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Raumnutzung und Abwanderung junger Steinkäuze im Schweizer Seeland: Projektstand Ende 2025

Kandasamy, Rasmitha; Tschumi, Matthias; Mosimann, Paul; Siebenthal, Nathalie von; Grüebler, Martin U.
Lingua
ger
Anno di pubblicazione
2026

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Riepilogo

Der Steinkauz (Athene noctua) ist laut roter Liste in der Schweiz stark gefährdet, und seine Restvorkommen beschränken sich vorwiegend auf grenznahe Gebiete. Eine Ausnahme bildet die Kleinstpopulation im Berner und Freiburger Seeland. 2003 wurde dort ein Rufer festgestellt, 2005 wurde die Population durch das erste Brutpaar «gegründet». Diese Population stand zwischen 2015 und 2025 im Fokus eines Forschungsprojekts der Schweizerischen Vogelwarte. Mit Hilfe eines gross angelegten Nistkastenparks sowie systematischer Brutüberwachung, Beringung und Besenderung von Jungvögeln wurde die Population untersucht. Der vorliegende Bericht beschreibt die Populationsentwicklung, die Nutzung von Habitat und Nistkästen sowie Produktivität, Überleben und Abwanderung in der Kleinstpopulation. Die daraus gewonnenen Ergebnisse werden mit den Daten der 2009–2012 intensiv untersuchten, stabilen Population in Ludwigsburg (Baden-Württemberg, Deutschland) verglichen, um Hinweise auf limitierende Faktoren und die Wirksamkeit von Fördermassnahmen zu gewinnen.
Seit der Wiederbesiedlung blieb die Population im Seeland klein und unterlag jährlichen Schwankungen. Nach einem leichten Wachstum erreichte sie 2021 vier Brutpaare und sechs besetzte Reviere, brach jedoch in den darauffolgenden Jahren wieder zusammen. Ein erhofftes deutliches Wachstum der Brutpopulation blieb aus. Zwischen 2005 und 2024 gab es insgesamt 38 Bruten. Es wurden 93 Nestlinge beringt und ab 2017 insgesamt 40 Jungvögel besendert. Während die Produktivität pro Brutpaar jener der dichteregulierten, zunehmenden Vergleichspopulation entsprach, war die Produktivität pro besetztes Revier deutlich geringer. Insgesamt wurden 37 der 284 Nistkästen (13 %) und rund 39 % der Fläche des Nistkastenparks genutzt, doch blieb die tatsächliche Besetzungsrate tief (ca. 6 %). Die erfolgreichen Bruten beschränkten sich auf vier Reviere. Die Brutpaare bestanden aus wenigen langlebigen Weibchen, die über mehrere Jahre am selben Ort mit wechselnden jungen Männchen brüteten.
Die Jungkäuze bevorzugten vor der Abwanderung Wiesen und Obstgärten und mieden Ackerland. Nach dem Verlassen des elterlichen Reviers wurde Ackerland verstärkt genutzt, während Wälder gemieden wurden. Das Habitatangebot um die Nistkästen im Seeland war weniger strukturreich und wurde intensiver bewirtschaftet als in der deutschen Vergleichspopulation. Die Umgebung der tatsächlich genutzten Nistkästen im Seeland wies mehr geschützte Tageseinstände auf als die Umgebung ungenutzter Nistkästen. Die jährlichen lokalen Überlebensraten von Jungvögeln (Ф = 0,23) und Altvögeln (Ф = 0,63) entsprachen weitgehend jener der Vergleichspopulation. Wie dort war Prädation durch Greifvögel und Säugetiere mit 80 % der Todesfälle auch im Seeland die häufigste Todesursache.
Die Ergebnisse dieses Berichtes helfen, die Gründe für die bisher ausbleibende Etablierung des Steinkauzbestandes im Seeland zu verstehen. Sie deuten auf einen ausgeprägten Allee-Effekt hin, der durch mangelnde Zuwanderung und eine suboptimale Habitatqualität verstärkt wurde. Obwohl die Reproduktionsrate der Bruten sowie das Überleben von Jung- und Altvögeln nicht geringer waren als in anderen Populationen, führten die geringe Zahl jährlich überlebender Jungvögel und ein unausgeglichenes Geschlechterverhältnis vermehrt zu von Männchen besetzten Revieren ohne Bruten. Neue Brutpaare in zusätzlichen Revieren konnten sich daher nur selten bilden. Nach dem Tod der zwei langlebigen, produktiven Weibchen brach die zuvor leicht gewachsene Population wieder zusammen. Aufgrund der ausgeprägten Isolation konnten fehlende Weibchen bisher nicht durch Zuwanderung ersetzt werden.
Trotz des Brutausfalls im Jahr 2025 bestehen weiterhin Reviere, die wohl vorwiegend von Männchen besetzt sind. Die Förderbemühungen sollten daher fortgeführt werden. Mit dem erhofften möglichen Einwandern neuer Weibchen könnte sich erneut eine Brutpopulation etablieren. Zudem können gute Brutjahre und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis durchaus auch zu einer Populationszunahme führen. Zukünftig kann die Seeländer Population durch gezielte Verbesserung der Habitatqualität in potenziellen Revieren und durch eine bessere Vernetzung mit anderen Steinkauzpopulationen gefördert werden. Der Erhalt des Nistkastenparks in ähnlichem Umfang ist dafür Voraussetzung. Langfristig bedarf es jedoch eines grossräumigen Schutz- und Vernetzungskonzepts, das Aufwertungen in und zwischen bestehenden Populationen koordiniert und alle relevanten Akteure einbindet.

Collaboratori

Progetti

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