Ziehende Sanderlinge Calidris alba auf dem Col de Bretolet (Kanton Wallis)
Riepilogo
On the afternoon of 14 September 2011 two juvenile Sanderlings Calidris alba were caught and ringed at the bird ringing station of the Swiss Ornithological Institute on Col de Bretolet, southwestern Switzerland, 1920 m a.s.l. They were part of a flock of 40 individuals flying from east to west across the pass. This is the largest flock reported for the country. Sanderlings are rarely recorded in the Alps, and this is the first record of this species for the station and one of the highest for Switzerland. Both birds showed a mixture of moulted and unmoulted body feathers but growing feathers could not be detected. This is possibly indicative of a suspended moult during migration. One Sanderling was recaptured on the east coast of England near Snettisham, Norfolk, in 2012. Observations at stopover sites within the Alps show that waders regularly enter the alpine arc during migration. However, records of migrating waders within the Alps are mainly restricted to nocturnal observations, such as by radar, calling birds, or irregular captures at ringing stations. The Sanderling record from Col de Bretolet is a possible indication that migrating waders also cross the Alps during daytime. We present detailed information on the Sanderlings captured and discuss potential causes that led to the occurrence of the birds on Col de Bretolet.
Am Nachmittag des 14. September 2011 wurden auf der Beringungsstation der Schweizerischen Vogelwarte auf dem Col de Bretolet (Kanton Wallis) auf 1920 m ü.M. zwei juvenile Sanderlinge Calidris alba gefangen und beringt. Die beiden Sanderlinge waren Teil eines von Ost nach West über den Pass fliegenden Trupps bestehend aus 40 Individuen, was eine neue Höchstzahl für diese Art in der Schweiz darstellt. Es handelt sich um den ersten Nachweis dieser nur selten im inneralpinen Raum festgestellten Art für die Station und um einen der höchsten Nachweise für die Schweiz. Das Kleingefieder beider Vögel bestand aus einer Mischung aus vermauserten und unvermauserten Federn, gleichzeitig konnten keine wachsenden Federn festgestellt werden. Dies weist möglicherweise auf einen Mauserunterbrechung während des Zuges hin. Einer der beiden Sanderlinge wurde im darauffolgenden Sommer an der ostenglischen Küste bei Snettisham, Norfolk, kontrolliert. Beobachtungen von Limikolen an inneralpinen Rastplätzen zeigen, dass Watvögel auf dem Zug regelmässig in die Alpen vordringen. Nachweise ziehender Watvögel im Alpenraum beschränken sich aber mehrheitlich auf nächtliche Radar- und Hörbeobachtungen sowie auf gelegentliche Fänge auf Beringungsstationen. Der Sanderlingnachweis vom Col de Bretolet ist ein möglicher Hinweise darauf, dass Watvögel die Alpen auch tagsüber überqueren. Wir präsentieren detaillierte Angaben zu den beiden Fänglingen und diskutieren mögliche Faktoren, die zum Auftreten auf dem Col de Bretolet geführt haben könnten.