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Steinkauz-Landschaften der Schweiz: Veränderungen seit den 1950er Jahren

Segmüller, Barbara
Langue
ger
Année de publication
2014


Résumé

Der Steinkauz, Athene noctua, ist ein Bewohner der Kulturlandschaft, welcher sich nördlich der Alpen bevorzugt in Streuobstwiesen aufhält. Bis in die 1950er Jahre war der Steinkauz im ganzen Mittelland, Jura, Tessin und Rhonetal weit verbreitet. Durch den Wandel der Landschaft verschwand sein Lebensraum im Schweizer Mittelland immer mehr. Heute beschränken sich die grösseren Steinkauzvorkommen auf Grenzgebiete.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wurde die Veränderung seit den 1950er Jahren von fünf historischen Steinkauzgebieten (Ajoie JU, Greifensee ZH, Gürbetal BE, Seeland BE/FR und Wauwilermoos LU) dokumentiert und quantifiziert. Anhand von historischen Luftbildern wurde die Veränderung der Landnutzung mit dem Softwareprogramm ArcMap GIS erfasst. Bei allen Gebieten zeigte sich seit den 1950er Jahren eine deutliche Zunahme der Siedlungsfläche (344%) und eine Abnahme der Obstwiesen (81%). Seit den 1990er Jahren ist bei allen Gebieten der Anteil Siedlungsfläche grösser als der Obstwiesenanteil. Die Feldgehölze haben leicht zugenommen (70%) und die Waldfläche hat sich kaum verändert.

Trotzdem weisen die fünf untersuchten Gebiete sehr unterschiedliche Landschaften auf. Dies zeigt, dass der Steinkauz schon früher sehr verschiedene Agrarlandschaften bewohnte. Betrachtet man nur die Landnutzung um die historischen Brutplätze, zeigen sich dieselben Trends wie über die ganzen Gebiete. Jedoch waren dort in den 1950er Jahren die Anteile Wald um 82% und die der Siedlungsfläche um 13% kleiner als in den ganzen Regionen. Dementsprechend war lokal der Anteil Grün- und Ackerland um 8% und die Obstwiesen/Feldgehölze um 12% grösser als regional.

Die Brutplatzumgebungen der 1950er Jahre lassen sich in Ackerlandbruten, mit wenig Siedlung (< 1%) und Obstwiesen (< 3%), und Obstwiesenbruten, mit durchschnittlich 6% Siedlung und 21% Obstwiesenfläche einteilen. Brutplätze, die in den 1950er Jahren in Obstwiesen lagen, befinden sich heute zu 66% in Siedlungen oder auf Grün-/Ackerland. Allgemein kann gesagt werden, dass Ackerlandbruten weniger stark vom Landschaftswandel betroffen sind als Obstwiesenbrutplätze. Die Resultate zeigen auch, dass Obstwiesen vom Steinkauz bevorzugt werden, sie aber nicht zwingend sind für dessen Vorkommen. Auch andere Landnutzungsklassen können dem Steinkauz die Ressourcen bieten, die er in den Obstwiesen beansprucht.

Das Verlassen der Gebiete durch den Steinkauz kann in Beziehung gebracht werden mit der Stärke der Landschaftsveränderung. Gebiete mit stärkeren Veränderungen wurden zu einem früheren Zeitpunkt verlassen, als solche mit einem langsamer fortschreitenden Landschaftswandel. Es könnte sein, dass bei den Landschaften mit einer stärkeren Veränderung auf Landschaftsebene auch ein grösserer Wandel im Ressourcenangebot für den Steinkauz stattgefunden hat. In den 1950 bis 70er Jahren hat sich die Landschaft am stärksten verändert. Dies liegt vor allem an der Nutzungsänderung von Obstwiesen auf Grün- und Ackerland, welche zu dieser Zeit staatlich unterstützt war.

Für die Förderung des Steinkauzes sollte der Fokus auf die Qualität der Landnutzungskategorien gerichtet werden und weniger auf deren Verteilung. Charakteristische Steinkauzlandschaften sind offene, schneearme Talgebiete, die zu einem grossen Anteil aus Landwirtschaftsfläche bestehen. Innerhalb dieser Gebiete sollte für das Verbessern des Ressourcenangebotes, auf Flächen in einiger Entfernung von Wald und Siedlungen fokussiert werden. Die meisten historischen Brutplätze befanden sich auch in den 1950er Jahren an solchen Orten.

Keywords: Steinkauz, Athene noctua, Landschaftswandel, Habitatverlust, Siedlungsdruck, Rückgang der Obstwiesen

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