Vögel tragen kaum zur Ausbreitung des Feuerbrandes in der Schweiz bei
Abstract
Im Zusammenhang mit dem Feuerbrand wird in Landwirtschaftskreisen immer wieder erwähnt, dass Vögel zur Ausbreitung dieser Pflanzenkrankheit beitragen würden. Entsprechend werden Massnahmen empfohlen, welche diesen Übertragungsweg einschränken sollen. Dies kann dazu führen, dass potenzielle Lebensräume für Vögel und andere Wildtiere unzugänglich gemacht werden. Wir haben deshalb in einer Literaturstudie zu klären versucht, wie gesichert es ist, dass Vögel Feuerbrand übertragen können.
In wissenschaftlichen Studien wurde bisher einzig gezeigt, dass künstlich angebrachte Feuerbrandbakterien an Vogelfüssen neun Tage lang überleben und dass im Kot von Staren Feuerbrandbakterien vorkommen können. Die Argumente für eine Übertragung erwiesen sich insgesamt aber als wenig überzeugend. Andere Verbreitungsmechanismen sind nachgewiesen oder es gibt starke Indizien für deren Wirksamkeit: grossräumig über den Handel von (infizierten) Pflanzen, auf mittlere Distanz mit verunreinigten Schnittwerkzeugen sowie durch den Wind und kleinräumig über Regen und Wind. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Vögel bei der Verbreitung höchstens eine untergeordnete Rolle spielen. Massnahmen, die sich direkt oder indirekt gegen die Vögel als Überträger richten, sind demnach nicht zielführend und wirkungslos.
In einigen landwirtschaftlichen Merkblättern der Schweiz werden die Vögel fälschlicherweise als Überträger dargestellt. Dies ist unbedingt zu korrigieren.