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      Neuer Aufschwung der Schreitvögel

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      In der Dombes, 75 km westlich der Schweiz, brüten zurzeit alle neun europäischen Reiherarten sowie der Löffler und unregelmässig auch der Sichler. © Nidal Issa

      Der Atlas 2013–2016 dokumentiert nicht nur die Bestandszunahme des Graureihers, sondern auch den Wiederaufschwung des Purpurreihers, die erste Brut des Silberreihers und den ersten Brutversuch des Seidenreihers in der Schweiz. Diese Ereignisse waren vor wenigen Jahren noch unvorstellbar und widerspiegeln einen positiven Trend auf europäischer Ebene.

      Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erlitten die Bestände der europäischen Reiherarten durch das Trockenlegen von Feuchtgebieten und die Jagd nach Schmuckfedern massive Verluste. In einzelnen Nachbarländern hat bereits das Ende des Federnbooms in der Mode und das Nachlassen des jagdlichen Drucks – seit 1975 stehen die Reiher in Frankreich unter Schutz – dazu geführt, diesen negativen Trend zu stoppen. Neu geschaffene, weitgehend ungestörte Schutzzonen mit ausgedehnten Schilfbeständen haben zudem den lokalen Aufschwung bzw. die Neuansiedlung von Reiherarten unterstützt. Mit dem Aufkommen des Reisanbaus in der Camargue und der Poebene sind seichte Überschwemmungsflächen mit einem reichen Angebot an Wirbellosen und Amphibien entstanden, was bei den Reihern für einen besseren Bruterfolg und einen höheren Anteil an Überwinterern sorgte.

      Der Kuhreiher brütet beispielsweise seit 1969 in Frankreich; der Bestand nimmt seither stark zu. In Frankreich und Italien zusammen waren es 2014 bereits mehr als 20 000 Brutpaare. Der Rallenreiher breitet sich ebenfalls stark aus. Auch der Löffler ist seit 1981 Brutvogel in Frankreich, und seit 2006 brütet dort auch der Sichler regelmässig. Demgegenüber fluktuieren die europäischen Bestände des Purpurreihers und des Nachtreihers: Trotz der eher negativen langfristigen Perspektiven gibt es seit 2000 lokal auch positive Trends.

      Entwicklung der Auftretensindizes im Frühling (15. März – 30. Juni) bei den vier Reiherarten mit der stärksten Bestandszunahme in der Schweiz: Silber- und Seidenreiher (Skala links) sowie Kuh- und Rallenreiher (Skala rechts).

      Die Situation in der Schweiz ist damit jedoch nicht vergleichbar, denn Bruten von Silber- und Nachtreiher waren hier in den letzten Jahren Einzelfälle, und beim Seidenreiher blieb es bei einem erfolglosen Brutversuch 2014 bei Zug. Abgesehen vom Graureiher hat bei uns nur der Purpurreiher im Bestand zugelegt; 2016 erreichte dieser mit 17 Brutpaaren den Höchststand seit 1965. Dass die Schweiz für die Ansiedlung grosser Reiherkolonien eher ungeeignet ist, liegt vor allem am beschränkten Vorkommen ausgedehnter und weitgehend störungsfreier Feuchtgebiete. Die Zunahme der Reiherbestände jenseits der Landesgrenzen macht sich bei uns deshalb in erster Linie durch wachsende Zahlen bei Durchzüglern und Wintergästen bemerkbar. Das gilt besonders für den aus den Ebenen Mittel- und Osteuropas stammenden Silberreiher, von dem durchgehende Überwinterungen erst seit 1994/1995 regelmässig sind. Auf dem Vormarsch ist zudem der Seidenreiher, der seit 2009 an mehreren Orten im grenznahen Frankreich und in der Provinz Varese brütet. Auch der Kuhreiher nähert sich mehr und mehr der Landesgrenze.

      Die Geschichte der Reiher in Europa ist mit grossflächig umgesetzten Schutzanstrengungen und einem positiven Wandel im Bewusstsein der Menschen verbunden. Die Bestandszunahme im Ausland könnte sich auf die Lage in der Schweiz in zweierlei Hinsicht positiv auswirken: Für Silber-, Seiden- und Nachtreiher ist sie eine Chance, zu regelmässigen Brutvögeln zu werden, und bei anderen Arten könnte es neu zu Brutansiedlungen kommen. Der langfristige Schutz der Reiher und aller anderen ans Wasser gebundenen Arten steht und fällt mit einem europaweit dichten Netz gut unterhaltener, störungsfreier Feuchtgebiete.

      Text: Jérémy Savioz


      Zitiervorschlag des Atlas online:
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