Abstract
Der Kanton Basel-Stadt (BS) hat im Rahmen des Nationalen Finanzausgleichs (NFA) mit dem Bund eine Vereinbarung getroffen, um von 2020–2024 die Gebäudebrüter Alpensegler, Mauersegler, Mehlschwalbe und Rauchschwalbe zu fördern. Der Kanton Basel-Stadt hat für Gebäudebrüter eine beachtliche Bedeutung. Rund 75 % des Stadtkantons sind mit Siedlungsflächen belegt. Ein Grossteil der Kantonsfläche ist somit potenzieller Lebensraum für Gebäudebrüter. In einem gemeinsamen Projekt mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde ein Projekt aufgebaut, das (1) die Erstellung und Aktualisierung einer systematischen Datengrundlage (Inventar), (2) den Erhalt bestehender Brutplätze, (3) die Förderung neuer Brutplätze und die Erweiterung bestehender Kolonien sowie (4) die Sensibilisierung von Stakeholdern und Öffentlichkeitsarbeit umfasste.
Bereits heute geht der Kanton BS fortschrittlich mit dem Erhalt bestehender Brutplätze von Gebäudebrütern um. Baugesuche für Bauvorhaben, bei denen Gebäudebrüter betroffen sind, werden der Abteilung Natur Landschaft Bäume der Stadtgärtnerei Basel vorgelegt. Die Abteilung prüft die Baugesuche und ist bemüht durch Bauvorhaben entstehende Konflikte mit Gebäudebrütern in der Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Vogelfragen vogelfreundlich zu lösen und die Brutplätze zu schützen. Das zweite Ziel, der Erhalt bestehender Brutplätze, wird damit bereits durch den Kanton umgesetzt.
Der Fokus lag daher in erster Priorität auf der Erstellung eines Inventars. Die Brutplätze der Gebäudebrüter wurden auf der gesamten Kantonsfläche erfasst. Dies in Zusammenarbeit mit Freiwilligen und in enger Absprache mit einer Begleitgruppe, bestehend aus Vertretern der Ornithologischen Gesellschaft Basel, der Stadtgärtnerei Basel und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Während drei Feldsaisons wurden 54 Sektoren von je ca. 0,5 km2 Grösse mindestens einmal während der Projektphase und mindestens zweimal pro Feldsaison nach Gebäudebrütern abgesucht. Gefundene Brutplätze wurden gebäudegenau in der digitalen Datenbank «PopMon» erfasst. Insgesamt wurden 1529 Niststandorte von Mauerseglern, Alpenseglern, Rauchschwalben und Mehlschwalben erfasst. 1253 Standorte waren durch mindestens ein Brutpaar besetzt. Bei 276 Standorten wurden unbesetzte Nisthilfen und/oder Naturnester (Rauch- und Mehlschwalbe) festgestellt. Wenn immer möglich wurde bei den besetzten Standorten auch die Anzahl Brutpaare erfasst. Insgesamt wurden mindestens 3081 Gebäudebrüter-Brutpaare festgestellt. Der Grossteil der gefunden Brutplätze entfällt auf Mauersegler (1163 besetzte Brutplätze, mind. 2520 Brutpaare), gefolgt von Mehlschwalben (79; 466), Alpensegler (6; 41) und Rauchschwalben (5; 54). Die im Rahmen des Projekts ermittelte Dichte des Mauerseglers beträgt über die gesamte Kantonsfläche berechnet durchschnittlich 42,2 Brutpaare pro km2, ein im internationalen Vergleich sehr hoher Wert. Die Gebäudebrüter brüten gerne in Kolonien. Über 50 % der Brutpaare brüten in Kolonien von 4 – 40 Brutpaaren pro Gebäude. Über alle Arten gesehen beherbergen 37 Gebäude insgesamt 671 Brutpaare (21.8 %), in Kolonien von 10 – 40 Brutpaaren. Ein beachtlicher Teil der Gebäudebrüter im Kanton Basel-Stadt brütet in Nisthilfen. Im Rahmen der Kontrolle der 448 der Fachstelle für Vogelfragen bekannten Brutplätze von Gebäudebrütern konnten 318 (71 %) nach wie vor als besetzt bestätigt werden. Diese Umstände unterstreichen die Wichtigkeit der Erhaltung bestehender Brutplätze und die Bedeutung der Erweiterung des Nistplatzangebots im Umfeld bestehender Kolonien.
Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Inventar wurde eine Herangehensweise für die Förderung der Gebäudebrüter im Kanton Basel-Stadt im Rahmen eines möglichen Folgeprojekts 2025 – 2028 skizziert. Der Fokus soll dabei auf die Sensibilisierung der Eigentümerinnen und Bewohner der betroffenen Gebäude gelegt werden – mit dem Ziel, bestehende Brutplätze zu erhalten. Gleichzeitig, um Vorzeigeprojekte für die Öffentlichkeitsarbeit zu generieren, können Gebäude der öffentlichen Hand mit Nisthilfen ausgestattet werden. Angesichts der erschwerten Nachweisbarkeit der Brutplätze, insbesondere bei den Mauerseglern, wird der Stadtgärtnerei Basel sowie motivierten Freiwilligen empfohlen, neue Brutplätze laufend in der Datenbank «PopMon» zu erfassen.
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