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Überlebensrate adulter Weissrückenspechte (Dendrocopos leucotos) in Abhängigkeit von Geschlecht, Topografie und Habitat in bewirtschafteten Wäldern der Alpen

Weber, Patrick
Language
ger
Year of publication
2021


Abstract

Obwohl Spechten (Picidae) über ihre Schirmartenfunktion für die Biodiversität eine große Bedeutung in der Waldnaturschutzplanung zukommt, bestehen nach wie vor große Wissenslücken bezüglich ihrer Populationsbiologie. Eine Art mit besonders hohem Indikatorwert ist der Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos). Als Nahrungsspezialist unter den europäischen Spechtarten besiedelt er nahezu ausschließlich alte, naturnahe Laubwälder mit einem großen Totholzvorrat und einer Vielzahl an saproxylischen Käfern. Im Gegensatz zu starken Bestandseinbrüchen skandinavischer Populationen in Folge intensiver Forstwirtschaft, weitet der Weißrückenspecht im Alpenraum gegenwärtig sein Vorkommen nach Westen aus. Dabei besiedelt er auch montane Wirtschaftswälder, aus denen er lange Zeit vollständig verschwunden war. Um die Populationsentwicklung im Zusammenhang mit der forstwirtschaftlichen Nutzung dieser Wälder besser zu verstehen und geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, wurde in dieser Arbeit die Überlebensrate adulter Weißrückenspechte im Zeitraum von 2016-2020 untersucht. Basierend auf Radiotelemetriedaten und Farbringablesungen von 60 Individuen wurden robuste Fang-Wiederfang-Modelle aufgestellt, um a-priori Hypothesen zum Geschlecht, der Topografie und dem Habitat zu überprüfen. Unter Berücksichtigung der unvollständigen Entdeckungswahrscheinlichkeit lag die jährliche apparente Überlebensrate der Population im Untersuchungsgebiet bei 0,80 (0,67-0,91). Männchen (0,88) wiesen höhere Werte als Weibchen (0,72) auf. Höchste Werte der jährlichen apparenten Überlebensrate wurden in südexponierten Revieren in mittlerer Höhenlage zwischen 800 und 1000 m über N.N. gefunden. Sie korrelierte außerdem positiv mit Laubwaldbedeckung und der Anzahl Biotopbäume pro Hektar. Ein Zusammenhang zwischen der jährlichen apparenten Überlebensrate und dem Totholzvolumen konnte nicht gefunden werden. Die Ergebnisse machen deutlich, dass der als Urwaldspezialist angesehene Weißrückenspecht durchaus auch in extensiv genutzten Wirtschaftswäldern der Alpen hohe Überlebensraten erreichen kann, solange Schlüsselstrukturen erhalten bleiben und ausreichende Nahrungsressourcen vorhanden sind.

Keywords: Weißrückenspecht, Dendrocpos leucotos, apparente Überlebensrate, Geschlecht, Topografie, Habitat, Forstwirtschaft, Artenschutz

Although biodiversity conservation strategies in forests are often based on the population size of woodpeckers (Picidae) as umbrella species, empirical estimates of demographic parameters shaping their population dynamics are scarce. A species of particular conservation concern is the White-backed Woodpecker (Dendrocopos leucotos) – an old-growth forest specialist typically found in primeval forests with large amounts of deadwood and saproxylic beetles. Contradicting to large population declines in most parts of Europe as a consequence of commercial forestry, the species recently expanded its distribution in the Alpine region into managed forests. In order to provide detailed knowledge about the population demography of the White-backed Woodpecker in this newly recolonized area and to adapt local management practices for conservation purpose, the survival rate of adult birds was assessed between 2016 and 2020. Based on radiotelemetry data and colour ring readings of 60 birds, robust capture-mark-recapture models were performed to test a-priori hypotheses regarding the relation between survival and sex, topography and habitat. While accounting for imperfect detection probability, mean annual apparent survival of the population was 0.80 (0.67-0.91). Values of males (0.88) exceeded those of females (0.72). Annual apparent survival was highest in territories with southern aspect and between 800 and 1000 m above sea level. Furthermore, it was positively correlated with the cover of deciduous trees and the number of habitat trees per hectare. No correlation between apparent survival and the volume of deadwood was found. The results suggest, that despite being considered as a habitat specialist, the Whitebacked Woodpecker can thrive in managed Alpine forests, as long as key factors are retained and sufficient food resources are available.

Keywords: White-backed Woodpecker, Dendrocopos leucotos, apparent survival, sex-specific survival, topography, habitat, forest management, species conservation

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