Das Braunkehlchen im Unterengadin: Bestandsentwicklung und erforderliche Massnahmen zur Artenförderung
Résumé
Das Braunkehlchen ist als Brutvogel in der Schweiz stark zurückgegangen. Nach dem Schweizer Mittelland hat diese Entwicklung auch die montane und subalpine Höhenstufe erreicht. Auch im Unterengadin, das eine der grössten Populationen des Braunkehlchens in der Schweiz beherbergt, ist in den letzten Jahren eine deutliche Abnahme zu verzeichnen.
Von 2003 bis 2018 hat der Braunkehlchenbestand in 76 Gebieten im Unterengadin um 24 % abgenommen. Die sechs Gebiete, in denen die von der Schweizerischen Vogelwarte empfohlenen Fördermassnahmen umgesetzt wurden, gehören zu den acht Gebieten mit zunehmenden Beständen. In neun Gebieten, die 2003 noch von Braunkehlchen besiedelt wurden, brüteten 2018 hingegen keine Braunkehlchen mehr.
Alle 76 Gebiete (1619 ha Fläche) wurden hinsichtlich der Braunkehlchenförderung beurteilt und auf Basis der erforderlichen Fördermassnahmen in sieben Fördergruppen eingeteilt und anhand ihres Potenzials priorisiert. Es wurden Gebiete identifiziert, in welchen der im Unterengadin bestehende Nesterschutz verstärkt und konzentriert werden soll. Sechs der sieben Fördergruppen (57 Gebiete, 1485 ha) eignen sich gut für verstärkte Bemühungen in der Artenförderung. Die Details und Einzelheiten der vorliegenden Massnahmenvorschläge müssen in Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren ausgearbeitet werden. Die Gebiete der siebten Fördergruppe (19 Gebiete, 134 ha) können nur mit hohem Aufwand aufgewertet werden.
Die Auswirkungen der notwendigen und räumlich fokussierten Massnahmen zum Schutz und zur Förderung der Braunkehlchenbestände im Unterengadin wurden räumlich visualisiert. Zwei Szenarien (Szenario 1: keine zusätzlichen Fördermassnahmen; Szenario 2: Verstärkung der Fördermassnahmen) zeigen den potenziellen Zustand des Braunkehlchenbestands im Unterengadin in 15 Jahren auf.
Die erforderlichen Massnahmen (Extensivierung der Bewirtschaftung, Verbesserung der Lebensraumqualität, Erhöhung der Vernetzung) sind für das Unterengadin räumlich explizit formuliert. Ein Massnahmenplan soll nun in Zusammenarbeit mit den regionalen und lokalen Akteuren entwickelt und umgesetzt werden. Analoge Förderkonzepte sollen in einem zweiten Schritt möglichst für alle für Wiesenbrüter bedeutenden Gebiete des Kantons Graubünden entwickelt werden. Dafür arbeitet die Schweizerische Vogelwarte gerne beratend und als Partnerin mit.
Collaboratrices et collaborateurs