Förderung der Kulturlandvögel im Val Müstair: Grundlagen und Handlungsvorschlag zuhanden der Biosfera Val Müstair
Résumé
Im Frühjahr 2020 wurde im Auftrag des Regionalen Naturparks Val Müstair und in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach im Val Müstair das Vorkommen von zehn typischen Vogelarten der Kulturlandschaft untersucht. Insgesamt kartierten freiwillige Ornithologinnen und Ornithologen in einem Areal von 10,6 km2 267 Reviere von Kulturlandvögeln, davon 131 Reviere von Wiesenbrütern. Es zeigte sich, dass der Baumpieper mit 78 Revieren im Tal weit verbreitet und der häufigste Kulturlandvogel ist. Vom Braunkehlchen wurden 42 Reviere kartiert, welche sich über den Talboden vielfach im Bereich von spät gemähten Wiesen verteilen. Seit der letzten Zählung im Jahr 2006 ist beim Baumpieper eine Zunahme von 14 Revieren zu verzeichnen, beim Braunkehlchen ist die Anzahl der Reviere etwa stabil geblieben, es fällt aber eine Arealverschiebung in höhere Lagen auf. Der Bestand der Feldlerche ist seit der letzten Untersuchung vor 14 Jahren um 65 % von 24 auf 8 Paare gesunken. Die verbleibenden Reviere konzentrieren sich auf die verstreut liegenden Ackerflächen im Talboden.
Die heckenbrütenden Vögel verteilen sich über den ganzen Talboden. Dichte Bestände kommen in den südexponierten Hanglagen vor, wo sich offene Landschaften durchsetzt mit Strukturen wie Hecken und Feldgehölzen befinden. Am meisten Reviere konnten bei der Goldammer (55 Reviere) und beim Neuntöter (49 Reviere) nachgewiesen werden. Die Gartengrasmücke (19 Reviere) findet ihren Lebensraum vor allem am Verlauf des Rombachs.
Insgesamt lebt in der Kulturlandschaft des Val Müstair noch eine reichhaltige Vogelwelt. Damit diese Vielfalt bestehen bleibt, muss ein Netz von spät gemähten Wiesen, Hecken und vielfältigen Kleinstrukturen erhalten bleiben und gefördert werden. Zuhanden der Verantwortlichen der Biosfera Val Müstair wurden gebietsbezogene Massnahmenvorschläge ausgearbeitet.
Collaboratrices et collaborateurs