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Zum Einfluss von nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Vögel: rechtliche Situation, wissenschaftlicher Stand und Empfehlungen für den Vogelschutz

Bächler, Erich
Rivista
Ornithol. Beob. (Ornithologischer Beobachter)
Lingua
ger
Anno di pubblicazione
2025

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Riepilogo

Auf kurze Distanz kann nicht-ionisierende Strahlung (NIS) das Körpergewebe von Vögeln, insbesondere von Embryonen und Nestlingen, erwärmen und dadurch schädigen. Dieser thermische Effekt von NIS ist wissenschaftlich unbestritten, und Vögel müssen gemäss der geltenden Gesetzgebung davor geschützt werden. Aufgrund der räumlichen Nähe ist vor allem der Einbau von Funkanlagen in Gebäude, die von Vögeln als Niststandorte genutzt werden, heikel.

Ebenfalls wissenschaftlich klar nachgewiesen ist die Beeinflussung des Magnetkompasses der Vögel durch niedrig dosierte elektromagnetische Strahlung im Bereich bis etwa 100 MHz. Wie stark das Orientierungsvermögen von Zugvögeln durch solche Störquellen insgesamt beeinträchtigt wird, kann nicht abschliessend beurteilt werden; einerseits weiss man nicht, wie weit Störquellen verbreitet sind und auf welche Distanz sie wirken, andererseits können Vögel neben dem Magnetkompass auch andere Orientierungssysteme nutzen.
Unter kontrollierten Laborbedingungen konnte nahezu konsistent nachgewiesen werden, dass sowohl hochfrequente Strahlung wie auch niederfrequente magnetische Felder selbst im Niedrigdosisbereich den oxidativen Stress in den Körperzellen erhöht. Ebenfalls eindeutig ist die Beweislage zum Einfluss von niederfrequenten Magnetfeldern auf die Bildung von Stresshormonen und -proteinen oder den Melatoninhaushalt von Vögeln. Bei bestimmten Genotypen traten auch mehr embryonale Missbildungen auf und die Embryonalsterblichkeit war erhöht. Für hochfrequente elektromagnetische Strahlung sind diese Effekte etwas weniger klar.

Ob und in welchem Ausmass diese im Labor gefundenen nicht-thermischen Effekte von NIS die Vögel auch unter natürlichen Lebensbedingungen beeinträchtigen, ist schwierig zu beurteilen. Einerseits können Organismen negative Auswirkungen von NIS wie etwa oxidativen Stress mit Abwehrmechanismen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, wobei diese Fähigkeit bei jungen, älteren oder geschwächten Individuen allerdings eingeschränkt ist. Andererseits haben Schädigungen wie embryonale Missbildungen oft multifaktorielle Ursachen, etwa eine Kombination von genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren, wobei die Einwirkung von NIS einer unter vielen sein kann. Hier bestehen erhebliche Wissenslücken, die durch Forschung geschlossen werden sollten.

Für weitere nicht-thermische Wirkungen von NIS wie etwa die Auslösung von Vermeidungsverhalten beziehungsweise die Beeinflussung von Populationsdichten gibt es aktuell keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz. Auch bei einzelnen Fällen von massenhaft verstorbenen Vögeln konnte bisher kein Hinweis auf die Einwirkung von NIS gefunden werden.
Flora und Fauna und somit auch die Vögel müssen aufgrund der geltenden Umweltgesetzgebung vor den negativen Auswirkungen von NIS geschützt werden. Da für Flora und Fauna aber keine entsprechenden Ausführungsbestimmungen erlassen wurden, wird deren Schutz nur äusserst lückenhaft vollzogen. Für eine systematische Umsetzung des gesetzlich verankerten Schutzes der Vögel vor NIS ist die Formulierung von allgemeingültigen Regeln und Grenzwerten daher unabdingbar. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach empfiehlt, die Bestimmungen der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) auch auf die Vögel anzuwenden und insbesondere für Brutstandorte das Vorsorgeprinzip zu berücksichtigen.

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