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© naturepl / David Tipling
Sperlinge

Alles ausser gewöhnlich

Der Sperling gilt als Inbegriff der Gewöhnlichkeit: Praktisch überall anzutreffen, keine auffälligen Farben, kein flötender Gesang. Dazu kommen «Eigenarten» wie das Brüten in Storenkästen. Er galt als faul, schmutzig und man hat regelrechte Kriege gegen ihn geführt. Im besten Fall haben wir ihn ignoriert. Kein Wunder, zucken die meisten Menschen mit den Schultern, wenn man von Spatzen spricht. Mit unserem Themenheft möchten wir die Sperlinge so zeigen, wie sie sind: Faszinierende und anpassungsfähige Vögel, die seit Tausenden von Jahren in der Nähe des Menschen leben und damit ein Stück Natur zu uns bringen.

Geschichte

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Vor rund 10 000 Jahren gingen die Menschen vom Jagen und Sammeln zu Ackerbau und Viehhaltung über. Zu dieser Zeit näherte sich der Haussperling dem Menschen an. Denn beim Bestellen der Felder fielen Körnerreste an, die der Vogel als leicht zugängliche Nahrung für sich zu nutzen wusste. Die neu entstehenden Häuser boten ihm Unterschlupf und Nistgelegenheiten. Geschätzt wurde der gefiederte Nachbar nicht besonders. Zwar wurde er mancherorts eingeführt, aber anderswo rigoros verfolgt.

Zusammenleben

Unser nächster Nachbar

Die Nähe des Haussperlings zum Menschen führte meist zu Desinteresse. Die interessanten Aspekte des Haussperlings eröffnen sich nur jenen, die genau hinschauen oder -hören. Ein Beispiel dafür sind die Lautäusserungen. Der Tierforscher Alfred Brehm schrieb dazu: «Er ist ein unerträglicher Schwätzer und ein erbärmlicher Sänger. Trotzdem schreit, lärmt und singt der Sperling, als ob er mit der Stimme einer Nachtigall begabt wäre.»
Doch nutzt der Haussperling eine Vielzahl von Lautäusserungen. Es lohnt sich also, genau hinzuhören. Man kann regelrecht eine neue Sprache lernen und erfährt vielleicht endlich, was die Spatzen denn nun von den Dächern pfeifen.

  • Haussperling Gesang
    © Olivier SWIFT
  • Haussperling Rufe
    © Jerome Fischer
  • Haussperling Gruppenrufe
    © Gary Elton
  • Haussperling Alarmrufe
    © Peter Ertl

Videos

Der Haussperling ist unglaublich flexibel und lernfähig, was ihm die Eroberung der Welt ermöglicht hat. Gerade bei der Nahrungsbeschaffung ist er sehr findungsreich. Einige Haussperlinge haben etwa gelernt, den Bewegungssensor automatischer Türen zu aktivieren, suchen den Kühlergrill geparkter Autos oder die Front stehender Lokomotiven nach getöteten Insekten ab oder jagen nachts im 80. Stock des erleuchteten Empire State Buildings.

Für die Nahrungssuche in einer Cafeteria ist selbst eine automatische Tür für Spatzen kein echtes Problem. Ein Beispiel dafür, wie erstaunlich anpassungsfähig sie sind. Video: © Marc Tschudin

Im Zürcher Hauptbahnhof richtet sich das Spatzenleben im Sommer nach den Taktfahrplan. Die Züge haben auf der Fahrt Nahrung gesammelt.
Video: © Marc Tschudin

Einen Grossteil der Zeit verbringen Spatzen auf dem Boden. Zum Beispiel fürs obligate Sandbad. So wird Gefiederpflege zum gesellschaftlichen Anlass. Video: © Marc Tschudin

Sperlingsarten

Vier Arten brüten in der Schweiz, zwei weitere Arten sind Irrgäste aus dem Süden.

Unsere heimischen Sperlingsarten

Schneesperling

Der coolste Spatz

Sogar in den hohen Bergen begegnen wir einem Sperling! Besondere Anpassungen ermöglichen dem Schneesperling hier das Überleben.
Das Brutgebiet des Schneesperlings liegt in der Höhe von 1900 bis 3000 m ü. M. In dieser Höhenlage ist er auf steinigen Matten und Schuttfeldern anzutreffen. Er kommt nicht nur in den Schweizer Alpen vor, sondern auch in anderen europäischen und asiatischen Gebirgen. In der Schweiz leben 6000 bis 9000 Paare.

Tagsüber brauchen die Vögel viel Energie für die Nahrungssuche, und nachts gilt es, tiefe Temperaturen zu überstehen. Selbst im Winter weichen sie nicht in tiefere Lagen aus, um eventuell dort üppigere Kost zu finden. Das Nahrungsangebot ist also stark von Wind und Wetter abhängig und Schneesperlinge sind gefordert, immer jene Stellen zu finden, an denen gerade viel Nahrung vorhanden ist. Heute ist der Schneesperling auch Kulturfolger: An Seilbahnstationen und bei Bergrestaurants findet er zusätzliche Nahrung und Nischen zum Brüten.

Auf der Melchsee-Frutt erforscht die Vogelwarte seit 2015 den Schneesperling. Unsere Studien zeigen: Die Bestände gehen zurück, vermutlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Durch Beringung und Beobachtung versuchen wir zu verstehen, warum das passiert – und was wir dagegen tun können.

Redensarten

Mit dem Spatz in der Hand

Ein Vogel, der so eng mit uns Menschen zusammenlebt, hinterlässt auch in der Sprache seine Spuren, wovon zahlreiche Redensarten zeugen. Manchmal gleichen sich diese Aussprüche sogar in verschiedenen Sprachen.

Wettbewerb

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Förderung

Den Spatzen Gutes tun

In der Schweiz geht es den Sperlingen grundsätzlich gut. Der Schweizer Bestand des Italiensperlings ist mit einigen Unsicherheiten seit 20 Jahren stabil, ebenso jener des Feldsperlings. Der Bestand des Haussperlings ist in den letzten 35 Jahren sogar um 20 Prozent grösser geworden. In anderen europäischen Ländern gibt es aber dramatische Bestandseinbrüche.

In Paris brach der Bestand des Haussperlings in 15 Jahren um schwindelerregende 89 Prozent ein. Beim Feldsperling sieht es mancherorts nicht besser aus: Sein Bestand ist in England seit 1965 um unglaubliche 98 Prozent zurückgegangen. Dass derart anpassungsfähige Vögel wie die Sperlinge mancherorts verschwinden, sollte uns zum Nachdenken bringen. Was können wir tun, um sie zu unterstützen?

Im eigenen Garten ist naturnahe Gestaltung entscheidend: Das bedeutet, einheimische Sträucher und Wildstauden zu setzen statt Thuja oder Kirschlorbeer. Einheimische Gewächse ziehen nämlich Insekten an, und die Samen von Wildstauden bieten den Spatzen wichtige Nahrung. Dichte, dornige Sträucher haben es den Vögeln ebenfalls angetan, da sie Schutz vor der Witterung und ihre Dornen Sicherheit vor Fressfeinden bieten.

Ratgeber

News zu Sperlingen

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