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Kerngebiete für Wiesenbrüter in den Mähwiesengebieten Nord- und Mittelbündens

Graf, Roman; Neuhaus, Stefanie; Korner, Pius
Magazine
Jahresber. Nat.forsch. Ges. Graubünden (Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden)
Language
ger
Year of publication
2014


Abstract

Wiesenbrütende Vogelarten, insbesondere das Braunkehlchen, sind aufgrund ihrer Lebensweise durch die Intensivierung der Berglandwirtschaft gefährdet. Einige Regionen Graubündens beheimaten noch grössere Wiesenbrüterpopulationen. Bekannt sind die Kerngebiete im Engadin. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Bodenbrütergebiete Nord- und Mittelbündens fehlte aber bisher. Basierend auf Brutvogelkartierungen auf 152,9 km2 potenziell geeigneter Mähwiesengebiete wurden nun 74 Kerngebiete für Bodenbrüter mit einer Gesamtfläche von 81,9 km2 identifiziert. 51,1 km2 davon sind Kerngebiet für das Braunkehlchen, 23,25 km2 für die Feldlerche und 46,6 km2 für den Baumpieper (die Kerngebiete für die drei Arten überlappen sich). Innerhalb der Kerngebiete schätzen wir die Bestände der Arten wie folgt: Baumpieper 648 (606–703) Reviere; Braunkehlchen: 609 (557–660) Reviere; Feldlerche 219 (177–241) Reviere. Beim Braunkehlchen brütet wohl nur ein kleiner Teil der in Nord- und Mittelbünden anwesenden Paare ausserhalb der identifizierten Kerngebiete. Bedingt trifft dies auch auf die Feldlerche zu, allerdings kommt diese Art vereinzelt auch noch in Ackergebieten der Tallagen und oberhalb der von uns untersuchten Mähwiesen in mageren, heideartigen Weiden vor. Beim Baumpieper gehen wir davon aus, dass der grösste Teil der Reviere Nord- und Mittelbündens nicht in den Kerngebieten, sondern ausserhalb davon, entlang der oberen Waldgrenze des gesamten Untersuchungsraums zu finden ist.

Aufgrund ihrer geografischen Lage können die Braunkehlchenbestände der 74 Kerngebiete zu 14 «Populationen» zusammengefasst werden. Dann zeigt sich, dass die zahlenmässig stärksten Bestände dieser Art in den Talschaften Safien, Schanfigg und im Hinterrheintal zwischen Heinzenberg und Hinterrhein beheimatet sind. Für die Feldlerche sind die Talschaften Schons-Rheinwald und Lumnezia sowie der Heinzenberg besonders wichtig. Beim Baumpieper verzichten wir auf eine Wertung, weil wir, wie bereits erwähnt, annehmen, dass der grösste Teil der Baumpieper ausserhalb unserer Kerngebiete siedelt.

Im Schnitt sind 27 % der Schwerpunktgebiete durch Spätmahdverträge abgesichert. Die Abdeckungsrate variiert von Region zu Region stark. In St. Antönien Büel und Cuolms d’Andiast beispielsweise gibt es gar keine Spätmahdverträge, während in Tinizong Battagliang 77 % des Kerngebiets durch solche Verträge gesichert sind. Weit unterdurchschnittlich ist die Abdeckung mit Verträgen in der Val Lumnezia und im Safiental, welche beide für Wiesenbrüter sehr wichtig sind.

Die wichtigste Massnahme für den Wiesenbrüterschutz in Nord- und Mittelbünden wird in Zukunft sein, die Abdeckung der Kerngebiete mit Spätmahdverträgen zu vergrössern. Punktuell kann Einzelnesterschutz einige Bruten retten, doch ist diese Methode im Vergleich zum Ertrag sehr aufwendig. Wichtig ist auch eine verbesserte Information der Landwirte und der übrigen Bevölkerung. In dieser Sparte könnten die neu gegründeten Naturparks eine wichtige Rolle spielen.

Die Karten mit den Schwerpunktgebieten und einem Steckbrief für jedes Gebiet sind im Internet veröffentlicht. So kann gewährleistet werden, dass bei Neuerarbeitung und Weiterentwicklung von Vernetzungsprojekten noch besser auf die Ansprüche der gefährdeten Bodenbrüter eingegangen werden kann.

Keywords: Mähwiesen, Nordbünden, Mittelbünden, Braunkehlchen, Feldlerche, Baumpieper

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