Lagebeurteilung
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    Rote Liste und prioritäre Arten

    Wie geht es den Vögeln in der Schweiz? Um diese Frage beantworten zu können, müssen die Ergebnisse der verschiedenen Überwachungsprojekte interpretiert werden. Eine periodische Lagebeurteilung ist eine wichtige Grundlage für den Naturschutz auf nationaler und internationaler Ebene. Sie ermittelt jene Arten, die besondere Naturschutzmassnahmen nötig haben, und dient der Erfolgskontrolle solcher Massnahmen.

    Ziele

    • Ermittlung der gefährdeten Arten (Rote Liste)
    • Ermittlung der national prioritären Arten
    • Ermittlung der Prioritätsarten Artenförderung
    • Bereitstellung der Grundlagen für die Öffentlichkeit, für Behörden, Schutzorganisationen etc.

    Vorgehen

    Die Beurteilung erfolgt nach international (z.B. Rote Liste nach Vorgaben der IUCN) oder national festgelegten Methoden. Die Ergebnisse werden in Fachpublikationen aufgearbeitet und über verschiedene Kanäle der breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Alle fünf Jahre wird eine Zwischenbilanz gezogen, alle zehn Jahre eine Neubeurteilung vorgenommen und die Roten Liste, die Liste der Verantwortungsarten und die Liste der Prioritätsarten für Artenförderungsprogramme revidiert.

    Ergebnisse

    Rote Liste

    Die Roten Listen der gefährdeten Arten werden in der Schweiz seit dem Jahr 2000 nach den Kriterien der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) erstellt und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) publiziert. Die Rote Liste Brutvögel wurde 2010 von der Schweizerischen Vogelwarte revidiert. Sie ersetzt die im Jahr 2000 erarbeitete und 2001 publizierte Liste. Die Bilanz zeigt, dass knapp 40 % der Brutvogelarten in der Schweiz gefährdet sind. Weitere 16 % sind potenziell gefährdet. Überdurchschnittlich viele gefährdete Arten sind Bewohner des Kulturlandes und der Feuchtgebiete. Der Vergleich der Listen von 2001 und 2010 zeigt, dass sich die Gefährdungssituation für Brutvögel insgesamt nicht verbessert hat. Die differenziertere Analyse macht deutlich, dass sogar von einer Verschlechterung gesprochen werden muss. Dies rührt daher, dass die meisten der positiven Veränderungen Arten betreffen, deren Bestände immer noch als „ausgedünnt“ zu beurteilen sind, umgekehrt aber bei Arten, die höher eingestuft wurden, die Verschlechterung durch starke Rückgänge bedingt war.

    Die Rote Liste 2010 kann beim BAFU gratis bezogen werden.


    Prioritäre Vogelarten
    Die Roten Listen nach IUCN beurteilen das Aussterberisiko einer Art auf globaler Ebene bzw. das Risiko, dass eine Art aus dem bearbeiteten Gebiet, hier also der Schweiz, verschwindet. Sie sind als alleinige Grundlage nicht geeignet für eine Prioritätensetzung im Naturschutz. Für die Beurteilung, welche Arten für den Naturschutz besonders wichtig sind, müssen insbesondere auch die internationale Verantwortung, aber auch weitere Faktoren wie der Handlungsbedarf, berücksichtigt werden. Gemeinsam mit dem Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz entwickelten wir deshalb ein Konzept zur Bestimmung der für den Naturschutz prioritären Arten (Keller & Bollmann 2001) sowie der Arten, die spezielle Förderungsprogramme benötigen (Bollmann et al. 2002). Im Anschluss an die Revision der Roten Liste wurden 2010 auch diese Listen revidiert.

    Die Liste der national prioritären Arten enthält 118 Arten. Dazu gehören gefährdete Arten und Arten, für welche die Schweiz internationale Verantwortung trägt. Aus internationaler Sicht ist die Schweiz besonders bedeutend für alpine Arten und für überwinternde Wasservögel. 50 Vogelarten sind auf spezielle Artenförderungsmassnahmen angewiesen.

    Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat mit einem auf ähnlichen Überlegungen basierenden Vorgehen national prioritäre Tier- und Pflanzenarten bestimmt. Für die Vögel wurden die bereits bestehenden Prioritätsklassen den Kategorien des BAFU zugeordnet. Liste der national prioritären Arten

    BirdLife International publizierte 2015 die erste europäische Rote Liste gemäss Kriterien der IUCN. Die Vogelwarte stellte dafür die Angaben zu Verbreitung, Bestand und Trend für die Schweiz zusammen. 14 Schweizer Brutvogelarten sind europaweit als gefährdet eingestuft. Europäische Rote Liste

    Liste der Schweizer Brutvogelarten mit nationalen Einstufungen

    Projektleitung

    Verena Keller, Thomas Sattler

    Partner

    Bundesamt für Umwelt BAFU
    Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz

    Publikationen

    Aye, R., V. Keller, W. Müller, R. Spaar & N. Zbinden (2011):
    Révision 2010 de la liste rouge et des espèces prioritaires de Suisse.
    Keller, V., A. Gerber, H. Schmid, B. Volet & N. Zbinden (2010):
    Rote Liste Brutvögel.Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2010. Umweltvollzug Nr. 1019.
    Keller, V., R. Ayé, W. Müller, R. Spaar & N. Zbinden (2010):
    Die prioritären Vogelarten der Schweiz: Revision 2010.
    Keller, V., R. Ayé, W. Müller, R. Spaar & N. Zbinden (2010):
    Die prioritären Vogelarten der Schweiz: Dokumentation zur Revision 2010.
    Keller, V. & K. Bollmann (2004):
    From Red Lists to Species of Conservation Concern.
    Keller, V., N. Zbinden, H. Schmid & B. Volet (2001):
    Rote Liste der gefährdeten Brutvogelarten der Schweiz.