Das Nahrungsspektrum von Steinkäuzen (Athene noctua) im Landkreis Ludwigsburg (D)
Abstract
Der Steinkauz kommt in Nordafrika sowie in weiten Teilen Europas und Asiens vor. Sein Bestand in Europa hat seit 1950 stark abgenommen und in der Schweiz gilt er heute gemäss Roter Liste als „stark gefährdet (EN)“. Als Gründe für den Rückgang dieser Art werden unter anderem die Abnahme an geeigneten Nisthöhlen und Tageseinständen sowie Habitaten u.a. durch die Intensivierung der Landwirtschaft und Ausdehnung des Siedlungsgebietes genannt.
Diese Einflüsse können auch Auswirkungen auf das Nahrungsangebot und das Beutespektrum des Steinkauzes haben. Zudem unterscheidet sich das Nahrungsangebot zwischen Grün- und Ackerland stark, d.h. im Grünland kommen mehr Mäuse und Heuschrecken vor, im Ackerland hingegen mehr Käfer und Regenwürmer. Vor allem die Feldmaus spielt im Nahrungsspektrum des Steinkauzes eine wichtige Rolle, da deren Energiegehalt deutlich besser als jener von Insekten oder Regenwürmern ist. Trotzdem wird während der Brutzeit ein hoher Anteil an Insekten und Regenwürmern an die Jungtiere gefüttert, obwohl diese Beutetiere einen geringen Energiegehalt aufweisen.
Die Schweizerische Vogelwarte Sempach untersucht im Landkreis Ludwigsburg, Deutschland, die Brutbiologie und Nahrungsökologie von Steinkauzpopulationen. Eine Frage, der sie nachgeht, ist, wie sich das Nahrungsangebot auf das Überleben von Jung- und Altvögeln und auf die Ausbreitung auswirkt, indem sie u.a. Fütterungsexperimente macht (Zufütterung eines Teils der Bruten mit Mäusen). Die vorliegende Arbeit zeigt im Rahmen dieser Untersuchung auf, was für ein Nahrungsspektrum der Steinkauz während der Brutzeit verfüttert und was adulte Vögel ausserhalb der Brutsaison fressen. Mit Hilfe von Fotofallenbildern habe ich das Nahrungsspektrum des Steinkauzes während der Brutzeit analysiert. Die Analyse der Inhalte von Mägen und Gewöllen lieferte Erkenntnisse über die von adulten Vögeln gefressene Nahrung.
Die Steinkäuze fütterten ihren Jungtieren bevorzugt Mäuse und Regenwürmer. Der Anteil der Biomasse an Mäusen war bei allen drei Erhebungsmethoden am höchsten. In Bezug auf die unterschiedlichen Habitate wurden im Grünland mehr Mäuse sowie Heuschrecken und im Ackerland mehr Regenwürmer und Insekten gefüttert. Bei den Varianten der Zufütterung konnte ein höherer Anteil an Mäusen bei den zugefütterten und mehr Heuschrecken bei den nicht zugefütterten Bruten festgestellt werden. Weibchen brachten ihren Jungtieren zudem mehr Mäuse als Männchen, letztere wiederum fütterten mehr Regenwürmer.
Aufgrund der vorliegenden Arbeit ist anzunehmen, dass Bruten, welche hauptsächlich von Ackerland umgeben sind, einen kleineren Bruterfolg aufweisen, als Bruten im Grünland. Durch intensiv bewirtschaftetes Landwirtschaftsland werden Käfer- und Insektenvorkommen geschmälert. Zusätzlich ist die Nahrung für den Steinkauz im Grünland besser erreichbar, weil in hohen Ackerkulturen schwierige Jagdbedingungen herrschen. Der Bruterfolg oder die Überlebenschancen allgemein könnten durch ein höheres und besser erreichbares Mäuseangebot verbessert werden.
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