Biologie, Förderung und Schutz von Feldlerchenbeständen in der subalpinen und alpinen Stufe der Schweiz
Abstract
Die Feldlerchenbestände in der Schweiz nehmen stetig ab, und zwar nicht nur im Flachland, sondern auch in höheren Lagen. Im Alpenraum ist die Feldlerche inzwischen aus vielen mittleren Lagen unterhalb von 1500 m ü. M. verschwunden. Gute Bestände sind praktisch nur noch in den höheren subalpinen und tieferen alpinen Lagen zu finden. Vergleiche mit Flachlandbeständen zeigen, dass die Feldlerchenbestände in den Alpen heute zahlenmässig bedeutend sind und der Vogelschutz dementsprechend ein verstärktes Augenmerk auf diese Bestände richten muss. Bestandserhebungen für den neuen Schweizer Brutvogelatlas der Schweizerischen Vogelwarte deuten jedoch auch in diesen Regionen auf eine weitere Ausdünnung der Bestände und Arealverluste hin.
Feldlerchen können im Flachland pro Saison bis zu 3 Bruten erfolgreich aufbringen. Für den Rückgang der Feldlerche wird in erster Linie der ungenügende Bruterfolg verantwortlich gemacht, verursacht durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung. In Grünlandgebieten ist die Zeitspanne zwischen zwei Schnitten oft zu kurz, um Wiesenbrütern wie der Feldlerche ein erfolgreiches Brüten zu ermöglichen. Zudem wächst das Gras dicht auf und macht eine effiziente Nahrungssuche für die Lerchen schwierig. Unbekannt ist, ob die alpinen Feldlerchenbestände tatsächlich über genügend Reproduktionskraft verfügen, um selbsterhaltend zu sein. Über die Bestandsdynamik der Feldlerchenbestände in den Alpen ist nämlich kaum etwas bekannt. Es ist zu erwarten, dass das Brutgeschäft später startet und nur eine, höchstens zwei Jahresbruten möglich sind.
Die subalpinen und alpinen Habitate werden sich im Zuge des Klimawandels verändern, und damit auch die Nutzung der von der Feldlerche besiedelten mageren Wiesen und Alpweiden. Wenig ertragreiche Standorte könnten in Zukunft als erste entweder von einer Nutzungsaufgabe oder aber von einer Nutzungsintensivierung betroffen sein. Die biologischen Grundlagen, um den Einfluss solcher Veränderungen auf die subalpinen und alpinen Feldlerchenbestände zu beurteilen, fehlen derzeit. Mehrere bereits etablierte oder geplante schweizerische Naturparks enthalten hoch gelegene Gebiete, die von Feldlerchen besiedelt sind. Es ist zu vermuten, dass die Parks einen bedeutenden Teil der besten subalpinen und alpinen Feldlerchengebiete abdecken.
Im vorliegenden Projekt sollen Grundlagen zum Schutz der subalpinen und alpinen Feldlerchenbestände erarbeitet werden: Fragen zur Habitatnutzung, zur Brutbiologie und zu den Faktoren, welche den Bruterfolg bestimmen, stehen im Zentrum. Die Resultate dieser Untersuchung beeinflussen das Artenförderprogramm für die Feldlerche, weil damit aufgezeigt werden kann, wo und wie feldlerchenspezifische Schutzmassnahmen im Alpenraum durchzuführen sind.
Dank dieser Grundlagen kann nachfolgend auf die Ausgestaltung des landwirtschaftlichen Regelwerks sowie auf Bewirtschaftungsverträge im Sömmerungsgebiet und in hoch gelegenen Mähwiesen Einfluss genommen werden. Nicht zuletzt ist es unser Ziel, das Bewusstsein bei der Lokalbevölkerung und Parkgästen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu stärken.
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