mit einer vorausschauenden Planung lässt sich dies vermeiden. Auch in solchen Fällen lohnt es sich, einen Seglerspezialisten beizuziehen.

Literaturhinweis

Scholl, I. (2016). Nistplätze für Mauer- und Alpensegler – Praktische Informationen rund um Baufragen. Uster.

Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

© Schweizerische Vogelwarte & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich, 2019
Autor: L. Rey
Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

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Merkblatt

Nisthilfen für Mauersegler

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Mauersegler anlocken