Die Waldschnepfe (Scolopax rusticola) in der Schweiz – Synthese 2014
Résumé
Basierend auf den Daten in den Datenbanken der Schweizerischen Vogelwarte sowie auf der wissenschaftlichen Literatur wird die Situation der Waldschnepfe in der Schweiz (Verbreitung, Bestände, Habitatansprüche, Rückgangsursachen) umfassend beurteilt, und es werden offene Fragen präsentiert, die für den Schutz der Waldschnepfe beantwortet werden sollten.
Von der Waldschnepfe liegen wegen der sehr heimlichen Lebensweise dieser Art fast nur Beobachtungen balzender Männchen vor. Brutnachweise sind extrem selten. Das Verbreitungsgebiet der Waldschnepfe in der Schweiz ist in den letzten vierzig Jahren deutlich kleiner geworden. Aus dem Mittelland und aus dem östlichen Jura ist die Art verschwunden, und für den zentralen Jura gibt es Hinweise auf abnehmende Bestände. Heute ist die Waldschnepfe als Brutvogelart noch im westlichen Jura und entlang des Alpennordrandes verbreitet. Im östlichen Jura und im Mittelland fehlt sie, und in den Zentral- und den Südalpen ist sie nur zerstreut verbreitet. Allerdings ist die Datenlage in den Zentral- und Südalpen nicht gut genug, um die Verbreitung abschliessend zu beurteilen.
Über die Rückgangsursachen herrscht weitgehend Unklarheit. Mögliche Ursachen sind Negative Veränderungen der Wälder (Verdichtung durch Holzvorratszunahme und Bodenentwässerungen), Störung brütender und führender Weibchen durch Menschen, Prädation durch natürliche Feinde, additive Mortalität durch die Jagd sowie Abnahme der verfügbaren Nahrung (Regenwürmer) wegen Bodenversauerung durch Säureeinträge aus der Luft.
Die wichtigsten offenen Fragen sind a) die tatsächliche Verbreitung der Waldschnepfe in den Zentral- und Südalpen, b) die kleinräumigen Habitatansprüche brütender und führender Weibchen, c) grossräumige und langfristige Waldveränderungen (Waldstruktur, Bodenverhältnisse), die mit der Entwicklung der Verbreitung der Waldschnepfe räumlich korrelieren und d) die Frage, ob sich unter den in der Schweiz erlegten Schnepfen wirklich nur nordosteuropäische Vögel auf dem Zug oder nicht eben doch auch einheimische Vögel befinden.
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